Hallo Hanspeter!

Am 10.10.2010 16:29, schrieb hheeb:
> Gerne würde ich in meiner Schule Neo statt qwertz einführen. Mit Neo 3 ist 
> für mich aber euer Projekt gestorben.

Was erwartest Du auf so eine trollige Bemerkung für eine Antwort?

> Der grosse Vorteil von Neo ist die schnelle Erlernbarkeit. Neo 2 scheint mir 
> da fast optimal.
> Die Endgeschwindigkeit scheint mir nicht entscheidend. Dies zeigen ja die 
> Geschwindigkeitsvergleiche von Qwertz-lern und Neo-isten. Was sollen da die 
> Optimierungen in Neo 3 noch bringen? Keinem Menschen kann ich mehr Neo 
> empfehten, wenn ein solcher Umbau in Planung ist.
> Ein weiterer Vorteil von Neo ist, dass man viele Sonderzeichen z.B. m² über 
> Tastatur eingeben kann.

Erstens sind die Ziele von Neo3 nicht festgeschrieben. Unter diesem
Begriff subsummieren sich verschiedenste Wünsche und Vorstellungen, und
Du bildest ja offensichtlich keine Ausnahme mit Deinen Vorschlägen.

Die Einen wollen Neo3 als ein Neo2 betrachten, dessen erste beiden
Ebenen auf die deutsche Sprache optimiert sind, was mit Neo2 ja offenbar
nicht komplett umgesetzt worden ist. Andere erhoffen sich von Neo3 eine
Revolution am Tastaturmarkt: Matrixtastatur, verschobene Handhaltung,
erweiterte Daumentasten, vertikale Handhaltung sind nur einige der
Vorschläge.

Während der Entwicklung und Fertigstellung von Neo2 wurden einige
Vorschläge zurückzuhalten, um Neo2 (endlich) fertig stellen zu können
und sich nicht mit immer neuen Ideen-Umsetzungen zu verzetteln. Nur
deshalb ist Neo2 jetzt das, was es ist: Stabil, dokumentiert, auf allen
gängigen Plattformen einigermaßen vollständig und einheitlich
implementiert und auf Linux-Distributionen von Haus aus verfügbar. Aber
Neo2 ist eben auch alles mögliche _nicht_: Voll optimiert, um
anwendungsspezifische Varianten der Unter-Ebenen erweitert, auf
Handergonomie mit neuer Hardware optimiert. Hättest Du gerne noch 3 bis
4 Jahre auf die Fertigstellung von Neo2 gewartet, damit all diese
Features unter diesem Namen entdeckt, umgesetzt, ausgewählt, abgestimmt
und optimiert sind?

Ich persönlich tippe schon lange kein Neo2 mehr, verwende aber die
Infrastruktur (Treiber), um optimierte Layouts auszuprobieren, zu lernen
und zu verwenden. Ich kann Dich beruhigen: Die Angst vor einem neuen
Layout hast Du Dir ja offenbar schon durch Erlernen von Neo2 genommen,
und Du wirst sehen, dass man schnell erneut umlernen kann.

Eine Belegung ist kein Dogma, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt
hat, sich nicht an ein dummes hundertjahraltes Layout halten zu müssen,
ist nicht nur die Hemmschwelle zum Umlernen gesenkt, man wird sogar auf
die Idee kommen, die Belegung selbst an die eigenen Bedürfnisse
anzupassen, ganz offenbar ist Dir diese Idee auch schon gekommen. Das
ist die eigentliche Befreiung die man mit Neo2 problemlos beginnen kann.

> Hauptnachteile von Neo sind
> - die Installation, die nicht problemlos funktioniert
> - die Tastenkombinationen strg+y,x,c,v, sowie z

Ich habe in den letzten 2 Jahren sicher 10 Mal das Layout gewechselt.
Die von Dir genannten Tastenkombinationen mögen für einen
Bunti-Klicki-Gui-Benutzer wichtig und an ein Umbelegen nicht zu denken
sein, aber wenn Du einmal mit Emacs, vi oder anderen
Tastatur-orientierten Benutzerschnittstellen gearbeitet hast, wirst Du
diese Forderung als lächerlich und für die eigentliche Optimierung der
ersten beiden Ebenen hinderlich betrachten.

> Hier meine Anregungen
> - An Neo 2 keine fundamentalen Änderungen vornehmen

Deswegen heißt es ja Neo_2_ und das Nachfolge-/Optimierungsprojekt Neo3.
Der Fortschritt bei Letzterem soll sich nicht auf Neo2 auswirken, außer
vielleicht, man kommt auf eine neue Idee, wie man einen Treiber noch
besser umsetzen kann.

> - die Position der Tasten y, x,c, v von qwertz übernehmen. Das Z ist in Neo 
> logischer angeordnet als auf qwertz und kann bleiben, wo es ist. Denkbar wäre 
> allenfalls die Anordnungen wie bei qwerty mit z, x, c, v, y zu machen. Da 
> diese Tasten eh selten sind, spielt es keine Rolle, wo sie sich befinden. Die 
> iv-, vi-Kombinationen gehen mit dieser Änderung sogar einfacher zum Schreiben.

Wofür hast Du eigentlich Neo gelernt, wenn Dir die Nachteile und Quirks
von Qwertz so ans Herz gewachsen sind? Versuch doch einfach, diese
Kombinationen an den Stellen zu tippen, an denen sie jetzt sind. Du
wirst sehen, man gewöhnt sich auch daran.

