TL;DR can has summary plz?
On Dec 19, 2007 12:39 PM, wechselstrom - christoph theiler <[EMAIL PROTECTED]> wrote: > FER schrieb: > > > > > > der quasi springende punkt waere im anspruch an selbstverteilung von > > subvention, erstmal einen anderen code, ein anderes differenzpaar zu > > finden (etwa ´undifferenzierte codierung´ - Heinz von Foerster) und es > > etwa unter die einheit X, also gar nichts bestimmtes, zu stellen. aber > > wie dort hinkommen, wenn - naheliegender weise - alle beteiligten > > vorrangig an die kohle denken. > > > > eine loesung waere noch, code, programm, medium und funktion des > > funktionssystems religion (ja im ernst) zu waehlen, das trifft es > > nicht nur besser im hinblick auf ´partizipative digitale kultur´, auch > > teilt diese als ´subventioniertes kulturelles segment´ das manko der > > religion: das legitimationsproblem. > > > hi fer, > > das funktionssystem religion als lösungsansatz für netznetz zu > adaptieren, lässt mich an einen alten jüdischen witz denken: > > vor dem vatikan stehen zwei kaufleute: es fährt eine mercedes-limousine > vor - ein bischof steigt aus - es kommt die nächste limousine - ein > bischof steigt aus - es kommt ein rolls royce - ein kardinal steigt aus > ... ... ... > sagt der eine kaufmann zum anderen: "siehst du, was für eine firma! - - > und angefangen haben sie mit einem esel." > > braucht netzkultur eine legitimiation _von ausserhalb_ oder ist sie > nicht schon dadurch legitimiert, dass sie existiert? > > wer beim funktionssystem religion zuerst an inquisition denkt, der > blendet aus, dass auch andere funktionssysteme inquisitorische züge > entwickeln können. > ich vermute sogar, dass kein funktionssystem gegenüber solchen > entwicklungen _von sich aus_ immun ist. > so haben insbesondere die funktionssysteme justiz und medizin vor nicht > allzu langer zeit inquisitorische verfahren entwickelt > (volksgerichtshof, euthanasie) und diese angewendet, wobei es an > "begründungen" nicht mangelte. > > gerade am beispiel der justiz lassen sich die gesellschaftspolitischen > entwicklungen der neuzeit exemplarisch verfolgen: > zu erinnern ist an die grosse diskussion im 19.jahrh. zwischen den > beiden rechtsschulen von savigny (historische rechtsschule) und thibaut > (allgemein bürgerliches recht), > die in ähnlicher weise im 20. jahrh. erneut aufflammte: > kelsen und weber waren hier die protagonisten, die von unterschiedlichen > sichtweisen ausgehend zu durchaus ähnlichen resultaten fanden. > das hauptptoblem war aber immer die frage der legitimität, d.h. auf > welche quelle sich das recht letztendlich berufen kann, wer also der > souverän sei, der dem recht seine gültigkeit, seine rechtmäßigkeit verleiht. > in diesem zusammenhang ist carl schmitts wort "souverän ist, wer über > den ausnahmezustand entscheidet" der entscheidende link zum verständnis > der entwicklungen der ersten hälfte des 20.jahrh. > indem schmitt die souveränitätsdefinition, und damit die quelle der > rechtsgültigkeit schlechthin an den code von "normalzustand / ausnahme" > band, politisierte er das recht im sinne eines "freund-feind"-denkens > und erzeugte damit den entscheidenden _kurzschluss_, der zur > machtergreifung hitlers führte. > erst durch den code "norm - ausnahme" ist die existenz eines diktators > überhaupt möglich, denn dieser erschafft sich selbst über die erzeugung > (permanente ausrufung) des ausnahmezustandes. > > also doch religion? - auch das funktionssystem religion bedient sich der > terminologie der justiz (weltgericht, kirchenrecht, jüngstes gericht) ... > und was das kirchenrecht betrifft, so entscheidet es u.a. darüber, wie > mit den