Hi,

Am 22.09.2011 10:16, schrieb Martin Koppenhoefer:
        - bessere Strukturierung der tag-values nach ISIC, etc.
das war immer nur zusätzlich gedacht, zumindest hatte ich das so
verstanden und unterstütze es auch nur parallel aber nicht als values
für landuse

da hat ein "z.B." gefehlt .. Frederik ging es ja um die Senkung von Eintrittsbarrieren, um das mappen für Einsteiger verständlicher zu machen, daher der Wunsch ein paar values aus landuse zu entfernen und diese stattdessen in subtags oder sub-sub-tags zu modellieren.. dazu gab es auch von anderen Leuten Zustimmung, die fanden, dass die values liste für key:landuse bereits zu lang ist.. ISIC war nur eine Anregung, wie man das sinnvoll machen kann, wenn man bestehende Arbeit (der UNO) in diesem Fall wiederverwendet..

Für eine Ausdifferenzierung der obersten Ebene von landuse ist die oberste Ebene von ISIC vermutlich nicht zu gebrauchen. So wie ich es verstanden habe, bildete sich für die oberste Ebene von key:landuse residential, commercial, industrial, ((mixed)) heraus, wobei ich den mixed-Typ für überflüssig hielt. Für alle anderen values von key:landuse müsste man schauen, ob die wirklich berechtigt _neben_ diesen Werten stehen, oder eher _unter_, also eine Spezialisierung eines dieser Werte sind (also in einen subtag gehören..)


            - Bedingung: Datenhaltung von Flächen als multipolygons
wie es Sinn macht, bei kleinen landuse-Flächen aus meiner Sicht
unnötig und schädlich, da es unnötig das Mappen verkompliziert.

+/- 1. Jein. Das ist ja momentan nur deshalb komplizierter, weil die Tools dafür zu schlecht sind. Ich schrieb in einer meiner mails: multipolygons müssen so einfach werden, wie einen "closed way" zu zeichen. Das erachte ich als Vorraussetzung und letztlich /sind/ multipolygons DAS Flächentool in OSM schlechthin. Nur werden sie noch nicht so eingesetzt, stattdessen beschränkt man sich auf ihre Verwendung für Spezialfälle.

Die Vergangenheit zeigt aber, dass öfter als weniger, einfache Fälle zu Spezialfällen mutieren. Clevere Leute mappen ihre Flächen dann mit multipolygons neu (obwohl das umständlich ist, Du schreibst es selbst), andere behelfen sich damit, "overlapping ways" zu bilden (was ich selbst lange Zeit gemacht habe, da ich noch nicht wußte, wie die eigentliche Lösung aussieht), oder damit, überhaupt keinen Flächenbezug herzustellen (geschachtelte "closed ways") - was keine vernünftige Abbildung der Realität ist.

In der Realität gibt es ohne Ende Bezüge zwischen den Flächen (das Wohngebiet liegt __innerhalb__ der Gemeindefläche, der Bäcker liegt __innerhalb__ des Wohngebiets, das Feld _grenzt_ an Weg- oder Wald- -fläche -- und das sind nur Beispiele für eine Lagebeziehung).

Natürlich kann ich mir die Lagebeziehungen auch erst ausrechnen, anstatt sie ordentlich mitzumodellieren, für viele Lagebeziehungen wird aber diese Rechnung sehr komplex - betrachte z.B. die Lagebziehung "Gemeindefläche __innerhalb__ Bundesgebietsfläche":

Wenn diese Beziehung nicht durch Datenstrukturen zu ermitteln ist (wie das jetzt der Fall ist), müsste ich für die gesamte bundesdeutsche Grenze (a lot of nodes) algorithmisch prüfen, ob die Gemeindefläche (less nodes but still a lot) komplett inkludiert ist. Wenn ich diese Lagebeziehung dann für _alle_ Gemeindeflächen brauche, wird meine CPU schwitzen. OSM sei Dank muss ich aber nur wissen, /wie/ ich die entsprechende Datenstruktur auslesen muss.

