Hallo advocatus diaboli, TroLuger.


Apropos,

der nächste Vortrag in der TroLug, auf den ich mich schon freue, wird ja
vom Advokat FOSS persönlich gehalten werden. ;-)





Am Mittwoch, 25. Februar 2015, 18:01:44 schrieb Wolf-R. Müller:

> Hallo allerseits,

>

> als von der anfangs undurchschaubaren Vielfalt unter Linux genervter
Windows-Migrant sei mir bitte gestattet, einmal die Rolle des advocatus
diaboli zu übernehmen     ;-)     ...

>

> <... an die 1000 verschiedene Distributionen

Ich weiß Wolf, die Zahl wurde nicht als erstes von Dir genannt, aber um
diese hier etwas zu relativieren und präzisieren, hier einmal die aktuelle
Statistik aus Distrowatch:



*DistroWatch database summary*

·                    Number of all distributions
<http://distrowatch.com/search.php?status=All> in the database: 794

·                    Number of active distributions
<http://distrowatch.com/search.php?status=Active> in the database: 287

·                    Number of dormant distributions
<http://distrowatch.com/search.php?status=Dormant>: 64

·                    Number of discontinued distributions
<http://distrowatch.com/search.php?status=Discontinued>: 443

·                    Number of distributions on the waiting list
<http://distrowatch.com/new>: 284





> ... Verschiedene Linux-User haben verschiedene Anforderungen. ... Linux
mit immer den neuesten Versionen der verfügbaren Anwendungsprogramme ...>

> Spannen wir mal den Bogen von einem Linux, wie es für den SOHO-Bereich
sinnig ist, über ein Scientific Linux zu einem auf Multimedia
spezialisiertem Linux, weiter von einem Gamer-Linux zu einem Hacker-Linux,
von einem schlanken zu einem opulenten Linux, und natürlich von einem
Server- zu einem Desktop-orientiertem Linux, und was weiß ich sonst noch ...

> Nun erhöhen wir die Vielfalt durch Ausprägung jeweils als rolling release
und als LTS-Variante, weiter durch Differenzierung der zu Grunde liegenden
Bibliotheken wie GTK und QT (mal so getan, als ob disjunkt zur vorherigen
Auswahl) und der implementierten Paketverwaltung DEB oder RPM, und so
weiter ...

> Als Laie stelle ich mir vor, daß jede dieser Anforderungen mit einem
speziell ausgeprägtem und parametrisiertem Kernel zzgl. systemnaher
Software als spezialisierte 'Distribution' umgesetzt wird. In etwa richtig
oder Quatsch?



Deine Annahmen passen schon im Wesentlichen.

Nur wenn man es ganz genau nehmen wollte, könnte man sie weiter
präzisieren. So gibt es meines Wissens nach keine Paketverwaltung DEB (groß
geschrieben), nur ein Paketformat .deb (also klein geschrieben).

Anders dagegen bei RPM=RPM Package Manager, den es so gibt, wie das
gleichnamige aber klein geschriebene .rpm Paketformat dazu.

Man könnte das kleinkariert nennen, doch andererseits lehrt uns Linux ja,
auf Groß- und Kleinschreibung wert zu legen. ;-)

Darüber Hinaus gibt es natürlich noch weitere Paketformate, wie z.B. TGZ,
TXZ, ipkg um nur mal die wichtigsten unter Linux zu nennen.

Paketmanager gibt es noch viel mehr, als die zugrunde liegende
Paketformate, als da wären beispielsweise: Apt, conary dpkg, equo, lunar,
netpkg, packages, pacman, pisi, portage, ports, pkgcon, pkgtools, RPM,
smart, slackpkg, slapt-get, sorcery, urpmi, Yum, zypp.

> Mit der skizzierten Multiplizität kommt man auf eine Hand voll Dutzend
Linuxe, macht roundabout 20% der in Distrowatch aufgeführten knapp 300
Distributionen (die übrigen vermuteten ca. 700 Distributionen scheinen
selbst für Distrowatch irrelevant zu sein), also roundabout 80% der von
Distrowatch aufgeführten Distributionen scheinen irgendwie vermeidbar zu
sein.



Weitere Untergliederungen ergeben sich z. B aus:

-          Dem Verwendeten Paketmanager

-          Unterstützung/Spezialisierung auf besondere Landessprachen

-          Verwendungszweck (Office, Science, Education, Games, Art,
Programming, etc.)

