Hi Garry,

Am 29.09.2011 13:35, schrieb Garry:
Mit Multipolygon-Relationen sind die Eigenschaften nicht "in einer Linie" sondern in den Relationen, welche die Linie benutzen. Das Editoren mit Multipolygonen wesentlich besser umgehen könnten, habe ich bereits geschrieben..

Ja - könnten - das erfordert aber deutlichen zusätzlichen Aufwand für die Programmierer -> Es wird weniger einfache Tools geben um z.B. mit kleinen Anwendungen für Mobilgeräte
online unterwegs die Daten zu modifizieren.

Diese Bedenken teile ich eigentlich nicht - gerade MPs machen die Bearbeitung einer Flächengrenze und damit von Flächen vor Ort möglich, die sonst aufgrund ihrer immensen Größe gar nicht auf das mobile Gerät passen würden.. Weiterhin wird die Datenmenge, die transferiert wird, minimiert, wenn nur geometrische Daten der bounding box geladen werden müssen, die der Nutzer auf dem mobilen Gerät gerade sieht. Siehe Debatte zur dt. Grenze - wenn ich mich mit einem PDA in der Nähe von Görlitz aufhalte, muss ich, wöllte ich dort den Verlauf korrigieren, eben nicht die gesamte Grenze transferieren.

Ich bin also etwas optimistischer und schätze, dass mehr Tools möglich sind, auch für low-fat Geräte.


Flächendaten der angrenzenden Flächen können beliebig genau sein. Es verbietet sich daher schon aus der Sicht des technischen Zeichnens diese mit Linien zu verknüpfen die den Verlauf einer Strasse als Fläche nur symbolisieren und keine Aussage darüber treffen was alles zu dieser Fläche dazugehört (Entwässerungsgräben, Schutzflächen,...)

ich wäre für "auch", nicht "schon" .. -> "es verbietet sich daher auch aus der Sicht .."

Dein Argument, dass Flächengrenzen bel. genau sein _können_, verstehe ich vollkommen (siehe Küstenfraktale z.B.). Nur kann ich eine Flächengrenze erst dann genau erfassen, wenn ich auch genaue Quellen habe und _bis_ dahin, ist es IMHO besser und sauberer, wenn ich die topologische Information ausdrücke und nicht die letztlich geographisch exakte, zu der ich in Ermangelung an Quellen keine Aussage treffen kann.

Wir drehen uns hier im Kreis, ich erinnere an eine mail, die wir dazu hatten, indem ich Dich fragte, ob Du auch noch zwischen Bord und Pflasterstein Platz lassen möchtest, weil es geographisch nicht korrekt ist - schließlich ist da noch Sand dazwischen.

Die Frage muss sein, welchen Sachverhalt der Realität man abbilden möchte. Will ich den Sachverhalt, dass ein Wald an die Straße grenzt (was nur eine grobe Aussage zur Lagebeziehung ist, und immer sein wird, aber das kann ich eben modellieren) oder möchte ich den Sachverhalt ausdrücken, dass zwischen etwas und etwas anderem immer noch ein drittes etwas ist (das ist Leibniz - "egal wie klein der Raum wird, ich kann ihn immer nochmal in zwei Teile teilen"). Letzteres können wir mit OSM nicht modellieren, da wir dazu unbegrenzte Genauigkeit bräuchten, eine Grenze zu erfassen - die haben wir nicht.

Wir haben vielleicht morgen eine bessere Genauigkeit und übermorgen wieder eine bessere, aber das wird nichts daran ändern, dass wir auch solche groben Aussagen wie "der Wald grenzt an die Straße" brauchen, um uns in der Welt zurechtzufinden. Natürlich ist diese Aussage nie genau, weil sich immer noch etwas genaueres finden lässt, dass an die Straße grenzt - egal welche Definition Du verwendest. Aber diese Aussage ist ein Abbild der Realität, so wie unsere kognitiven Fähigkeiten uns das erlauben.

Wir kommen in OSM nicht umher, eine Struktur zu benutzen, um sowohl die etwas gröberen Abbilder, als auch die sehr detailierten (aber immer noch begrenzt genauen) Abbilder der Realität, welcher MapperInnen zusammentragen, zu verwalten. Diese Struktur ist, wenn es um Flächen geht, schon vorhanden, sie heißt Multipolygon. Sie wird bereits mal dort und mal da in begrenztem Kontext eingesetzt, sie aber als /das/ verbindende Element zwischen MICRO- und MACROmapping Welten zu begreifen, fehlt. Eine konsequente MP-Verwendung ist z.B. bei den politischen Grenzen, sprich polit. Flächen zu erkennen - da werden Teile von Teilen von Teilen gemappt und ihre Beziehungen untereinander eben auch.

Man mappt Gemeindegrenzen zum einen, ein Vorgang der sich völlig losgelöst betrachten lässt, und "mappt" danach die Beziehungen der Grenzsegemente zu größeren Flächen. Für Aussagen zur Bodennutzung geht das genau so: Man mappt die Grenze zwischen Brandschutzstreifen und Entwässerungsgraben und setzt deren Grenzsegmente danach in Beziehung zu größeren (sprich gröberen) Sinneinheiten (Straße, Wald, Gebiet, etc.).


Gruß
Christian

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