Am Mon, 30 Nov 2009 13:04:22 +0100
schrieb Frank Stähr <[email protected]>:

> ich zumindest ging immer von einer Hardwarekompatibilität zu den
> bestehenden Tastaturen aus.

Damit entfällt die Möglichkeit, Keyboard Encoder aus Billigtastaturen
zu verwenden. Mit dem Keyboard Encoder SK5101 dürfte
Hardwarekompatibilität realisierbar sein.

> Wir wollten doch einfach nur die Tasten etwas umordnen und vielleicht
> einige Modifier unter die Daumen legen und uns dabei an bestehenden
> Tastaturen orientieren, oder hab ich da was falsch verstanden?

Das war mir nicht klar. Die preiswerteste Möglichkeit zeigt die (nicht
schlechte) Tastaturbelegung arensito2 auf, aber nicht für deutsche
Sprache optimiert.
Weiter gedacht, genügte eine Standard-Kompakt-Tastatur als
Neo-Tastatur (z. B. Cherry G84-4100 (ausprobieren, ob mit oder ohne
Windowstasten für diesen Zweck besser ist | 54 Euro incl. Versand),
wenn folgende Kriterien umsetzbar sind:
Grundreihe um eine Reihe weiter nach oben legen,
Grundposition der linken Hand um eine Taste weiter nach rechts,
drei Tasten Abstand (statt zwei) zwischen den Zeigefingern,
Leertaste durch eine Taste in Buchstabengröße ersetzen,
nicht hinreichend gut erreichbare Tasten nur mit seltensten Funktionen
belegen (z. B. die mittlere Taste zwischen den Zeigefingern in der
Reihe unter der Grundreihe mit NumLock),
die unteren beiden Reihen für den Daumen belegen.

Für die Hardwareentwicklung wird man die
dann noch schlecht erreichbaren Tasten weglassen,
die Systemtasten in Form günstiger Microtaster ohne Tastenkappen
einbauen,
wo zu unbequem, die von Reihe zu Reihe verschobenen Tasten besser
erreichbar anordnen,
und die Tastatur zweiteilig auslegen bzw. zumindest in Deltaform.

> Ich verweise an dieser Stelle nochmals auf die Kinesis-Tastatur¹ und
> auf die Maltron Flat².

Das sind Tastaturen für über 200 Euro, also weit jenseits der
Preisvorstellungen.
Warum die Maltron modernen ergonomischen Gesichtspunkten nicht
gerecht wird, wurde bereits erläutert. Gute ergonomische Tastaturen
sollen zweiteilig sein, da sie dadurch individuell anpassbar sind.
Bei einer Neo-Tastatur in 3D-Format wird von zu hohen Kosten
ausgegangen (liegen konkrete Preisauskünfte vor?). Ferner soll die
Umstellung auf eine 3D-Tastatur für den Benutzer größer sein. Oft genug
senden Anwender 3D-Tastaturen nach dem Ausprobieren zurück.

Die Kinesis freestyle (knapp 100 Euro) halte ich als Arbeitsvorlage
(unter Berücksichtigung der anderen vorgeschlagenen Tastaturen) für
besser geeignet:
http://www.kinesis-ergo.com/freestyle.htm

> Auch das Ziel, möglichst wenige Tasten zu verwenden, halte ich für
> fragwürdig. Numblock und F-Tasten beispielsweise stören doch nicht, da
> wo sie jetzt sind.

Der Numblock gehört allenfalls als externes NumPad auf einen
ergonomisch ausgelegten Arbeitsplatz. Ein Numblock auf der Tastatur
macht einen Arbeitsplatz unergonomisch. Entweder wird der Abstand
zwischen Tastatur und Maus zu groß (bzw. zu den auf der anderen
Seite befindlichen ergonomisch wichtigen Ablagefläche), oder die
bedienende Hand muss zu sehr seitlich abgewinkelt werden.
Hinsichtlich Ergonomomie ist völlig klar: Kein integrierter Numblock!
Numblock und F-Tasten lassen eine gute Tastatur locker 20 Euro mehr
kosten, sind allerdings besser ersetzbar (wie Ebene 4 zeigt).

Die Anzahl der Tasten einer Standardtastatur wurde im Laufe der
Geschichte mehrmals vergrößert, ohne dass deren Bedienerhände mehr
Finger bekamen. Folglich ist bei der Tastenanzahl ein Umdenken
unumgänglich, um dorthin zu gelangen, wo die Erreichbarkeit jeder
vorhandenen (bzw. belegten) Taste eine nicht zu geringe
Mindestbequemlichkeit erfüllt. So ziemlich alle alternativen
Tastaturbelegungen lassen das unberücksichtigt.
Mal eine dreiste bewusst überzogene Behauptung aus Sicht der
Hardwareergonomie:
Solange Neo auf einer Standardtastatur das Belegen zu vieler Tasten
vorsieht, gehört das e nicht in die Bezeichung "Neo".

> Eine neue Inkompatibilität zu schaffen, die an neuen Rechnern eine
> Installation einfordert, halte ich nicht für sinnvoll. (Ganz
> abgesehen von den Bios- und Grub-Problemen.)

Dieser wichtige Gesichtspunkt lässt sich bei der Hardwareentwicklung
berücksichtigen. Für Bios und Grub benötigte Tasten, die selten
gebraucht werden und nicht zwingend eine ergonomische
Betätigungscharakteristik brauchen, genügt eine Reihe Microtaster ohne
Tastenkappen.

> Vergesst nicht: Wir wollen ja tatsächlich den technischen Fortschritt,
> aber Neo bedeutet eben auch Ergonomie und Einfachheit.

Das wollen diejenigen ebenfalls, die eine ergonomische Hardware
wünschen. Sobald man sich mit dem Gebiet befasst, läuft es auf eine
zweiteilige Tastatur ohne Numblock hinaus. Die notwendige Verringerung
der Tastenanzahl ergibt sich aus Mindestbequemlichkeit bei der
Erreichbarkeit der Tasten und aus Kostengründen.

Wer sich mit Hardwareergonomie befassen möchte, dem sei der
BGIA-Report 3/2008 empfohlen: Ergonomische Anforderungen an
Eingabemittel für Geräte der Informationstechnik
http://www.dguv.de/bgia/de/pub/rep/rep07/bgia0308/index.jsp

Ich danke für deine richtungsweisenden Worte. Sie geben in wichtigen
Punkten Klarheit.

Mit netten Grüßen
Karl



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