Guten Abend
auch wenn es hier eigentlich zunächst darum ging mehr Stimmen einzuholen zu was Unterstützende bereit wären folgende Gedanken hier:

Am 01.06.26 um 02:34 schrieb Kai 'wusel' Siering via WLANtalk:
Nein, die zu beantwortene Frage ist: Wie willst Du dezentrale Exits und ein ESS ohne zentrale Komponente technisch funktional umsetzen?

Bis dahin bleibt Dein Dezentralisierungsvorschlag technisch "nenne Deinen FritzBox-Gastzugang ›Freifunk‹", und das funktioniert eben ncht.

Es ist nicht Ziel einfache Gastzugänge/Hotspots zu bauen - und es heißt auch nicht zwingend das es keinerlei zentrale Komponenten mehr geben dürfte. Die gemeinsame SSID weiter zu ermöglichen ist sicherlich Ziel jeder möglichen Architektur. Das DHCP und ggf. Routingregeln mit 'zentraler Unterstützung' (hoffentlich mit ausreichender Redundanz dann) weiterhin passieren, hielte ich jetzt nicht für ausgeschlossen in Architekturen die 'mehr Dezentralität' reinbringen. Persönlich halte ich aber jedes zentrale NAT für problematisch.

Bei IPv6 hättest Du technisch auch andere Möglichkeiten da Interfaces ja einige (mehrere öffentliche) IPs gleichzeitig zugewiesen werden können und es dabei etwas wie Prefered Stati gibt. Setzt aber verwendbare Prefixe (ich sag mal ab /59) vorraus, die es z.B. bei VPN Anbietern m.W.n. nicht gibt (dort immer Einzel-IPs).

Wenn sich dies um (durch die Verbreitung von Glasfaser & Co früher nicht mögliche) dezentrale Wege ergänzen ließe, wäre das denke ich generell hochgradig wünschenswert.

Consumer-Zugänge sind absehbar krass asymetrisch. 1000/50 ist Kabel-Standard, 250/50 VDSL; bei Glasfaser scheinen sich glücklicherweise 1:0.5-Verhältnisse einzupendeln, also 1000/500, 400/200 usw.

Für dezentrale Ausleitung würde man natürlich primär auf Glasfaseranschlüsse schielen. Zumindest unter Enthusiasten sind diese mittlerweile kein seltenes Einhorn mehr. Klar, noch gibt es die nicht überall. 50 Mbits up wären aus meiner Sicht schon minimum, darunter sollte man halt kein ausleiten anbieten. Immerhin: bei GF ist die verfügbare Bandbreite meist ein Thema der Vermarktung - man kann begründet annehmen, dass diese auch zukünftig weiter steigen werden.

Hingegen kann die Ausleitung statt über das eigene AS zentral jederzeit auf leistungsfähige Tunnel nach sonstwo umgestellt werden — um ›im Internet‹ sind die Strecken i. d. R. symmetrisch ...

Und nochmal: wie soll tast technisch funktionieren? Dezentral um der Dezentralität willen — kann man wollen, ist dann aber aus technischer Sicht halt scheiße.

Eine Annahme würde ich treffen: Überall wo Stand heute schon batman-adv hinkommt, kann man auch beliebige weitere Software und Konfigurationen hinbringen. Das halte ich für mächtig. So könnten auch Clients (transparent) zu Dingen befähigt werden, die sie selbst nicht allein unterstützen würden. Ein Beispiel: es wäre wohl kein Problem, nur IPv4 sprechende Clients komplett auf v6 zu heben, wenn nötig (ob man das will, stünde auf einem anderem Blatt).

Denke das uns alle hier eint das wir in jedem Fall Netze haben wollen, in denen sich die Teilnehmer untereinander direkt (privat) adressieren können. Das stellt niemand in Frage. Was man technisch überlegen muss ist welche öffentlichen IPs für wie lange wie verwendet werden. Hier denke ich, wird man kürzere Nutzungszeiten und ggf. sporadische Wechsel während der Nutzung in Kauf nehmen müssen (was gleichzeitig aber auch dem Datenschutz zu gute käme). Wenn man ein funktionierendes IPv6 hinbekommt, dann ließen sich auch bestehende Verbindungen mit Zusatzaufwand aufrecht erhalten (Traffic halt zum jetzigen Knoten tunneln), während neue Verbindungen schlicht einen nun besseren Weg (prefered) nehmen, der solche in der Breite sicher nicht tragbaren Aufwände vermeidet. Ob man jedem Client endlos lange TCP-Verbindungen bieten möchte, müsste man aber auch vielleicht überlegen - irgendwann ist es sicher auch besser wenn sich mal etwas neu verbindet?! Logiken dafür muss sowieso jede ernstzunehmende Client-Anwendung haben.

Und jetzt denken wir doch mal weiter: ganz zur Not kann man in einem Freifunk-Netz auch Dinge tun, die technische Standards (RFCs) verlassen und die man z.B. beruflich niemals bauen würde, die aber dennoch funktionieren und für ein Freifunk-Netz genügen könnten.

Das Ganze sollte als ergänzende Konfiguration/Technik existieren, nicht als Konkurrenz zu bisherigen zentralen ASen mit eigener Ausleitung (die vom Einsatz und Wohlergehen einiger weniger Personen/Vereine abhängig sind). Auch wenn es Vereine gibt die Server gemeinsam anmieten ist das doch toll und auch dann weiter möglich, wenn andere vielleicht mit dezentraleren Ansätzen experimentieren. Vielleicht kommt irgendwann aber der Tag, an dem sich solche Vereine schwer damit tun ihr Angebot so aufrecht zu erhalten. Wäre es dann nicht toll, wenn es technisch Weiterentwicklungen gäbe die eine Alternative zum schlichten Abschalten darstellen würden? Auch wenn dabei vielleicht Abstriche bei z.B. Packetloss gemacht werden müssten.

Übrigens: auf anderen Kanälen erreichten mich durchaus Feedbacks das Menschen bereit wären über einen privaten VPN-Account selbst ein ausleitendes Setup zu betreiben. Damit hätte man schonmal mehr, als die dazu in der Lage & bereit wären selbst Server und/oder IPs - unter eigenem Namen - anzumieten. Allein das finde ich schon eine spannende Erkenntnis aus Diskussionen auf der Ebene des Layer 8..

Soweit einige meiner Gedanken. BTW: Wer Lust hätte in einer etwaigen Initiative zur Erforschung solcher Netzstrukturen mitzumachen kann sich gerne bei mir unter meinem Nickname at mailbox.org melden und würde aufgenommen, wenn sich dazu etwas ergibt. Versprechen das sich genügend zusammenfinden, kann ich aber natürlich nicht.

~Dezentral

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