Dieses Problem lässt sich für jedwede Lagebeziehung von Flächen aufzeigen. Das ist, weshalb ich schon die ganze Zeit nicht müde werde, zu erzählen, dass Beziehungen zwischen Flächen "nicht _einfach so_ da sind". Es ist besser, wenn insbes. die Lagebeziehungen innerhalb OSMs Datenstrukturen vorhanden sind:

Das geht nicht mit "closed ways", das geht auch nicht mit "overlapping ways" sondern nur mit zueinander in Beziehung stehenden Multipolygons (ich habe das als 'Flächennetzwerk' bezeichnet).

Es nützt auch nichts zu argumentieren, dass manche Polygone ja "viel kleiner" seien und nicht so viele nodes hätten, wie andere und damit die Rechnung in der Tat einfacher sei.. Eine Lagebeziehung kann ich nur zwischen mindestens zwei Polygonen bilden, d.h. ich beschränke mich mit dieser Argumentation dann schon auf Lagebeziehungen zwischen zwei _viel kleineren_ Polygonen.

Natürlich sind Algorithmen denkbar, die den Rechenaufwand für viele solcher Berechnungen wieder reduzieren, indem z.B. entsprechend bounding boxes gebildet werden und dann erstmal nur gegen diese gerechnet wird, anstatt gegen den kompletten Streckenzug.

Warum sollte aber jemand diesen Aufwand betreiben, wenn er durch bessere Datenlage nicht bestünde? Mehr noch, warum sollte ihn _jeder_ _separat_ betreiben, der an Lagebeziehungen zwischen Flächen interessiert ist?

Mit ein bisschen Javascript, und dem entsprechenden Flächennetzwerk, kann ich auf jedem Client echt komplexe Lagebeziehungen aufzeigen, wenn die Datenstruktur im Hintergrund (multipolygons) die Information vorhält - traversieren statt rechnen.

Zwischenergebnisse geometrischer Berechnungen "cachen" etc. sind üblicherweise Gedanken, die Leute für "fat clients" hegen, aber nicht für ein bisschen JavaScript Mash-Up. Das bedeutet, dass die Möglichkeiten, mit OSM Mash-Ups zu entwickeln, die Flächenbeziehungen aufzeigen, arg begrenzt ist. Folgendes Beispiel:

- eine auf OpenLayers basierte Seite, erlaubt Dir an einen beliebigen Punkt der Erde zu klicken, um die politisch kleinste Fläche zu wählen - angezeigt werden soll die Beziehung dieser Fläche zu höher administrierten Flächen und alle benachbarten Flächen - das ist so einfach, dass ich dazu auf fast keine weiteren Dienste zurückgreifen muss, es reicht, die entsprechenden Relationen zu bewandern, und mir die entsprechenden Daten abzugreifen, anstatt /jedesmal/ geometrische Berechnungen anstellen zu müssen --> man denke auch, wieviel Watt an Rechenleistung dadurch eingespart werden können.. (das ist Ernst gemeint)



    2) die Bedeutung von landuse=residential im Speziellen
        - darf da nun ein /Gebiets/name dran?
da kann auch ein Gebietsname ran, aber der wird sich i.d.R. nicht auf
die Bodennutzung sondern auf das "Gebiet an sich" beziehen, in dem
eben u.a. auch die Nutzung einheitlich ist. Das Objekt, das den Namen
trägt, ist m.E. ein Siedlungsteil, nicht eine Bodennutzung.

+1 genau so ist das. da werden verschiedene Dinge, die in der Realität /in Bezug zueinander/ stehen, innerhalb OSM in ein Ding /zusammengemanscht/, ohne das dieser Bezug, den Du eben aufgezeigt hast, noch erkennbar wäre. -> schlechte Abbildung, deswegen die Frage.


        - Wohngebiete sind aber dadurch charakterisiert, dass sie einen Namen
tragen und der Grenzverlauf amtlich dokumentiert ist
-1. Da täuscht Du Dich, bzw. ist das keine generelle Regel sondern
kann sein, muss aber nicht

Vielleicht ist es auch eher eine generelle Regel, mit Ausnahmen, die historisch begründbar sind? Gib mir doch einfach ein nachprüfbares Gegenbeispiel zu meiner Aussage, dass nicht auf "m.E." hinausläuft. Die Aufgabe ist, ein (benanntes natürlich) Wohngebiet zu finden, welches keine amtlichen Grenzen hat (und nie hatte!).

