Hallo Andre, > > > Ich stelle zunächst mal eine Art rhetorische Frage zurück... > > > > > > Welchen Anspruch hat das Projekt OpenOffice.org? > > > > Gute Frage... Ich hoffe doch mal, es soll ein möglichst gutes Werkzeug > > für > > professionelle Anwender sein... > > Nein - das Ziel von OOo ist es, die beste OpenSource-Office Suite zu sein.
Ich befürchte, das ist etwas zu ungenau: Was heißt _beste_ denn genau: Die meisten Funktionen, die einfachste Handhabung, höchstmögliche Stabilität... > Das schließt *auch* aber nicht *allein* professionelle Anwender ein. > Wobei ich der Meinung bin, dass es "den professionellen" Anwender > genausowenig gibt, wie "den Office-Anwender". > .... Bevor ein falscher Eindruck aufkommt: Ich möchte _niemandem_ die Verwendung eines Programmes vorschreiben oder verbieten! Wenn eine (relativer) Anfänger unbedingt mit OOo arbeiten will, so soll er das tun. > > Das ist jetzt wirklich eine spannenden Frage: Wenn man mal die > > erfahreneren > > Benutzer außer Acht lässt: Sind die verwendeten Funktionen dann wirklich > > so > > weit gestreut? > > Meiner Erfahrung nach: ja. > Wobei auch hier das Problem ist, dass es "den erfahrenen Anwender" nicht > gibt. Es gibt aber Anwender, die manche Bereiche in einer erstaunlichen > Funktionstiefe nutzen können, in anderen sich aebr eher als "Blindfisch" > verhalten. Das stelle ich ebenfalls nicht in Abrede. > > Hmmm... Einfache aber übersichtliche Gestaltung ist doch eigentlich > > wünschenswert? Wenn ich mir viele Machwerke von Anfängern so anschaue, > > dann > > bekomme ich oft "Augenkrebs"... Ist vielleicht etwas böse ausgedrückt, > > aber > > ich ziehe eine schlichte Gestaltung die den Inhalt unterstützt vor. Ein > > Dokument, in dem sich etliche Zeichensätze in diversen Größen und zig > > unmotivierte Cliparts tummeln, ist nicht unbedingt meine Vorstellung von > > professioneller Textgestaltung. > > Jetzt machst du aber genau den Fehler, den viele hier UX oder auch MS > "vorwerfen": du definierst, wie andere Anwender zu arbeiten haben. Nein. Ich stelle lediglich fest, dass einige Anwender das für sie ungeeignete Werkzeug benutzen. Nehmen wir mal wieder ein Lieblingswerkzeug als Beispiel: Wenn ich einen Nagel in die wand schlagen möchte, kann ich sicher einen Vorschlaghammer verwenden. In diesem Falle sollte ich aber _sehr gut_ damit umgehen können... Wenn ich hingegen eine Wand einreißen will, dann ist die Verwendung eines solchen Werkzeugs sicher effektiver als ein kleiner "Standardhammer". Wenn ich noch nie eine wand eingerissen habe, könnte der kleine Hammer aber durchaus eine Alternative sein, da ich bei einem Fehler in der Handhabung einen geringeren Schaden anrichte. > Das ist natürlich notwendig - aber wer entscheidet, wer nun recht hat? > ISt dein Weg richtig oder der von MS - oder findet UX einen besseren? > (Btw. du kannst natürlich Teil des UX-TEams werden und die Richtung > beeinflussen .. oder dich z.B. auch von MS einstellen lassen ;) ) > ... Ich weiß nicht genau, welcher Weg der _richtige_ ist, ich weiß aber, welcher Weg mir geeigneter scheint. Hier geht es ja einzig und allein um eine Meinung. Ich bin nicht so vermessen, dass ich meine Meinung als irgendeine Form von höherer Wahrheit verkaufen will ;-))) > > Jein: Wenn ich ein "Schreibprogramm" suche, dann darf das ja durchaus > > schlicht > > und simpel sein. Wenn ich aber eine Textverarbeitung suche, dann soll > > dort aber auch das Grundprinzip der Texttypen bzw die Textauszeichnung im > > Vordergrund stehen. > > *wow* Ich wende mich sofort von OOo ab, denn ich müsste wirklich erstmal > nachfragen, was nun genau hinter den Begriffen steckt. Das ist höchst simpel! Eine Text_verarbeitung_, die diesen Namen verdient, soll mir unangenehme Arbeiten von Hals halten. Ich finde das Erstellen von Inhaltsverzeichnissen, Stichwortverzeichnis,... ziemlich öde und aufwändig, so dass ich