Hallo
Stefan Weigel schrieb:
Es gibt noch eine Alternative: Das Lernen attraktiv machen.
Solange es keine brauchbaren Konzepte und Materialien dafür gibt,
solange Handbücher und Co. grottenschlecht sind, braucht man sich
nicht zu wundern, wenn das keiner lesen will und sich keiner dem
Lernprozess unterziehen will. Dieser Lernprozess ist dann eigentlich
weniger ein Lernen, als ein mühsames Forschen. Solange Firmen erleben,
dass Mitarbeiter von zeit- und kostenintensiven Schulungen ausgelaugt
und demotiviert zurück kommen und viel trockenen Stoff gehört und
gesehen haben, den sie schon wieder vergessen haben, und einfache,
praktische Aufgaben mit dem Programm immer noch nicht lösen können,
solange braucht man sich nicht zu wundern, dass die Firmen solche
Maßnahmen nicht mehr unterstützen.
Eigentlich hatte ich nicht vor, in diesen schon ziemlich langen Thread
auch noch einzugreifen, aber: Stefan, mit diesem Abschnitt sprichst Du
mir aus dem Herzen!
Es sind m.E. zwei Punkte, die zu diesem Frust bei der Weiterbildung führen:
1. Es scheint, als hätten die Entwickler gewisser Vorlagen ihre ganze
Phantasie spielen lassen, aber noch nie etwas von Normen,
Standards und betrieblicher Praxis gehört. Man schaue sich nur
einmal all die sog. Geschäftsbrief-Vorlagen an: bei 99.999% habe
ich den Eindruck, dass der Autor keine Anhnung hat, dass es so
etwas wie DIN-Normen gibt, die das Aussehen regeln (bzw.
firmeninterne Standards und Vorgaben), und dass sie nie in ihrem
Leben in einem Unternehmen einen Geschäftsbrief geschrieben haben.
Mal ehrlich: wie viele Unternehmen gibt es, die ihre
Mitarbeitenden wirklich selber einen Brief gestalten lassen? Vor
allem mit all den Formen- und Farben-Orgien, die gewisse Vorlagen
zeigen. Alle Unternehmen, in denen ich bisher gearbeitet habe,
haben entweder einen papiernen Vordruck oder eine fertig
formatierte Vorlage, die ich zwingend benutzen muss. Was mir
Vorlagen, Assistenten und dergleichen vorsetzen, hat mit dieser
Realität wenig zu tun. Aber Unbedarfte - und deren gibt es genug -
glauben dann, das sei das Mass aller Dinge. Dann wundern wir uns
über selbst kreierte Flugblätter und Texte, die so "schön" farbig
( >:o ), aber mit leerem Inhalt daher kommen?
2. Das klassische Konzept eines Weiterbildungskurses geht davon aus,
dass man die "Funktionen eines Programms" kennen lernt, und nicht,
wie man bestimmte Probleme löst. Doch hier sind beide Seiten
gefragt: der Kursanbieter muss Probleme ins Zentrum seines
Angebots stellen; die Teilnehmenden (und die Firmen, die sie
schicken) müssen die (Alltags-)Probleme in den Vordergrund
stellen: was wollen wir nachher besser machen können? Anhand
dieser Fragestellung muss der Kursanbieter zweierlei zeigen:
einerseits wie man dieses konkrete Problem löst, zweitens anhand
dieser Problemlösung wie man vorgehen sollte, wenn man ein Problem
lösen will/muss.
Leider wird in beiden Richtungen nicht das Nötige getan, um die
Situation zu verbessern. Ein erster Schritt könnte sein ein "Praxisbuch"
zu schreiben, das genau von diesem Ansatz ausgeht. Warum nicht im
OOo-Wiki (analog zu Wikibooks als Ergänzung zur Wikipedia)?
Freundlich grüsst
Ernst
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