On 28 Feb 2008, Michael Bischof wrote:

> Am Donnerstag, 28. Februar 2008 17:57:07 schrieb Martin Schmitt:
>> Michael Bischof schrieb:
>>> Die Bestätigung brauchte nicht lange.
>>
>> Das einzige, was mich _wirklich_ irritiert, ist, daß sowohl FoeBuD und
>> CCC voll auf Jubelkurs sind und die Rettung der Privatsphäre feiern.
>>
>> -martin
>
> Vielleicht sind die naiver als sie sein sollten? Oder: die haben, wie Du,
> gemerkt dass Schäuble 1000% wollte und gedacht er kriegt 400% - jetzt kriegt
> er nur 100 und so ist man happy?

Dann muss man sich aber auch mal fragen, wieviel man eben selbst zu den
1000% mit der Totschlagphrase "totaler Überwachungsstaat" beiträgt, die
nun wirklich bei jedem bischen sofort fällt. Man macht es damit Leuten
wie Schäuble sehr einfach. Er selbst hat ja vieles nicht gesagt, was da
so rein interpretiert wird und was in seinem Kopf bewusst oder unbewusst
vorgeht weiss niemand und mit Spekulationen sollte man mal etwas
vorsichtig sein. Es ist aber natürlich immer viel schöner in
liebgewonnen Verschwörungsbildern zu baden und es gibt dafür auch keinen
schöneren Ort als das Netz der Netze.

Es gibt im Datenschutzbereich sicherlich genügend bedenkliche Tendenzen,
aber an diesem Falle habe ich die überhitzte Debatte nie so ganz verstanden.

> Wenn die Sicherheit der Privatsphäre von klaren Kontrollmechanismen abhängt
> und die kontrollierende Stelle darauf verweist, dass sie nicht kontrollieren
> kann, dann bleiben doch nur 2 Möglichkeiten:
> a. die jetzt möglich gewordene Onlinekontrolle fällt flach, generell...
> b. man macht es dann eben ohne solch eine zureichende Kontrolle...
>
> Was daraus in diesem unserem Land wird mag der geneigte Leser sich selber
> ausdenken!

Die Diskussion ist aber doch recht einseitig und auch irgendwie
verlogen. Das was wir jetzt haben, gab es doch schon lange vor dem
Großen Lauschangriff in Bereichen wie z.B. Telefon und Brief. Da treten
ebenfalls die Probleme der Kontrollmechanismen auf, wie übrigens in ganz
vielen anderen Bereichen auch. Ich kann mich keineswegs daran erinnern,
irgendwelche große Entrüstung mitbekommen zu haben.

Es sollte dann auch die Diskussion weitergeführt werden z.B. beim Thema
Bankgeheimnis. Das sollte dann aber bitte absolut sein, egal wieviel
Dreck und Blut an dem Geld klebt, denn wen geht das etwas an? Wo sind
die ganzen Leute, die dem armen Herrn Zumwinckel und seinen
Leidensgenossen zur Seite springen? Wo kommen wir denn da hin, wenn sich
Geheimdienste auf dubiose Weise Daten-CDs zur Stafverfolgung besogen?
Eigentlich sollte man doch die Liechtensteiner unterstützen, falls sie
wirklich Strafanzeige erstatten wegen illegaler Datenbeschaffung. Da ist
dann doch Schweigen im Walde.

Apropos Geheimdienste, was da schon lange abgeht, dagegen sind Schäubles
Bundestrojaner gerdazu herzerwärmend. Beim Gedanken daran wie er die
einsetzen will, kommt bei mir auch immer etwas Belustigung auf.

Natürlich gibt es Argumente bei diesem Thema strikte Positionen
einzunehmen. Dann sollte man das aber auch in aller Konsequenz tun und
nicht aufhören, wenn es weh tut. Wo die ethisch-philosophische
Begründung für die Heiligkeit des Computers liegt, entzieht sich meinem
Verständnis.
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