mir eine automatische Erstellung wünsche. Dazu ist es aber notwendig, dass meine Textverarbeitung weiß, welcher Text denn nun im z.B. Inhaltsverzeichnis auftauchen soll. Ich definiere also den Texttyp "Überschrift" und zeichne beim Schreiben eine Überschrift als solche aus, indem ich ihr diesen Texttyp zuordne. Als weiteren Bonus erhalte ich die Möglichkeit, das Erscheinungsbild dieses Texttyps zentral festzulegen. Bei einer Änderung der Vorlage passt sich das Aussehen der entsprechend ausgezeichneten Texte an Genau dies spiegelt sich ja in den Absatzvorlagen von OOo wieder! Ein simples Schreibprogramm kommt dagegen mit einer einigen Vorlage (Das Teil, das in Word und Writer "Standard" heißt) aus. Alles andere wird durch hartes Formatieren erledigt. Mit den bekannten Nachteilen: Eine automatische Erstellung von "Infrastruktur" wie Inhaltsverzeichnis o.ä. ist kaum möglich und eine nachträgliche Änderung der Erscheinungsbildes von bestimmten Texttypen bedeutet viel viel Arbeit... > > O.K. Aber hier geht es um Vorlagen oder Beispiele. Das ist nicht direkt > > eine Programmfunktion. > > Es geht darum, wie der Anwender die Arbeit mit einer Software wahrnimmt. Hmmm... Andererseits bekommen Anwender auf die Frage, wie sie "weitere Schriften in OOo einbinden, die korrekte Auskunft: Das ist Sache des Betriebssystems. Hier könnte man auch sagen: Warum kann man OOo keinen Menüpunkt "Installation von Schriften" spendieren, der dann den Dialog des Systems aufruft. Insbesondere weil OOo ja auch eine Druckerverwaltung enthält, die in Grunde ja auch eine Aufgabe des Betriebssystems ist ;-) > > Sorry: Einspruch! Bilder bearbeiten ist für mich _keine_ Aufgabe eines > > Office-Paketes. > > Und wieder definierst du, was andere Anwender tun möchten. > Die primitive Funktion, Bilder zuzuschneiden gehört sicher zu > den sehr häufig nachgefragten im Writer. Das glaube ich! Höre ich auch oft genug... Aber es heißt dann auch: Ich möchte gerne ein Bild drehen, Kontrast/Helligkeit/Gammawert verstellen können... Da es nun etliche gute Programme für den Zweck gibt, ist es doch durchaus berechtigt, auf diese zu verweisen. Gerade beim Beschneiden von Bildern kann man ja auf die simplen Teile verweisen, die praktisch bei dedem System beiliegen (Als Beispiele seien MS-Paint [Win] und Kolourpaint [KDE] genannt. Ich bin ein absolut überzeugter Vertreter der Philosopie: Besser für jeden Zweck ein geeignetes /kleines) Werkzeug, als eine eierlegende Wollmilchsau, die vorgibt, alles zu können. > > Abgesehen davon ist auch hier wieder eine gewisse > > Grundkenntnis viel wichtiger. Ich kenne genug Leute, die eine 3000x4000 > > Pixel > > große Grafik in eine 3x4 cm großes Rechteck zwingen > > Drum wird in vielen professionellen Installationen die Presentation- > Minimizer-Extension verteilt. DAmit die Anwender *obwohl* sie solchen > "Unsinn" machen trotzdem am Ende sinnvoll arbeiten können. Funktioniert das mit Writer? Das wäre eine hübsche Sache. > > Ja und nein: Sicher kann man versuchen, den Zugriff auf diverse Dinge für > > den > > unerfahrenen Benutzer zu verbessern. Aber für mich gilt das oben zum > > Thema > > GUI gesagte. Ich sehe das sehr zwiespältig: Wenn eine Unmenge Features > > eingebaut werden, um dem unerfahrenen Benutzer zu kurzfristigen > > Erfolgserlebnissen zu verhelfen, dann könnte das Programmpaket ein > > ziemlicher Brocken werden. Man vergleiche mal die 1.1.5 mit der 3.1... > > Falsch: es werden keine neuen Features eingebaut. Es wird versucht, die > vorhandenen Features eben genau nicht mehr als "Brocken" zu präsentieren, > sondern als hmm... mein Neffe würde es wohl mit einem Audi RX-8 > vergleichen - funktional, effizient und extrem leistungsfähig. Und da trennen sich wohl unsere Meinungen deutlich: Ich bin völlig begeistert gewesen, dass das Prinzip der Textauszeichnung im Writer so viel konsequenter umgesetzt ist, als z.B. bei