Noch eine Beobachtung: Ich habe von Leuten, die sich im Rahmen der
Neo-Umgewöhnung in so manch einer Anwendung vertippt haben, gehört, dass
sie auf Tastenkürzel gekommen sind, die sie nie im Leben über die
Tastatur aktiviert hätten.

> - ä ö ü kämen dann anstelle von x v l, denkbar wäre auch, dass Ö neu auf die 
> Position des W zu legen, um die Erlernbarkeit zu verbessern, das W wäre dann 
> am angestammten Platz nach qwertz-System.

Die Erlernbarkeit ist nicht besser, ich würde sogar sagen deutlich
schlechter, wenn man sich an "angestammten" Positionen von Qwertz
orientiert. Jeder Buchstabe sollte auf der dafür optimalen Taste liegen.

> - auch schon angeregt wurde, statt Ä, Ö, Ü die Tottasten besser zu 
> platzieren.  Dies würde zum Beispiel Übersetzern oder Sprachstudenten die 
> Arbeit erleichtern.

Neo ist Open Source. Es steht jedem frei, die verfügbaren Treiber
anzupassen und mit einer besseren Neo-Variante in die Geschichte
einzugehen. Neo2 ist für die deutsche Sprache gemacht und unterstützt
daher alle 30 Buchstaben des deutschen Alphabets (ich weiß, offiziell
sind es nur 26 und die restlichen vier eben Umlaut- und
Ligatur-Varianten, für mich sind's aber 30 Buchstaben). Eine Auslagerung
auf Compose-Sequenzen halte ich nicht für tragbar. Denk auch daran, dass
es Anwendungen gibt, die nicht eingegebene _Zeichen_ interpretieren
sondern _Tastendrücke_, beispielsweise Spiele. Solche richten sich nach
den verfügbaren Tasten jeder Tastatur. Was machst Du, wenn die Anwendung
jetzt das Gedrückthalten von Q oder Ä erfordert, diese bei Dir aber nur
über Compose-Sequenzen verfügbar sind?

> - als Programmierer stören mich die Handwechsel bei der Eingabe. Wäre es 
> nicht möglich, Aufzuräumen und die Typographischen Zeichen auf Ebene 2 und 3 
> dar Linken Hand, die Programmiertechnischen auf Ebene 2 und 3 der rechten 
> Hand zusammenzufassen? Das schiene mir auch einfacher zu merken.

Wäre eine interessante Variante. Ich würde vorschlagen, Du setzt die
Ideen erstmal um und berichtest von Deinen Erfahrungen. Vielleicht
finden die Ideen dann mehr Anklang?

> - die Ebenen 4, 5 und 6 benutze ich nie. Warum nicht eine Version anbieten, 
> die mit den gewohnten 4 Ebenen funktioniert, dafür aber auf allen Systemen 
> installierbar ist?

Ich habe auch keine echte Verwendung für die Ebenen 5 und 6. Für Neo3
habe ich vorgeschlagen, diese (oder eine von ihnen) per Spezifikation
als benutzerdefinierte Ebenen anzubieten und die Treiber um diese
Konfigurierbarkeit zu erweitern. Das Konzept setzt natürlich mündige
Anwender voraus, die nicht gleich wimmern, wenn sich _ihre_ individuelle
Belegung nicht als Standard auf jedem Computer durchsetzt.

> - Bezüglich Anwedungsbreite frage ich mich, ob ihr nicht das ß als 
> sz-Komposition definieren wollt, Gleiches für das seltene Q, das man als 
> Cu-Komposition machen könnte. Ich persönlich habe bei mir diese beiden 
> Zeichen auf die Alt-Gr-Ebene verschoben. Dies schaft Platz, um häufig 
> verwendete Zeichen, z. B. Gleichheitszeichen, Apostroph, Gedankenstrich, 
> Unterstrich, Eckige Klammernä etc. besser zu platzieren.

Siehe oben, Geschmäcker sind verschieden. Wenn ich einen Text schreibe,
will ich sicher nicht auf Teile des Alphabets verzichten, beim
Programmieren wären manche Zeichen natürlich hilfreich auf den ersten
beiden Ebenen (Insbesondere der Unterstrich _ geht mir auf Ebene 2 ab,
da viele groß geschriebene Identifier mit Underscores getrennt sind und
man dann zwischen dem Shift für Ebene 2 dem M3 wechseln muss). Bezüglich
Anwendungsbreite schlage ich vor, dass wir das Selbst-Süppchen-Kochbuch
um entsprechende Vorschläge und Codeschnippsel erweitern. Ein Fall für
das Wiki, Du bist herzlich eingeladen, Deine Ideen und Umsetzungen
beizusteuern.

> - als Umsteiger mache ich viele Vertipper mit A und U. Würde man A und U 
> tauschen, so hätte man 2 Vorteile, leichterer Umstieg und gewohnte 
> Tastenkombination für strg-A.

Siehst Du, es gibt genügend Möglichkeiten, die Belegung zu optimieren
und auch an individuelle Vorstellungen anzupassen, und daran wird auch
Neo3 nichts ändern, wenn es dereinst fertig ist. Bis dahin ist man
entweder ein unbelehrbarer Qwertzler, ein bekehrter Neo2ler oder ein
revolutionärer ?????ler, der entweder an Neo3 mitarbeitet oder seine
eigenen Anpassungen für sein Traumlayout durchführt.

Tipp: Schau Dir mal NordTast an (http://www.nordtast.org/), vielleicht
sagt Dir das mehr zu als die Neo2-Belegung. Nach Statistiken und auch
gefühlt ist es deutlich näher am Optimum als Neo2.

- Moesi (leider gerade auf Qwertz)

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