ketzern (kritikern) umgegangen wird, und meistenteils werden > diese verbannt. > und dann sind wir sehr schnell bei den werten und den wertepräferenzen, > und in zusammenhang damit bei der frage, welche wertepräferenzen der > code von sich aus generiert. > und: können systeme auch über codes verfügen, die nicht binär sind, wie > bspw. der code der justiz, der die welt in "gerecht/ungerecht" teilt? - > also in etwa ein code der art: himmel - hölle - erde? - ist die > formalstruktur eines solchen codes sinnstiftend für netzkulturen? > oder landen wir bei einem ternären code wieder bei carl schmitts befund: > zu den eigenarten eines weltreiches gehöre eine "bunte menge möglicher > anschauungen, rücksichtslose überlegenheit über lokale eigenarten und > zugleich opportunistische toleranz in dingen, die keine zentrale > bedeutung haben" (habsburger modell?) und schmitt schlussfolgerte > speziell für die kirchliche weltreichssphäre: "es scheint keinen > gegensatz zu geben, den sie nicht umfasst". > > zurück zum legitimationsproblem: > sind selbsterhaltende systeme nicht von dieser frage befreit? - d.h. > sollten wir nicht auf kelsen schauen, der das justizwesen dadurch > legitimierte, dass er es auf sich selbst bezog: "jede rechtliche deutung > ist von einer anderen rechtsdeutung gestzützt, die wiederum in einer > rechtsnorm ihren ursprung hat" - (zirkuläre geschlossenheit) - eine > ordnung mit scharfen grenzen - recht authorisiert recht - und der > souverän (der staat) wird zum rechtsgegenstand, ist demnach rechtsstaat. > dieser rechtsstaat bestimmt die grundnorm, die - und jetzt kommt das > entscheidende - nicht etwa eine inhaltliche "du sollst"-regel ist, > sondern die grundnorm ist _eine formel, die bestimmt, wie recht > abgeleitet wird, wie recht entsteht_ - sie bestimmt also nicht die > inhalte, sondern schafft das regelwerk, das inhalte erst erzeugt. > reinste kybernetik, und, um es in kybernetisches vokabular zu > übersetzen, kann man das ganze über die begriffe "dynamisches > gleichgewicht", "eigenwert", "seltsame attraktoren" "eigenverhalten", > input-transformation-output-zirkuläre geschlossenheit", "nicht-triviale > regelsysteme" ... beschreiben. > > die eigentliche frage ist aber, wann bei einer zirkulären > geschlossenheit eines systems ein kurzschluss vorliegt: > da komme ich kurz zu einer episode aus der patentgeschichte des > wechselstroms: > es ist bekannt, dass jede heute gebräuchliche verstärkerschaltung durch > eine rückkoppelung realisiert wird - meist durch das verfahren der > _gegenkoppelung._ d.h. ein signal wird zuerst verstärkt und dann das > negative (um 180grad phasenverschobene) signal wieder an den eingang > zurückgeleitet. > als der erfinder dieser schaltung das prinzip zum patent anmelden > wollte, wurde er abgewiesen, und zwar mit der begündung, dass eine > schaltung keinen sinn mache, die zuerst ein signal verstärkt um es > gleichzeitig wieder abzuschwächen. > interessanterweise zählen diese schaltungen heute zu den sog. > operationsverstärkerschaltungen - das nur nebenbei - das entscheidende > ist aber, dass der aus dem output ausgekoppelte und in den eingang > rückgekoppelte signalfluss durch ein netzwerk von bauelementen (im > einfachsten fall sind das _widerstände_) geschwächt, gefiltert, gebremst > oder sonstwie beeinflusst wird. > hier, in einer art widerstandsnetzwerk liegt die ursache, die den > unterschied zwischen kurzschluss und einer systemschliessung im sinne > einer kreativ-produktiven tautologie erzeugt. > > wie kommt aber so ein system überhaupt in schwung, und wodurch erhält es > sich - gefragt am beispiel von netzkultur und/oder netznetz: > die