Hi Bernhard, *
da es mir in deutsch nun mal leichter fällt, meine Gedanken zu
formulieren, schreib ich erstmal auf deutsch .. und dann später auf den
internat. Listen. Also ...
Zuerst einmal: mir gefällt die Art der Diskussion, wie sie geführt wird
nicht. Warum? Weil aus meiner Sicht Probleme, die unser Projekt hat in
diese Diskussion eingemischt werden, die eine Stiftung nicht lösen kann
und auch nicht lösen wird.
Soweit ich die Diskussion verstehe, soll die Foundation zum einen den
"Kontrollanspruch" Suns (was ich jetzt nicht als wertenden Begriff
verstanden sehen möchte) abschwächen, und gleichzeitig die Tür für
weitere Firmen oder andere Beitragende öffnen. Das ganze soll im
Interesse und aus der Community heraus erfolgen.
.. gute Idee .. nur meiner Meinung nach nicht realistisch.
Suns "Kontrollanspruch" entsteht aus verschiedenen Gründen:
- rechtlich hält Sun das Copyright (bzw. analoge Rechte) am gesamten
OOo-Quellcode. Dass diese Rechte an eine Foundation abgegeben werden ist
zwar möglich, im Moment aber unwahrscheinlich (was wäre der Anreiz für Sun?)
- Suns Mitarbeiter tragen nach wie vor den grössten Teil zur OOo
Entwicklung bei. Dabei zählt nicht nur aktuell geleistete Arbeitsstunde
sondern auch das Wissen der einzelnen Mitarbeiter und der
Wissensaustausch unter den Mitarbeitern eine erhebliche Rolle. Eine der
Grundregeln in OpenSource Projekten ist aber, dass derjenige, der den
grössten Beitrag leistet auch weitgehend darüber bestimmt, wie er diesen
Beitrag leistet. Eine übergreifende Stiftung würde nichts daran ändern,
dass Sun diese Beiträge leistet und über seine eigenen Beiträge
bestimmt. Die logische Konsequenz wäre, dass Sun nicht mehr so viel
beitragen dürfte ... was glaube ich keine gute Idee ist.
- auch neben den Beiträgen durch Mitarbeiter stellt oder zahlt Sun viele
Ressourcen im Projekt. Wenn wir über eine Stiftung reden, die selbst
Kontrolle über das OOo Projekt hat, dann müssen wir auch drüber reden,
dass sie diese Ressourcen stellt oder zahlt.
Die vielen neuen Beiträge, die eine Stiftung ermöglichen soll, sollen
aus drei Richtungen kommen.
- Freie Programmierer, die in eine unabhängige Stiftung mehr vertrauen
haben und jetzt keinen Code beitragen, weil sie das JCA unterzeichnen
müssen. Ich glaube aber nicht, dass das JCA das Hauptproblem für diese
Programmierer ist. Hier gibt es andere organisatorische Probleme im
Projekt, die auch nicht durch die Schaffung einer Stiftung gelöst werden.
- Weitere Firmen sollen Entwicklerleistungen und Gelder in OOo über die
Stiftung einbringen. Hmm .. ja .. können sie doch jetzt schon. Viele tun
das nicht oder nur zögerlich, weil sie ihre Leistungen nicht direkt "an
Sun" weitergeben möchten. Angeblich kontrolliert Sun zu stark, was mit
diesen Beiträgen gemacht wird. ... aber würden diese Firmen zulassen,
dass eine Foundation die Verwendung der Beiträge kontrolliert?
- "Grossanwender" (immer wieder werden hier öffentliche Institutionen
und Verwaltungen genannt) wäre bereit, Gelder an eine Stiftung zu geben
.. eher, als an eine einzelne Firma. Nur .. wenn das wirklich sooo
riessen Summen wären, sind es auch grössere Projekte. Vom Geld allein
entsteht aber kein Code, den muss jemand entwickeln. Jörg hatte in
seiner Mail erwähnt, dass bei der Auflistung der Firmen KMU's fehlen ..
ich fürchte einfach, dass das nachher auch in der Realität so sein wird.
Wie gesagt ... ich fürchte, hier wird über die Gründung einer Stiftung
diskutiert, um eine Stiftung zu gründen, nicht um bestehende Probleme zu
lösen. Zur Lösung der diskutierten Probleme kann eine Stiftung aus
meiner Sicht nur wenig beitragen. Ich befürchte eher, dass im Moment
etwas geschaffen würde, was nur so aussieht, als hätte es die Kontrolle.
(Wer Douglas Adams gelesen hat: "The President in particular is very
much a figurehead - he wields no real power whatsoever. ... His job is
not to wield power but to draw attention away from it.")
Den für mich wirklichen Grund, eine Stiftung zu gründen, hat Thomas
genannt - die Gefahr, dass Sun als zentrale Instanz wegfällt. Sollte das
passieren, wäre das ein herber Schlag, den eine Stiftung abfedern könnte.
Eine klare Positionierung, dass diese Stiftung momentan "nur" Adons
betreut, im Zweifelsfall aber den gesamt code übernehmen kann, wäre aus
meiner Sicht durchaus denkbar und sinnvoll. Das würde dann etwa der
Vereinbarung entsprechen, die TrollTech mit KDE hat.
sooo .. falls übrigens jemand Beispiele von anderen funktionierenden
Stiftungen hat, würde ich gerne wissen, ob und wie die funktionieren. Im
Moment fällt mir nur OSDL als negativ-Beispiel ein.
André
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