Word. Mit der Einführung des Format-Pinsels unterstützt man aber gerade das "Hartformatieren", das ich von vielen Word-Nutzern kenne. genau diese Dinge meine ich, wenn ich von kurzfristigen Erfolgserlebnissen spreche. Sobald ein so formatierter Text immer wieder neu überarbeitet werden soll, ist eine endlose Formatierungs-Fummelei angesagt. Ich bin davon überzeugt, dass einige Erleichterungen und Assistenten, die dem Anfänger die Arbeit erleichtern sollen, ihn auch sehr lange von einem echten Verständnis des Handwerks abhalten. Mag sein, dass ich da zu altmodisch bin... > > Manchmal wundere ich mich, was ich mit > > Finalwriter auf > > dem Amiga so alles hinbekommen habe (z.T. nur durch heftiges Tricksen, > > aber > > von der dabei gewonnenen Erfahrung zehre ich z.T. immer noch!)... Dabei > > war > > das Programm lächerliche 5 MB (!) groß. > > Warum nimmst du ihn dann nicht? :) > Amiga-Emulatoren gibt es zur genüge. Das mache ich! Ohne Witz: Wenn ich meinen Amiga mit PPaint, Finalwriter, Drawstudio und Typesmith nicht hätte, wäre ich gelegentlich aufgeschmissen oder bräuchte zumindest viel länger für einige Projekte! Es ist doch aber so: Seit ca. 24 Jahren habe ich nun mit Computern zu tun und höre ständig großartige Versprechen, wie einfach das alles in einigen Jahren sein wird. In den meisten Fällen ist das aber ein Versprechen geblieben. Ich kann niemandem raten, sich auf solche Versprechungen zu verlassen, sondern sich lieber _grundlegendes_ Wissen zum Thema Textverarbeitung, Computergraphik,... anzueignen. Wenn der/die dann noch ein brauchbares offenes Dateiformat verwendet, steht ja auch der Auswahl und ggf. einem späteren Wechsel des Werkzeugs nicht mehr im Wege. Im übrigen ist dieser Mögliche Wechsel zu einem anderen Werkzeug genau der Grund, warum ich heute nicht gerne mit MS-Office oder auch Finalwriter arbeite. Der Im/Export ist nicht immer befriedigend. > > Ich hatte auch Signum!2 geliebt - mit TempusWord gearbeitet und Papyrus > zumindest angetestet. Papyrus gibt es heute noch und ist in seiner Nische > genial - auch TempusWord gibt es noch in einer (unter) Windows > (lauffähigen) Version. Ich würde diese Programme aber keinem Einsteiger > empfehlen, da die im Bedienkonzept zum Teil sehr weit von dem weggehen, > was man evtl. erwartet. Signum!2 kenne ich auch noch. ;-) > Den Rest kürze ich mal weg .. wie immer hat wohl jeder ein wenig recht. > Falsch wäre aber, ewig auf dem zu beharren, was es bisher gab, und > Änderungen die einem selbst zunächst(?) nicht gefallen aus Prinzip > zu verneinen. Darum geht es nicht: _Ich_ fände es nur sehr Schade, wenn mit Blick auf die möglichen Anfängerprobleme viele neue Assistenten und/oder Einstellmöglichkeiten gestrichen würden. Wie schon geschrieben: Möglicherweise gehöre ich ja zu einer Minderheit, dann muss ich damit leben... oder ggf. wechseln. Möglicherweise kommt derzeit noch der Frust durch den Wechsel KDE3-KDE4 hinzu: Dort sehe ich exakt das, was ich befürchte: Sieht schick aus und macht einen unkomplizierten Eindruck. Aber nach 3 Tagen habe ich dann gesehen, was alles nicht mehr geht und dass _die_ herausragende Eigenschaft verloren gegangen ist: Die nahezu 100%-ige Anpassbarkeit an den eigenen Arbeitsstil (Zumindest für denjenigen, der sich in die Interna einarbeitet). Mittlerweile bin ich zur alten Version zurück und hoffe das Beste. In einem Jahr werde ich dann eine Entscheidung treffen müssen... KDE4 oder was ganz anderes. Solche Erlebnisse hatte ich in der Vergangenheit einwenig zu oft, das mag als Entschuldigung für einen gewissen Pessimismus reichen ;-) Einen schönen Sonntag, Michael -- ____ / / / / /__/ Michael Höhne / / / / / / [email protected] / ________________________________/ --------------------------------------------------------------------- To unsubscribe, e-mail: [email protected] For additional commands, e-mail: [email protected]
