Hallo,
Christoph Noack schrieb:
Ich habe
auch ziemlich viel während der Benutzung einiger Office-Programme (oder
auch Spezialsoftware) gelernt. Aber die Realität ist halt, dass viele
Anwender dies gar nicht möchten - und trotzdem brauchbare Dokumente
erstellen wollen.
Oder im Unternehmensumfeld: Es gibt kaum eine Arbeitsstelle, bei der
Bürosoftware-Kenntnisse verzichtbar wären. Nur, eine vernünftige
Weiterbildung bietet kaum eine Firma an.
Das sind (zusätzliche) Randbedingungen, denen wir uns stellen sollten.
Die Alternative ist, dass sich die Konkurrenz drum kümmert.
Es gibt noch eine Alternative: Das Lernen attraktiv machen.
Solange es keine brauchbaren Konzepte und Materialien dafür gibt,
solange Handbücher und Co. grottenschlecht sind, braucht man sich
nicht zu wundern, wenn das keiner lesen will und sich keiner dem
Lernprozess unterziehen will. Dieser Lernprozess ist dann eigentlich
weniger ein Lernen, als ein mühsames Forschen. Solange Firmen
erleben, dass Mitarbeiter von zeit- und kostenintensiven Schulungen
ausgelaugt und demotiviert zurück kommen und viel trockenen Stoff
gehört und gesehen haben, den sie schon wieder vergessen haben, und
einfache, praktische Aufgaben mit dem Programm immer noch nicht
lösen können, solange braucht man sich nicht zu wundern, dass die
Firmen solche Maßnahmen nicht mehr unterstützen.
Die UX zu verbessern ist freilich immer wichtig. Man sollte aber
nicht von der Forderung ablassen, dass jemand, der ein technisches
System bedienen will, sich etwas mit der Technik und bis zu einem
gewissen Grad auch mit dem Systemmodell vertraut zu machen soll.
Es geht hier doch um die Mensch-Maschine-Schnittstelle. Also es geht
um die Verbindung des Systems Mensch mit dem System Computer über
eine Schnittstelle. Beide Systeme werden die Schnittstelle bedienen
müssen und sich dafür anpassen müssen. Natürlich ist es
wünschenswert, das für die Seite Mensch möglichst einfach zu
gestalten. Wenn aber dadurch Aufwand und Komplexität auf der Seite
der Maschine so stark anwachsen, dass dies von den Entwicklern der
Maschine nicht mehr bewältigt werden kann, dann droht die Maschine
nicht mehr richtig zu funktionieren nutzlos zu werden.
Was bringt mehr? Was hat den besseren Grenznutzen [1]?
(a) Investition in die Software mit dem Ziel, dass jedermann ohne
viel zu lernen die von ihm benötigten Dokumente/Lösungen erstellen kann.
(b) Investition in gute, leicht verständliche Dokumentation und
Aufbau eines Qualifizierungskonzepts für Anwender.
Beides wird nötig sein.
Die Realität, dass ein Großteil der Anwender zuwenig Kenntnisse hat,
um die Software gewinnbringend einzusetzen, als gegeben und
unveränderlich anzunehmen, halte ich für falsch.
Gruß
Stefan
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Grenznutzen#Grenznutzen
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