    Nehmen wir an, wir haben es mit einem sehr alten WG zu tun.
Nehmen wir weiter an, dass die amtliche Grenze dazu irgendwann aus dem Kataster flog. Nehmen wir weiter an, dass sich die Grenzen dieses WG, nachdem sie obsolet waren, weiter entwickelt haben.
        -> das ist m.E. schon arg unwahrscheinlich - das bedeutet:
- jemand baut ein Haus in einem Gebiet, welches nicht durch ein Amt benannt wurde, aber an ein WG grenzt, dass nicht mehr durch das Amt gepflegt wird / bekannt ist - die "Alt-Bewohner" des WG integrieren dieses Haus in ihr WG (nur dadurch verschiebt sich die Grenze) Nehmen wir also nun an, wir hätten ein WG mit Namen und Grenze, das nicht amtlich vermerkt ist:

        Was hat diese Grenze dann mit der Bodennutzungsgrenze zu tun?
Was hat diese Gebietsgrenze, die gefühlt durch die Menschen vor Ort vorhanden ist, mit einer Grenze zu tun, welche die Bodennutzungsfläche begrenzt? Klar, diese beiden Grenzen /können/ sich decken, /müssen/ sie aber nicht.

Deshalb sollten Gebietsgrenzen getrennt von Bodennnutzungsflächen erfasst werden und _nur_ wenn der Speziallfall eintritt, dass diese zusammenfallen, die Grenzen des einen für die Grenzen des anderen wiederverwendet werden.

Gebiete, die der Mensch /irgendwann/ bildet und bezeichnet, um darüber zu reden, müssen nicht notwendigerweise die gleichen Grenzen haben, die vor Ort und /jetzt/ anhand _eines einzigen_ Kriteriums (der Bodennutzung) beobachtbar sind. Das kann der Fall sein, muss aber nicht.



            ->  in einem strengen Sinne sind Wohngebietsgrenzen
boundary=administrative (Verwaltungsgrenzen)
-1


    3) place-tag  Verwendung auf   nodes   zurückfahren
-1, was meint "zurückfahren"? Löschen?

Nein. Während das durchaus eine Interpretation meiner Aussage sein kann, ist es keine die ich im Sinn hatte und eigentlich auch keine, die man hätte durch die bisherige Debatte hätte ableiten müssen. Aber gut, Du gehst eben immer erstmal vom worst case aus - das ist zwar ziemlich stressig, aber was solls..

Ich /meinte/ mit zurückfahren, dass die bisherigen place-polygone als das getaggt werden, was sie sind: Siedlungsgrenzen.

Rhinhold und Du hatten herausgefunden, dass /eine/ Ortsgrenze nicht wiss. definiert ist (Ortsgrenze ist eine loser Sammelbegriff, Siedlungsgrenze und Gemeindegrenze sind hingegen wiss. oder rechtl. greifbar).

Mit "zurückfahren" /meine/ ich also, dass man das als das taggt, was es genau ist. Ob Du das nun über eine Grenzbezeichnung löst (boundary=settlement) oder über eine Flächenbezeichnung (landuse=settlement) ist mir nicht so wichtig. Für mich ist wichtig, dass ich den realen Bezug abbilden kann: "Diese Siedlungsfläche (oder -grenze) gehört/bezieht sich auf diesen Ort" oder auf englisch:

            "This settlement relates to this place."

So wie das jetzt in der DB ist, degeniert das zu

"This place relates to this place." und das ist in dem Kontext der hier gemeint ist (Siedlung zu Ort) , Unsinn.

Auch (Ort zu Ort) Beziehnungen machen Sinn, z.B.:

            "This place relates to another place."

        - alle geografischen Orte haben eine unbestimmte Lage (node =
ausdehnungslos)
in erster Näherung ist das z.B. fürs Rendern schonmal viel besser als
gar nichts. Nochmal besser sind Flächen.

