Hi Martin,

Am 28.09.2011 10:45, schrieb Martin Koppenhoefer:
wenn wir von einer Nachricht zur nächsten den Bezug vergessen bringt die Diskussion wirklich nichts. Der Bezug war: "im Zweifel lieber fragmentieren als zusammenfassen".(*)

lecker. Ich weiß nicht, ob die Möglichkeit, bestimmte Bezüge nicht herstellen zu können, rechtfertigt, anderen das Vergessen vorzuwerfen. Es macht keinen Sinn, im Kontext dieser (*)-Regel, von einem Unterschied zwischen MP und closed ways zu sprechen, denn sie passt durchaus auf beide dieser Arten, Flächen zu erfassen. MP bilden da /keine/ Ausnahme.

Deshalb habe ich die Frage gestellt, weshalb Du (*) überhaupt als Argument bringst - es ist kein Argument für oder gegen eine bestimmte Mappingpraxis, wenn alle Praxen Möglichkeiten der Fragmentierung bieten.

"closed way"-Flächen können bel. fragmentiert werden, man zerreißt dabei i.d.R. das Original. MP-Flächen können fragmentiert werden, ohne das Original zu zerreißen, sie fragmentieren UND fassen zusammen.

Ein Argument gegen MP-Flächen ist, dass solche MP, die sehr viele Flächengrenzen zu einer Fläche zusammenfassen, so groß werden können, dass ".. sie nicht mehr handhabbar sind. .. und deshalb sollte man sie nicht nutzen.." Erstens trifft das nur für MPs zu, die größer sind als ihr "closed way"-Pendant (die also schon zusammenfassen..) und zweitens bedeutet die Möglichkeit, dass man zusammenfassen /kann/, nicht, dass man zusammenfassen /muss/. Drittens /ist/ die Nicht-Verwaltbarkeit von wirklich umfangreichen MPs hauptsächlich ein usability-Problem, dass sich u.a. schon dadurch lösen lässt, dass umfangreiche MP in Kind-Relationen ausgelagert werden können. Z.B. durch Gruppierung der 10.000+ outer ways in Kind-Relationen, die dann als 'outer' an einer Eltern-Relation teilnehmen.

Die /Möglichkeit/ mit MPs komplexe Flächen mit 10.000+ Grenzsegmenten zu bilden, bietet Lösungen für Probleme, welche mit "closed ways" überhaupt nicht, oder mindestens genauso schwer, zu lösen sind. Weshalb sollte man also "closed ways", welche in solchen Grenzbereichen ebenso versagen, in ein besseres Licht rücken, als MPs, die zwar die /Möglichkeit/ bieten, in solche Bereiche vorzudringen, aber erst dort schwer zu handhaben sind?


Sobald man an einem riesigen Multipolygon mit hunderten von Membern
irgendwo einen way teilt entsteht gleich eine neue Version des
kompletten Multipolygons. So entstehen sehr schnell Unmengen an
Versionen von riesigen Objekten.
In welchem Editor?  Wenn es so ist, wie Du es beschreibst, ist das ein
klares Usability-Problem und kein Problem von Multipolys an sich.

nein, das Problem ist dem Datenmodell immanent, wie sollte das denn
sonst funktionieren?

Du schriebst: Beim Splitten eines ways, entsteht eine neue Version des kompletten Multipolygons. /So/ entstünden schnell /Unmengen/ an Versionen von riesigen Objekten.

Ich schrieb: /Dies/ ist ein usability Problem. /Das/ /Unmengen/ von Objekten erzeugt werden, liegt doch nicht am Datenmodell - dieses zwingt den Programmierer deines Editors mitnichten, jedes Mal eine neue Version eines MP zu erzeugen, wenn ein way member gesplittet wird.


Wenn durch diese Operation eine neue Version entsteht, dann evtl. aufgrund
eines Konfliktes?
das verstehe ich nun nicht

Manchmal in JOSM, und das betrachte ich pers. auch als Krankheit, kannst Du eine Relation mit dem Rel.-Dialog öffnen. Du kannst dort lustig ways hinzufügen und entfernen. Da dieser Dialog natürlich nicht modal arbeitet, kannst Du im MapView, während der Dialog noch geöffnet ist, die Basisgeometrien ändern, sprich ways splitten oder löschen, die an der Relation teilnehmen.

Da das ganze Prozedere nicht synchronisiert stattfindet, kann, wenn der Relationen-Dialog geschlossen wird, dieser eine andere Version der Relation vorhalten, als das im Editor geladene Dataset -> Konflikt wird erzeugt. Üblicherweise verschwindet aber nach Lösung des Konflikts die ungewünschte Version der Relation wieder.

Evtl. könnte der Relationen-Dialog selbst Observer des DataSets sein, um das zu vermeiden. Aber dies und das Erzeugen von Unmengen neuer Versionen in einem Editor sind für mich editor-spezifische Details.


