Hallo Arne! Ich bin spät dran, da ich derzeit nicht viel Zeit für die ja durchaus anregenden Grundsatzdiskussionen habe, hier aber trotzdem ein wenig Senf meinerseits:
On 08.03.2010 17:29, Arne Babenhauserheide wrote: > COST_PER_KEY = [ # 0 heißt nicht beachtet > [0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0,0], # Zahlenreihe (0) > [0,6,3,3,3,4,4,3,3,3,6,7,8,0], # Reihe 1 > [0,3,2,2,1,3,3,1,2,2,3,6,0,9], # Reihe 2 > [0,5,5,5,5,5,7,7,5,5,5,5,0], # Reihe 3 > [0,0,0, 9 ,0,0,0,0] # Reihe 4 mit Leertaste > ] Die Symmetrie dieser Tabelle bezüglich der Zeigefinger auf Standard-Tastaturen kann ich wenn dann nur aus mathematisch-ästhetischen Gründen nachvollziehen, sonst aber keineswegs – oder gehst Du schon fix vom Einsatz und daher einer sinnvollen Optimierung auf einer Matrix-Tastatur aus? Erstens liegen die Tasten der oberen und unteren Reihe (Reihe 1, Reihe 3) nicht symmetrisch unter denen der Ruheposition (Reihe 2). Zweitens schreibt wohl kaum jemand wirklich mit vollständig senkrecht liegenden Händen bzw. Armen (ich am Wenigsten, da ich meine Körpermaße mit den Armen einfach nicht so zusammenzwicken möchte). Betrachten wir RSU (rechts spreiz unten, also Qwertz-N bzw. Neo-B), dann liegt diese Taste aus erstgenanntem Grund aber sowas von deutlich besser als LSU (Quertz-B bzw. Neo-Z), dass es einem auffallen müsste. Die angespitzte Handposition tut für LSU ihr Übriges, auch RSU profitiert nicht wirklich, aber der Einfluss ist nicht so stark. Machen wir weiter mit LSO (links spreiz oben, Qwertz-T, Neo-W) im Vergleich mit RSO (Qwertz-Z, Neo-K). Nicht ganz so deutlich wie bei der unteren Reihe, hat hier der Reihenversatz auch einen Einfluss auf die unterschiedliche Qualität zwischen links und rechts, diesmal ist links im Vorteil, und beide Tasten profitieren von einer Handdrehung. wenden wir uns LO und RO (Qwertz-R/Neo-C und Qwertz-U/Neo-H) zu. Bei paralleler Handposition scheinen die Tasten nicht stark unterschiedlich zu agieren, aber bei bereits geringer Drehung der Hände offenbart sich für die linke Hand ein deutlicher Nachteil: Hier muss der Zeigefinger den Mittelfinger geradezu „übersteigen“, um an sein Ziel zu kommen, wohingegen die Drehung der rechten Hand eine geradezu optimierende Wirkung entfacht. Vergleichen wir ganz belegungsneutral die Fingerabfolge Mittelfinger unten – Zeigefinger oben. Rechts kein Problem, links im Vergleich dazu eine Katastrophe. Bei den anderen Fingern ist der Effekt ähnlich gelagert. Die Frage ist: Wieso springen uns diese Probleme bei der Bewertungsfindung nicht an? Meine Meinung: Wir – die geläufigen Tipper – bewegen die Hand als Ganzes mit den Fingern mit, um überhaupt sinnvoll mit der Tastatur arbeiten zu können, unbewusst und aus verschiedenen Gründen. Erstens müssen wir die genannten Übersteigungen auflösen, ohne jedes Mal in dumpfes Fluchen zu verfallen. Zweitens müssen wir bei schnellen Fingerbewegungen die Hand stabilisieren, wodurch es zu unwillkürlichen Ausgleichsbewegungen anderer Finger und der Hand kommt. Drittens bewegen wir aus ergonomischen Gründen oft mehr als einen Finger aus der Grundposition, auch wenn nur eine Taste alternativ anzuschlagen ist, weil das zu einer anderen, offenbar geringeren Belastung der Muskel führt. Zuguterletzt nützen wir diese Handverschiebungseffekte und kollektive Fingerbewegungen auch dafür, mehrere Tasten in einer anderen als der Grundreihe ergonomisch hintereinander anzuschlagen – niemand kehrt nach jedem einzelnen Tastendruck mit den Fingern in die Grundposition zurück, wenn an Ort und Stelle noch etwas erledigt werden muss. Die von mir genannten Effekte müssten eigentlich einzeln untersucht und bewertet werden, von der Berücksichtigung individueller Vorlieben und Techniken einmal ganz abgesehen. Die Arbeit dazu ist enorm und sicher noch nicht vollkommen wissenschaftlich untersucht, bestenfalls in vereinfachten mathematischen Modellen für (symmetrische?) Tastaturen formuliert. Anfangen sollten wir jedenfalls damit, auf eine symmetrische Bewertung zu verzichten. In weiterer Folge sollte von einem Tasten-Abfolge-Modell auf ein Handmodell umgestellt werden, um die tatsächlichen Abläufe der Handbewegung besser berücksichtigen zu können. – Mœsi PS: Das ist keine Kritik an Deiner Arbeit, bitte nicht falsch verstehen! Es soll nur als Anregung dazu dienen, der komplexen Aufgabe ausreichend Rechnung zu tragen.
