Hallo allerseits,

als von der anfangs undurchschaubaren Vielfalt unter Linux genervter 
Windows-Migrant sei mir bitte gestattet, einmal die Rolle des advocatus diaboli 
zu übernehmen     ;-)     ...

<... an die 1000 verschiedene Distributionen ... Verschiedene Linux-User haben 
verschiedene Anforderungen. ... Linux mit immer den neuesten Versionen der 
verfügbaren Anwendungsprogramme ...>
Spannen wir mal den Bogen von einem Linux, wie es für den SOHO-Bereich sinnig 
ist, über ein Scientific Linux zu einem auf Multimedia spezialisiertem Linux, 
weiter von einem Gamer-Linux zu einem Hacker-Linux, von einem schlanken zu 
einem opulenten Linux, und natürlich von einem Server- zu einem 
Desktop-orientiertem Linux, und was weiß ich sonst noch ...
Nun erhöhen wir die Vielfalt durch Ausprägung jeweils als rolling release und 
als LTS-Variante, weiter durch Differenzierung der zu Grunde liegenden 
Bibliotheken wie GTK und QT (mal so getan, als ob disjunkt zur vorherigen 
Auswahl) und der implementierten Paketverwaltung DEB oder RPM, und so weiter ...
Als Laie stelle ich mir vor, daß jede dieser Anforderungen mit einem speziell 
ausgeprägtem und parametrisiertem Kernel zzgl. systemnaher Software als 
spezialisierte 'Distribution' umgesetzt wird. In etwa richtig oder Quatsch?
Mit der skizzierten Multiplizität kommt man auf eine Hand voll Dutzend Linuxe, 
macht roundabout 20% der in Distrowatch aufgeführten knapp 300 Distributionen 
(die übrigen vermuteten ca. 700 Distributionen scheinen selbst für Distrowatch 
irrelevant zu sein), also roundabout 80% der von Distrowatch aufgeführten 
Distributionen scheinen irgendwie vermeidbar zu sein.

Die Anzahl der Distributionen künstlich zu erhöhen durch eine vorgefertigte 
Kombinatorik von Anwendungsprogramm-Paketen macht doch keinen Sinn. Mittels der 
Paketverwaltung (ich kenne nur DEB, bei RPM wird's vermutlich ähnlich sein) 
kann man sich sein gewünschtes Portfolio von Anwendungsprogrammen doch selber 
ohne viel Mühe individuell zusammenstellen oder ein vorgegebenes Basispaket 
ausdünnen. Und die Anforderung nach 'immer den neuesten Versionen der 
verfügbaren Anwendungsprogramme' kann man doch auch durch PPAs seines 
Vertrauens erfüllen, ohne Notwendigkeit, die Anzahl der Distributionen 
künstlich zu erhöhen.

Aber et es wie et es ... mir scheint, es ist viel Eigenbrötlerei der 
Protagonisten im Spiel, statt über den Tellerrand zu schauen und mit dem 
Nachbarn an einem Strick in eine Kompromiß-Richtung ziehen. Schade um die 
Vergeudung der nicht vermehrbaren Ressource 'Zeit'. Damit könnte man zum Wohl 
von Linux viele andere sinnvolle Dinge anstellen, auf daß Linux im 
Desktop-Bereich nicht auf immer ein Mauerblümchen-Dasein fristet. Das hätte es 
verdient.

