Am 12.12.2012 21:41, schrieb Henning Scholland:
Am 12.12.2012 21:20, schrieb Frederik Ramm:
Hallo,
On 12.12.2012 20:37, Henning Scholland wrote:
Aber das ist doch dann Augenwischerei. Wenn class:bicycle=1...5
subjektiv ist, dann ist doch ein adfc_Stadt_A=1...5 auch subjektiv und
kann sich komplett vom System adfc_Stadt_B=1...5 unterscheiden, vom
Ausland nicht zu reden.
Klar. Aber es ist ja trotzdem eine unumstoessliche Tatsache, dass
eine bestimmte Strasse vom lokalen Fahrradclub in seiner Publikation
XYZ die Klasse ABC erhalten hat. Du mappst in dem Moment ja nicht
"wie gut ist die Strasse fuers Radfahren geeignet", sondern "wie ist
die Strasse vom lokalen Verein eingeteilt".
Genau das meine ich mit Augenwischerei. Weil mit dem Mappen von "wie
ist die Strasse vom lokalen Verein eingeteilt" will ich dem Auswerter
ja genau "wie gut ist die Strasse fuers Radfahren geeignet" sagen. Das
ist doch gerade der Sinn dahinter: Eine Karte oder ein Routing, dass
"gute" Wege bevorzugt/hervorhebt.
Weg1 wäre: Fahrradclub legt Kriterien fest, wenige Mitglieder
kategorisieren die Straßen und wir übernehmen das
Weg2 wäre: OSM legt Kriterien fest, wenige Mapper kategorisieren die
Straßen
Ob jetzt ein Clubmitglied die Entscheidung trifft oder ein Mapper
läuft bei einem subjektiven Tag letztlich auf das gleiche Ergebnis
hinaus. Nur einmal ist es unsere Entscheidung und einmal können wir
sagen, "aber der Fahrradclub hat's gesagt".
Das stimmt aber nur bedingt. Der lokale Club wird über solche
Kategorisierungen immer mit mehreren diskutieren bzw. gemeinsam
entscheiden. Da findet ein genauer Austausch, bei Bedarf mit gemeinsamer
Begehung der betreffenden Straße statt, und es wird argumentiert, warum
was wie eingeordnet wird.
Bei OSM halten sich Mapper an Kriterien, die bestenfalls irgendwo
aufgeschrieben sind. Diese Kriterien sind selten vollständig und
außerdem oft schwierig miteinander zu verknüpfen in einem Wert.
Minimales Beispiel:
Teilkriterium A sei die Oberflächenbeschaffenheit
Teilkriterium B seien Baumwurzeln, die die Oberfläche unterbrechen und
deshalb die Qualität eines Weges senken.
Weg 1 ist super glatter Asphalt, aber alle 20 Meter steht ein Baum,
dessen Wurzeln blöderweise den Asphalt anheben
Weg 2 ist grobporig rauher Asphalt, der für Inline Skates schon stumpf
wirkt, aber links und rechts sind "nur" Rapsfelder und die Oberfläche
bleibt eben.
Wie passt das jetzt zusammen?
Schlägt die besser Oberfläche die Wurzeln oder die ebenere Straße den
rauhen Asphalt?
Wo ist die Grenze?
Angenommen, du entscheidest dich und dokumentierst, dass die bessere
Oberfläche in der Bewertung die Wurzeln schlägt, Weg 1 also besser
bewertet wird. Was machst Du dann mit
Weg 3, der ebenfalls super glatten Asphalt hat, aber aufgebracht auf
Beton-Panzerplatten, deren Ansatzstellen Querrillen bilden, also so
ähnlich wie Weg 1, aber mit mehr "Bruchstellen" der allgemein glatten
Oberfläche?
Angenommen, du entscheidest dich für die zweite Variante, was ist dann mit
Weg 4, der frisch gepflasterte, absolut eben verlegte Rasengittersteine
als Oberfläche hat, oder neu gemachtes Kopfsteinpflaster mit runden
"Kopfsteinköpfen"?
Der lokale Adfc wird sich für solche Fälle eine Lösung ausdenken,
möglicherweise einen zusätzlichen Hinweis für die Eignung für Rennräder
einführen oder die Wurzeln im Einzelfall für nicht so schlimm halten,
wenn die Strecke dafür eben nicht durch Betonwüste führt, sondern
aufgrund der Umgebung angenehmer zu fahren ist.
Diese Entscheidungen kann man aber in OSM vermutlich nicht oder nur sehr
schlecht abbilden - erst recht nicht in einem Maßstab, der einer
Weltkarte insgesamt gerechter wird als die teilweise unabhängigen
Entscheidungen einzelner lokaler Communities.
Gruß
Peter
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