Hallo Christoph, > ich finde die Diskussion echt entspannt. Trotzdem spare ich mir mal den > ersten Teil, weil André eigentlich schon alle Argumente vorgebracht hat, > denen ich mich auch bedient hätte :-)
Dann passt es ja, dass ich einen tag länger gewartet habe, damit ich seine Mail bekomme. Also bitte zuerst meine Antwort dort lesen ;-)) > Also spule ich mal vor ... [Vorspulgeräusch] > > [...] > > Auf der anderen Seite hatte der Zwang, sich etwas stärker mit den > > Funktionsprinzipien von Hard- und Software bzw. den Grundlagen von > > Computergrafik und Textverabeitung u.ä. beschäftigen zu müssen > > (Assistenten gab's nicht, dafür gute Kurse in Computerzeitschriften), > > einen sehr langfristigen Nutzen. > > Hhm, eben das Wort "müssen" stört mich in Deiner Ausführung. Ich habe > auch ziemlich viel während der Benutzung einiger Office-Programme (oder > auch Spezialsoftware) gelernt. Aber die Realität ist halt, dass viele > Anwender dies gar nicht möchten - und trotzdem brauchbare Dokumente > erstellen wollen. Klar, weiß ich. Ist möglicherweise unproblematisch, wenn es um Dokumente geht, die mehr oder weniger einmaligen Charakter haben. Aber wie ich in meiner anderen Antwort schrieb: Wenn man dann immer mehr mit einer Textverarbeitung macht und Texte wirklich überarbeiten muss, dann ist ein wenig Grundwissen eindeutig eine bessere Grundlage für eine echte Zeitersparnis. > Oder im Unternehmensumfeld: Es gibt kaum eine Arbeitsstelle, bei der > Bürosoftware-Kenntnisse verzichtbar wären. Nur, eine vernünftige > Weiterbildung bietet kaum eine Firma an. Ist bei uns nicht anders... Andererseits habe ich mit einigen Damen aus dem Schreibbüro mal eine private Kurzschulung gemacht. Nachdem wir einige Absatzvorlagen gebaut hatten, waren die Damen begeistert, wie schnell sich ein Brief herunterschreiben und anschließend in Rekordzeit durchformatieren kann. Mit regelmäßigen Kurzschulungen lässt sich manchmal mehr erreichen, als mit größeren Schulungsveranstaltungen. Insbesondere wenn die größeren Schulungen von Dozenten abgehalten werden, die lediglich die Menustruktur vorbeten :-( > Das sind (zusätzliche) Randbedingungen, denen wir uns stellen sollten. > Die Alternative ist, dass sich die Konkurrenz drum kümmert. Und dabei > ziele ich nicht mal auf den üblichen Verdächtigen ;-) Ich halte das Beilegen von (nicht zu vielen, dafür) guten Vorlagen für effektiver. Der Anwender kann sich das Teil schnappen und jedes Element nach seinem Geschmack anpassen. dabei lernt er, wo sich welche(r) Funktion/Menüpunkt "versteckt". Wenn er nach einer gewissen Zeit nicht immer das gewünschte Ergebnis erreicht hat (steigender Anspruch), wird er möglicherweise schon so viel Erfahrung gesammelt haben, dass er seine eigenen Vorlagen baut. > > > Wenn wir dies verpassen / anders entscheiden, dann kann OpenOffice.org > > > maximal noch als Nischenprodukt positioniert werden. Über kurz oder > > > lang verlieren wir einen Teil der Anwender an die Konkurrenz - denn es > > > gibt Programme, die es einfach machen. Und, weniger Anwender für uns > > > bedeutet auch, dass sich die Pflege dieser (eigentlich großartigen) > > > Software weniger lohnt. Eine echt ungünstige Rückkopplung. > > > > Wenn aber andererseits OOo weiterhin ein Paket für Profis bleiben soll, > > dann ist es doch aber auch kontraproduktiv, wenn man jetzt hunderte > > Assistenten einbaut, Die Oberfläche "stylisch" aufpoliert und das klare > > Vorlagen-Konzept durch chaotische Hartformatierung mit "Pinsel" ersetzt. > > Das bindet eine Menge Resourcen und erweckt den Eindruck, man wolle > > Microsoft hinterher programmieren. > > Das klingt wirklich interessant, denn bisher habe ich weder das Wort > "Assistent" oder etwas wie "Formatierungspinsel" in den Mund genommen. > Und dennoch scheint der Hinweis auf "Verbesserung der Benutzung" bei > vielen Leuten diese Erwartung zu wecken. Es ist eine meiner bisherigen Erfahrungen: Ich lerne ein Produkt