... dass man aufpassen sollte, diese
nicht zu groß und komplex werden zu lassen, weil sonst
a) die Bearbeitung schwierig und langwierig wird

+/- 1 Das ist momentan evtl. richtig, je nach tatsächlicher Komplexität. Dies trifft aber z.T. auch auf riesige "closed ways" und dergleichen zu. Das ist, in beiden Fällen, zunächst ein usability-Problem, welches sich mit MPs einfacher lösen lässt, als mit "closed ways" - letztere lassen sich im Editor nicht getrennt laden (obwohl das denkbar ist, schließlich ist ein Weg auch nur eine Knotenliste, welche sich als Relation interpretieren lässt).


b) im Laufe der Zeit unzählige Versionen der Relation entstehen, weil
jede kleine Änderung eine neue Version entstehen lässt

Das verstehe ich nach wie vor nicht, und war ein Grund, weshalb ich auf deine ursprüngliche mail dazu geantwortet und nachgefragt habe. Was meinst Du damit?


c) das Rendern und andere Weiterverarbeitung unnötig aufwändig werden

Aberglaube. Es ist ein anderer Aufwand, nicht mehr oder weniger unnötig als der, den man ohne MP betreibt. IIRC werden MPs z.B. von Renderern ohne zu Murren gehandhabt. Zudem ist es möglich, simple Tools zu schreiben, welche Dir Multipolygone in closed ways konvertieren - probiere das mal anders herum. Bestimmte Arten der Weiterverarbeitung profitieren durch MP.

Tools, die nicht MP-fähig sind, lassen sich immer noch mit konvertierten Datensätzen füttern, in welchen MP durch closed ways aufgelöst wurden. Dies ist anders herum nur mit _erheblichem_ Mehraufwand zu lösen, bzw. gar nicht - da dürfen dann fuzzy-Regeln aufgestellt werden, wann zwei Flächengrenzen gleich (sprich eine) sind - eine Entscheidung, die sinnvollerweise nur der Mapper treffen kann und sollte.



Lieber fragmentieren als zusammenfassen war dazu die Empfehlung. Je
größer und gröber man das anfängliche Polygon macht, um so komplexer
wird tendenziell (je nach Kontext) das entstehende Multipolygon-objekt
im Laufe der Zeit.

Wie gesagt, deine Auffassung finde ich nicht verkehrt, nur die Schlussfolgerung. Jedes noch so komplexe und große MP (sprich Fläche) lässt sich auch fragmentieren, ohne dass man es (sie) auflöst. Betrachte dazu nochmal die dt. Grenze (oder die dt. Fläche, wie Du willst).

* Die Fläche lässt sich mittels "closed/overlapping way" fragmentieren (indem z.B. die Flächen der Bundesländer als closed ways erfasst werden).

* Die Flächengrenze lässt sich mittels "relations" fragmentieren (indem z.B. die Streckenabschnitte der dt. Grenze einzelner Bundesländer in einer Relation erfasst werden, und alle diese als 'outer' an der Superrelation teilnehmen).


Es bleibt zu beobachten, dass dem Wunsch nach Fragmentierung in beiden Konstellationen prinzipiell entsprochen werden kann. Mehr noch, und das hatten wir bereits diskutiert: Die Erfassung der Gesamtfläche über die Teilflächen (closed ways) hat klare Nachteile:

In ersterem Fall lade ich, um die Gesamtfläche D zu bearbeiten, alle Teilflächen / Bundesländer, also auch alle Flächengrenzen, die innerhalb D liegen. Das geschieht bei der Verwendung von MP nicht notwendigerweise - da lässt sich die gewünschte Flächengrenze bearbeiten, __ohne__ dass ich alles laden /muss/. Genau das war aber dein Argument: dass ich alles laden müsste, um mit MP sinnvoll umzugehen.

Mit MPs /kann/ alles geladen werden, um sie zu editieren, /muss aber nicht/.
        Mit closed ways   /muss/ alles geladen werden, um sie zu editieren.

Dass MPs komplizierter zu handhaben seien, als ein closed way (bei gleicher Komplexität!), ist ein Mythos, eine urban legend, oder was auch immer, der sich u.a. deshalb trägt, weil der Editorsupport schwächer ist, als der für closed ways. Anstatt aber etwas am Editorsupport zu verbessern, reden wir uns lieber ein, dass MPs schlecht, kompliziert, usw. seien, obwohl sie in der Tat viele Probleme lösen, die man mit den ausdrucksschwächeren Methoden der "closed/overlapping ways" tagtäglich hat.

In dem Moment, in welchem statt einer einzigen Fläche, mehrere angrenzende Flächen betrachtet werden, ist klar, dass MPs tatsächlich die bessere und einfachere Wahl sind, die Realität zu modellieren, als geschlossene Wege. Schließlich besteht die Welt nicht aus einer einzigen Fläche, wenn wir sie aufteilen.


Grüßle,
Christian

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