Moin,
am 31.05.26 um 19:35 schrieb Dezentral via WLANtalk:
Hallo
mir erscheint es angebracht, mal wieder über Möglichkeiten für verstärkt dezentrale
& resiliente Freifunk-Netze nachzudenken.
Insbesondere eine Abhängigkeit von zentraler Infrastruktur für die
Internet-Verbindung bei vielen Communities erscheinen mir zunehmend kritisch.
[…]
1. Wärt Ihr (als Freifunk-Ethusiasten) bereit auch User-Traffic anderer Knoten
über Eure (persönliche) Anschlüsse auszuleiten?
[…]
4. Wärt Ihr persönlich bereit in einer experimentellen Phase von alternativen
Ansätzen mitzuwirken? […]
Ich sag's mal frei heraus: bislang ist mir kein Konzept untergekommen, welches
ein Freifunk*netz* (also eine einheitliche SSID über mehrere APs, die ein ESS
bilden) irgendwie sinnvoll nutzbar mit dezentralen Internetzugängen realisiert
hätte. Heißt: ich will in einer Jitsi-Konferenz beim durchwandern der
Freifunk-versorgten Fußgängerzone weiter probemlos teilnhemen — das ist ein
Kernmerkmal eines Freifunk*netz*es, im Gegensatz zu drölfzig Hotspots mit
eigener SSID ...
Oder wie es ›die KI‹ formuliert: »Mit gleicher SSID auf mehreren APs allein ist
das nicht erreichbar, wenn jeder AP wie ein eigener Router über seinen eigenen
Glasfaser-/Kabel-/DSL-Anschluss ins Internet NATet. Beim Roaming würde sich für
laufende Verbindungen typischerweise Client-IP, Gateway, NAT-State oder
öffentliche Quelladresse ändern. TCP-Verbindungen sind aber an die
Endpunktadressen und Ports gebunden.«
Wenn man sich dann die künstlich-intelligente »Zielarchitektur« ansieht, bildet
diese überraschend viel Ähnlichkeit zu heutige Freifunknetzen auf Basis von
Gluon:
Zielarchitektur: APs mit lokalen WANs, aber zentralem Client-Gateway
Client
│ WLAN: gleiche SSID / gleiche Security / gleiche Client-VLAN
▼
AP A ── Glasfaser ┐
AP B ── Kabel ├── verschlüsselter Tunnel/Overlay ── zentraler Gateway
AP C ── DSL ┘ DHCP, DNS, Firewall,
NAT
│
Internet
Erläuterung: »Jeder AP nutzt seinen eigenen Internetanschluss nur als Underlay.
Der eigentliche Verkehr des WLAN-Client-Netzes wird über einen Tunnel zu einem
gemeinsamen Gateway transportiert.«
Wenn ich hingegen »User-Traffic auch anderer Knoten über Eure Anschlüsse
auszuleiten« lese, klingt das für mich nach dem Wunsch, TOR als Freifunk neu zu
erfinden?
Getreu der Regel »if it ain't broke, don't fix it«, kann man sich auf die
Resilienz der zwingenden ›zentralen Infrastrukturen‹ fokussieren; aber ein
dezentrales Freifunknetz ist AFAICS ein Widerspruch in sich.
Und dann ist da noch die korrekte Erkenntnis »nun ist Technik aber das eine, ob
Menschen etwas aber auch wollen ist oft nochmal etwas anderes« — eine
»Metropolregion-Hannover-Freifunk«-SSID wird mehr Endgeräte anziehen als
räumlich auf einen AP begrenzte SSIDs »Freifunk-abcd«, »Wolliner-23b-Freifunk«
oder »Deine-Eckkneipe-hat-Freifunk«.
MfG,
-kai
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