läppischen 500 kilo-euro können es nicht sein - geld kann nur die > funktion eines schmiermittels übernehmen, nimmt man das wort > netz_-kulturen_ ernst. > > ich komme zurück auf das justizsystem und der tatsache, dass heutige > parlamente fast ausschliesslich damit beschäftigt sind, gesetze zu > erlassen (in früheren zeiten wurden gesetze nur im bedarfsfall erlassen, > sozusagen ab und zu, hie und wieder). > ein wesentlicher grund dafür ist ein erbe aus der französischen > revolution und der darauffolgenden napoleonischen aera, und hängt eng > mit dem sog. justizverweigerungsverbot zusammen. das ist, vereinfacht > gesagt, die regel, dass die justiz, im fall sie wird angerufen, den > zugrundeliegenden fall auch behandeln _muss_. dieses > justizverweigerungsverbot setzte in der folge das rechtssystem unter > starken druck (was kann man nicht alles zur rechtssache machen - - -) > und führte dazu, dass die parlamente heute ständig neue paragraphen > entwickeln müssen. > das hat aber dem rechtssystem auch anerkennung und damit legitimation > gegeben, wohlgesagt _in den grenzen ihrer eigenen systembeschaffenheit_ > und nicht, wie manche irrtümlich glauben, auch im bereich anderer > systeme, wie bspw. netzkulturen. (hi, monos) > > also was braucht netznetz: > netznetz braucht sicher keine findungskommission für kriterien, denn > diese erzeugen trivialitäten. > es kann auch nicht die einsetzung einer jury sein, denn diese verfahren > überträgt verantwortung an "höhere gewalten"- und verantwortung kann es > nur dann geben , wenn entscheidungsfreiheit existiert und vice versa. in > diesem zusammenhang erscheint mir die permanente forderung, die stadt > solle verantwortung für kultur übernehmen, wie der ruf nach einem > "freiwilligen" untergebenendasein. die stadt soll kohle für kultur > hergeben - und damit basta. > > ich möchte für netzkulturen zwei dinge fordern: > ein kommunikationsverweigerungsverbot für netznetz-koordinatorInnen > und > eine non-triviale operationale schliessung, und wenn es dafür eines > binären codes bedarf, dann kann dieser nur lauten: _diskursiv versus > autoritativ_ > > für eine undifferenzierte codierung müsste man die analogtechnik > bemühen, denn undifferenzierte codierung betrifft das verhältnis zur > umwelt. die von aussen kommenden signale, die nur nach ihrer stärke und > allenfalls nach ihrem verlauf differenziert werden. > die notwendigen sinnstiftenden leitungsverbindungen können nur intern, > paradoxerweise durch experimentelles _handeln nach aussen_, geknüpft > werden, soll das ganze ein legitimes wirklichkeitskonstrukt werden. > > zum schluss zwei zitate: > heinz von foerster (übrigens der bruder des bekannten jazz-saxofonisten > uzzi foerster): > "nur die fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind, können _wir_ > entscheiden." > und foerster bezieht sich wieder auf Ortega y Gasset: > "der mensch ist kein ding, sondern ein drama. der mensch muss nicht nur > sich selbst schaffen, er muss auch entscheiden, was er will. ob original > oder plagiator, er ist der romandichter seiner selbst. infolgedessen ist > er frei. aber wohlverstanden, er ist frei aus zwang, ob er will oder nicht." > > lieber fer, ich wünsche dir nebst vielen widerständischen gedanken, sex, > drugs and rock ´n´ roll, einen guten rutsch ins neue jahr! > > christoph > > - wechselstrom - > > > > > > > > > > > _______________________________________________ > netznetz.net mailing list > [email protected] > http://listen.esel.at/mailman/listinfo/liste > _______________________________________________ netznetz.net mailing list [email protected] http://listen.esel.at/mailman/listinfo/liste