gruß wolf

Am 20.02.2015 um 12:54 schrieb Jan Grosser:
> Hallo Liste!
>
> Ich finde einen Erfahrungsaustausch zu Linux Distributionen sehr gut.
>
> Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Linux-Einsteiger sehr irritiert
> sind, wenn sie erfahren, daß es nicht _ein_ Linux sondern
> schätzungsweise an die 1000 verschiedene Distributionen gibt. Was
> Neulinge irritiert, ist für mich eine der großen Stärken von Linux!
> Verschiedene Linux-User haben verschiedene Anforderungen. Der eine
> sucht ein schlankes und stabiles Linux für den Server-Einsatz, der
> andere ein Linux mit immer den neuesten Versionen der verfügbaren
> Anwendungsprogramme und wieder ein anderer möchte ein Linux, welches
> auf seinem alten Notebook noch flüssig läuft. Für alle diese und noch
> viel mehr Anwendungen gibt es mindestens eine Linux Distribution.
>
> Bei mir hängt dementsprechend die Wahl der Distribution vom jeweiligen
> Einsatzzweck ab. Auf meinen Notebooks läuft derzeit Fedora, auf meinen
> Servern Debian stable.
>
> Auch finde ich ein "Distro-Hopping" nicht unbedingt schlecht. So
> sammelt man wertvolle Erfahrungen. "Groß geworden" bin ich ja selbst
> mit SuSE Linux. Irgendwann habe ich mich aber über das träge,
> überfrachtete System geärgert, und daß man für die Installation vieler
> Programme ein eigenes Repository einbinden mußte. Was folgte, war eine
> Odyssee durch verschiedene Distros und in der Folge eine durch die
> gesammelten Erfahrungen "einigermaßen abgesicherte" Entscheidung für
> Fedora. Inzwischen habe ich aber schon wieder so viele Anregungen -
> auch aus der TroLUG - bekommen, daß ich ein Distro-Wechsel für die
> Zukunft nicht ausschließen möchte. Derzeit liebäugle ich mit Arch
> Linux oder Gentoo.
>
> My 2 Cents.
>
> Gruß, Jan
>
> Am 19.02.2015 um 23:58 schrieb Meinrad:
> > Hallo Andy,
>
> > tolle Antwort! Immer wenn man meint, man hat dazu gelernt, lernt
> > man jemanden kennen, der es noch besser weiß! Toll so jemanden in
> > der Gruppe zu haben, der 30 Distros getestet hat bis hin zur
> > Entwicklung eines eigenen Betriebssystems! Für diesbezügliche
> > Fragen und Antworten stehst du damit klar an erster Stelle.
>
> > Das "zweifelsfrei" leitete ich ab von dem Umstand, dass ich drei
> > baugleiche IdeaPads habe, und die alle die gleiche Probleme mit
> > Ubuntu hatten. Immerhin grenzt das die mögliche Ursachenlösung doch
> > sehr ein. Und der Umstieg auf Mint fiel leicht, da es sich um eine
> > Variante auf Ubuntu-Basis handelt - alle früheren Ubuntu-Programme
> > konnte ich somit wieder installieren. Das war mit entscheidend,
> > warum ich zu Mint wechselte. Überhaupt sieht alles aus wie vorher,
> > da ich mit dem Cairo-Dock arbeite (Bildrand unten), mit dem
> > Mint-Panel oben und ausgeblendet bei Nichtgebrauch, siehe
> > Screenshot hier
> > <https://drive.google.com/file/d/0B_r6olNv6Hg1eG5IR3M4LUpodzg/view?usp=sharing>.
>
>
> Von der Optik her gibt sich Mint mehr Mühe als Ubuntu, was man an
> > Feinheiten erkennt wie den tollen Icons, die sich perfekt für's
> > Cairo-Dock eignen. Aber das sind alles Momentaufnahmen, wie du
> > sagst.
>
> > Gentoo kenne ich noch nicht, werde mich mal damit befassen.
>
> > Distro-Hits: gut zu wissen! Dabei liest man sogar mitunter in
> > Fachartikeln, dass Mint die "laut Distro-Watch erfolgreichste
> > Ubuntu-Variante" ist. Gibt es denn kein Distro-Download-Ranking?
> > Das wäre aussagekräftiger als Seitenhits pro Tag zu messen.
>
>
>
>
> > Am 19.02.2015 um 22:17 schrieb Randy Andy:
...

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