-          Geschmacksrichtung (Design bzw. Look & Feel)

auch wenn Du davon schon einige genannt hattest.



> Die Anzahl der Distributionen künstlich zu erhöhen durch eine
vorgefertigte Kombinatorik von Anwendungsprogramm-Paketen macht doch keinen
Sinn. Mittels der Paketverwaltung (ich kenne nur DEB, bei RPM wird's
vermutlich ähnlich sein) kann man sich sein gewünschtes Portfolio von
Anwendungsprogrammen doch selber ohne viel Mühe individuell zusammenstellen
oder ein vorgegebenes Basispaket ausdünnen. Und die Anforderung nach 'immer
den neuesten Versionen der verfügbaren Anwendungsprogramme' kann man doch
auch durch PPAs seines Vertrauens erfüllen, ohne Notwendigkeit, die Anzahl
der Distributionen künstlich zu erhöhen.

Zugegeben, die verwirrende Vielfalt erhöht die Qual der Wahl und schreckt
dadurch womöglich manchen Einsteiger ab. Auch werden dadurch womöglich
Ressourcen verschwendet und demjenigen der etwas anderes benötigt,
erscheint daher die Existenz anderer Varianten als Vermeidbar.



Doch wer möchte darüber entscheiden was Vermeidbar oder Nötig ist?

Das wäre dann ja eine Art der zentralen Bevormundung, oder sagen wir
abgemildert Steuerung in eine bestimmte Richtung und würde schließlich
genau die Freiheit, die uns so wichtig ist, einschränken.

Doch genau diese Freiheit ist es ja, welche jene Artenvielfalt überhaupt
erst  hervor gebracht hat.



Daher sehe ich die Software-Entwicklung eher wie die Evolution der Arten,
mit ihrer bestmöglichen Anpassung an verschiedene Lebensräume. Die weniger
gut angepassten Arten werden im Verlauf der weiteren Linux-Evolution
mangels Unterstützung wieder Verschwinden (siehe Statistik oben).

Gute Ideen daraus überleben durch Mutation (Forken)  in abgewandelten Arten
weiter.



Möglichkeiten der Einflussnahme gibt es daher genug innerhalb der
Distributionen, je nach dem wie diese intern strukturiert sind (Zentral
oder Community gesteuert).



>

> Aber et es wie et es ... mir scheint, es ist viel Eigenbrötlerei der
Protagonisten im Spiel, statt über den Tellerrand zu schauen und mit dem
Nachbarn an einem Strick in eine Kompromiß-Richtung ziehen. Schade um die
Vergeudung der nicht vermehrbaren Ressource 'Zeit'. Damit könnte man zum
Wohl von Linux viele andere sinnvolle Dinge anstellen, auf daß Linux im
Desktop-Bereich nicht auf immer ein Mauerblümchen-Dasein fristet. Das hätte
es verdient.

>

> gruß wolf

Ein Eigenbrötler, der nicht zur dauerhaften Arbeit mit Anderen fähig ist,
würde aber auch unter zentraler Diktatur nicht oder noch kürzer etwas
beisteuern wollen. Spätestens beim erste Konflikt wäre er weg. Durch Forken
oder selbst etwas Neues schaffend, kann er dank dieser Freiheit dann aber
doch noch eine Bereicherung für das Linux-Universum darstellen.



Natürlich würde auch ich Linux den Durchbruch auf dem Desktop wünschen.
Doch denke ich nicht das es an der Qualität oder an der fehlenden Bündelung
der Ressourcen liegt.

Als Hauptverursacher sehe ich da andere Faktoren, die außerhalb des
direkten Wirkungsbereiches von Linux oder dessen Community liegen.



Doch darüber lässt sich vortrefflich diskutieren, was ich denn aber lieber
persönlich bei oder nach einem der beiden nächsten Treffen mit Euch tun
möchte. Schließlich passt es hervorragend zur Thematik der nächsten beiden
anstehenden Vorträge.



Bis dahin wünsche ich allen schon jetzt ein schönes Wochenende, da ich mich
wohl frühestens erst Sonntag wieder in diese Diskussion einklinken kann.



Grüße, Andy.



P.S. Hoffe die Formatierung ist diesmal nicht so übel, da aus dem
Webinterface heraus geschrieben. ;-)
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