kennen, dass durch seine schlichte Funktionalität begeistert. Es hat vielleicht nicht alle denkbaren Features, aber was ihm fehlt, kann ich durch geschickte Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten ausgleichen. Das Produkt entwickelt sich weiter und erhält eine Unmenge neuer Features, gleichzeitig bleiben einige bekannte Instabilitäten bestehen. Zusätzlich werden immer mehr Nutzer auf dieses Produkt aufmerksam. Die neuen Nutzer haben die Entwicklung nicht verfolgt und haben daher ggf. ganz andere Vorstellungen von der Weiterentwicklung. Insbesondere Anfänger, die das ursprüngliche Konzept nicht kennen gelernt haben, möchten gerne Funktionen haben, die sie von ihrem bisherigen Produkt gewöhnt waren, auch wenn dieser Wunsch möglicherweise dem ursprünglichen Konzept entgegen steht. Die Interessen vieler ursprünglicher Nutzer treten in den Hintergrund, wobei in einigen Fällen sogar Teile des ursprünglichen Konzepts "geopfert" werden. Spätestens jetzt könnte es passieren, dass sich das Produkt für mich nicht mehr besonders auszeichnet, oder schlimmer: meine Anforderungen nicht mehr erfüllt. Gutes Beispiel für ein Stück Hardware: Als ich mir einen Palm zugelegt hatte, konnte man den mit Batterien betreiben, die an jeder Ecke zu haben waren. Er hatte eine relativ Strom sparende s/w-Anzeige. Es gab nur zwei Dateitypen: Programme, die als Betriebssystemerweiterung installiert wurden und Datenbanken, die jeweils einer Applikation zugeordnet waren. Durch das Datenbank-Konzept gab es z.B. eine globale Suche, Einfacher Abgleich von datensätzen,... Das war in gewisser Weise genial! Im Laufe der zeit gab es dann mehr und mehr Programme, die diese tragbaren Datenbank immer weiter in Richtung Taschencomputer rückten. Dann gab es "normale" Dateitypen (.txt/.xls/.pdf) auf der Speicherkarte usw. Zuletzt waren die Geräte nur noch ein Abklatsch der Windows-Mobile-Geräte. Durch die interne Architektur der Palm-OS dazu auch noch eine mangelhafte... > Ich gehe da mal etwas genauer drauf ein. Der Formatierungspinsel ist z. > B. (aus meiner Sicht) einer der größten Fehler, den Microsoft (und > danach auch wir) gemacht haben. Aus meiner Sicht wurde damit ein > unzureichend benutzbares Konzept (Word hat ja auch Formatvorlagen) durch > eine weitere unzureichende Lösung ergänzt. Eben eine, bei der Anwender > kurzfristig Zeit sparen, aber eigentlich die Interna von (z. B.) > Textverarbeitungen gar nicht erst erfassen. Wir haben noch einen > draufgesetzt, indem wir neben Formatvorlagen, Formatvorlagen-Fülleimer > auch noch gepinselt haben. Eine echt dunkle Stunde :-) Genau dies meine ich ;-) Endlich mal wieder eine Textverarbeitung, die das Vorlagenkonzept wieder betont und damit geeignet ist, den Hartformatierungs- Pfusch zumindest zu erschweren, und dann kommt diese Erleichterung, die scheinbar Zeit spart... > Was wäre eine Alternative gewesen? Eine zentrale Stelle für > Formatvorlagen vorsehen, die Struktur des Stylisten verbessern (faktisch > besteht er aus ein paar nichtssagenden Icons und einer prallen Liste > Text), Dinge wie Live-Vorschau ergänzen und bessere Begriffe dafür > finden. Wäre für mich der Bessere Weg gewesen. Hier wäre sogar ein toller Ansatzpunkt für einen "Assistenten" ;-))))) Was ich meine, wäre eine Darstellung der Abhängigkeiten der Absatzvorlagen und die Möglichkeit, diese zu ändern. Ich stelle mir da ein Baumstruktur (ähnlich wie die Threads im Emailprogramm) vor. Ändere ich dann z.B. ein Textattribut, dann würde ich gerne sehen wollen, welche Vorlagen diese Änderung durch die entsprechende "Vererbung" übernehmen. Ich kann mich noch an meinen Versuch erinnern, in Finalwriter die Schrift-Größen/-Attribute der Absatzvorlagen nachzustellen, die ich aus TeX/LaTeX kannte. > Noch ein Kommentar bitte: Es gibt kein "schlechtes" UI-Konzept, es gibt > nur schlecht zum Problem passende Lösungen. Assistenten sind eine super > Sache; für bestimmte Probleme. O.K. Aber du