Ja, bestimmte Flächen. Und nicht ORTsflächen, die es nicht gibt - wie implizit auch schon durch Dich festgestellt.

Bestimmte Flächen -> bestimmte Tags.


"Hauptsache, da taucht kein place auf". Sorry, aber jetzt wirds m.E.
kindisch.

Du hast das (schon) wieder aus dem Kontext gerissen. Der Satz bezieht sich darauf, dass place in OSM keinen /Siedlungs/bezug im Speziellen, sondern einen /Orts/bezug im Allgemeinen hat. Ich weiß nicht, wie oft ich Dir das noch erzählen soll, aber wenn Du Dir taginfo anschaust, wirst auch Du das feststellen.

Siedlungsgrenzen sind nunmal nichts Allgemeines, sondern etwas Spezielles. Warum willst Du also darauf beharren, an etwas Spezielles, einen allgemeinen Tag zu vergeben? Das wäre nicht nur kindisch, sondern kontraproduktiv.

Wir können nicht auf /nodes/ die allgemeine Deutung anwenden und auf areas plötzlich eine /speziellere/.

Der Sinn des Tags wohnt dem Tag selbst inne, der Sinn des Tags entsteht nicht erst, wenn ich das Tag an eine Geometrie vergebe.

Es ist in OSM egal an welche Art Geometrie Du ein Tag hängst, es ändert seinen Sinn dadurch nicht (ein Geschäft /shop/ bleibt ein Geschäft, egal ob ich /node/ oder /way/ oder /relation/ damit tagge).

/Du/ brichst diesen Konsens auf, indem Du eine Sinnwandlung des Tags /place/, _in Abhängigkeit_ der Geometrie welche Du betaggst, befürwortest. Bei Dir (und denen, die deiner Auffassung folgen) ist /place/ am way vom Sinn her etwas anderes, als /place/ am node. Das ist keine Kleinigkeit!!!

Dieser "Fehler" setzt sich bei allem fort, was dann Bezug auf dieses Tag nimmt - Du müsstest für jeden Bezug auf das Tag nicht nur das Tag selbst betrachten, sondern Tag+Geometrie. Weil Du Analogien vielleicht eher verstehst, habe ich noch eine im Angebot:

        natural=tree  (üblicherweise auf  /nodes/)

Du würdest nun verfechten:

        natural=tree  auf areas


Letzteres macht in OSM niemand: natural=tree auf areas /kann/ einen Wald meinen, das wäre sogar recht intutitiv. Ein Wald ist aber etwas anderes als ein Baum, wenn Du darauf Bezug nimmst:

        Im Wald steht ein Baum.
        Im Wald gibt es eine Siedlung.

sind andere Aussagen als

        Im "Baum als Fläche" steht ein Baum.
        Im "Baum als Fläche" gibt es eine Siedlung.


Wie gesagt, kann man machen, ist aber nicht intuitiv und sehr, sehr aufwändig zu pflegen. Der Sinn eines Tags hängt in OSM am TAG und nur daran, und _nicht_ an welche Geometrie es gepappt ist. Oder anders: Egal an welche Geometrie ein TAG gepappt wird, es hat immer den gleichen Sinn. /Das/ verletzt Du, wenn Du sagst:

place an nodes ist ein Ort (im geographischen Sinne: beliebige Orte: Seen, Fluren, Landstriche, Kontinente, Siedlungen, etc..)
    place als area ist eine Siedlung


Bevor ich deine nächste mail erhalte, prophezeie ich, dass Du den letzten Punkt umdeformierst zu

place als area ist auch ein Ort (im geographischen Sinne: für Seen, Fluren, Siedlungen, etc. pp.)


Das funktioniert aber eben gerade für Siedlungen nicht, /weil/ diese mehrere Flächen haben, die gleichberechtigt nebeneinanderstehen und als "Ortsfläche" gelten können: Die Gemeindefläche ist eine Ortsfläche, die Siedlungsfläche ist eine Ortsfläche, etc. pp. pp. pp.


Gruß

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