musst zugeben, dass es ziemlich knifflig sein kann festzulegen, welche der möglichen Optionen, die tatsächlich zu Verfügung stehen, im Assistenten (oder sonstigen GUI) abgefragt werden sollen... > > > Aus meiner Sicht ist OOo aus technischer Sicht (z. B. die Logik hinter > > > den Seitenformatvorlagen) wirklich richtig gut - aber wer kommt auf den > > > Gedanken, dass diese Leistungsfähigkeit verfügbar ist, wenn man über > > > 'nen Brief stolpert :-) > > > > Hmmmm... Autopilot in alle Autos einbauen und Führerschein ab sofort ohne > > Prüfung, wenn man 100 Stunden fehlerfrei mit Autopilot unterwegs war? > > > > Das ist auch mein Problem, wenn ich mir den möglichen Ersatz der Menüs > > durch Ribbons vorstelle. Damit der geneigte Benutzer, der (noch) keine > > Ahnung hat, weiter kommt, wird ihm halt angezeigt, was er nun alles > > wollen könnte. > > > > Als Hilfe für komplette Anfänger, könnten solche "Gatter" ja ganz > > nützlich sein, aber als erfahrener Anwender bekomme ich allergische > > Anfälle, wenn ich so gegängelt werden soll... > > Ehrlich gesagt habe ich es noch nicht verstanden. Was genau erzeugt > allergische Anfälle? Wenn die Produktivität aller steigt? ;-) Nö! Aber wenn mir meine gewohnten Bedienkonzepte "unter dem Arsch weggerissen" werden, werde ich ungemütlich ;-) > Ich greife mir noch einmal das "Augenkrebs"-Problem heraus und gehe auf > unsere Farbverwaltung ein. Noch vor 5 Jahren hatten wir vielen > Programmen damit wirklich Einiges voraus - eine Palette für alle > Anwendungen. Mit benannten Farben, bei Bedarf austauschbar. Super. > > Heute? Aus heutiger Sicht findet sich in der Palette eine Reihe von > Farben, die wie eine lineare Liste hintereinander hängen. Das Hinzufügen > einer Farbe ist quasi eine Zumutung - ich sage nur "Dialog für Fläche". > > Warum also nicht Paletten, die neben klassischen Markierungsfarben eine > farbharmonisch abgestimmte Auswahl mitbringen? Also z. B. sortiert nach > Zusammengehörigkeit - das reduziert einerseits die Augenkrebserzeugung > und andererseits auch den Aufwand für erfahrene Anwender. Denn diese > Zusammenstellung hätten sie doch ohnehin gewählt. Kein Assistent, kein > Formatierungspinsel. Einfach nur ein sinnvoller gestaltetes Werkzeug. Dann würde ich für ein Verfahren stimmen, dass ich vom alten PPaint kenne (damals gab es noch Bilder mit Paletten...): Hinter jeder Farbe eine Markierung, ob sie im Dokument schon einmal benutzt wurde. Auf Wunsch kann man dann nicht verwendete Farben entfernen lassen. Zusätzlich einige Paletten, die sich nachladen lassen. > Das kann man weiterführen für Schriftauswahl, Cliparts, Diagramme, > automatische Organigrammfunktionen, ... O.K. Die eine oder andere Funktion könnte nützlich sein, aber (um irgendein Gegenbeispiel zu nennen) Organigramme kann man sehr schnell mit Draw zusammenstellen. Viel wichtiger fände ich z.B. einen Dialog zum Export von Grafiken in beliebiger dpi-Auflösung (ja, die Erweiterung habe ich installiert ;-) ). Ein anderes Beispiel für eine unzureichende GUI: Wenn ich einen "Blockpfeil" in Draw zeichne, so findet sich dort der in der Hilfe erwähnte "...speziellen Griff, an dem Sie ziehen können, um die Eigenschaften der Form zu ändern". Über den Eigenschaften-Dialog gibt es leider keine Möglichkeit, den "gelben Punkt" exakt zu positionieren. Vielleicht sollte man erst einige solcher "Bedienlücken" auffüllen, bevor man sich an neue Dinge macht. Dabei fällt mir gerade ein: Wenn man eigene Bibliotheken von Solchen "Standardobjekten" anlegen könnte, würde man sicher viele nützliche Erweiterungen produzieren können (Symbole für Schaltkreise, chemische Geräte,...). Quasi als Werkzeugkiste für Schematische Darstellungen. > > > > Ich installiere auf praktischen allen Rechnern, die ich neu aufziehe > > > > auch OOo (schon wegen der Im/Export-Fähigkeiten). Bei Anfängern kommt > > > > aber oft noch ein schlichteres Schreibprogramm hinzu, damit > > > > derjenige/diejenige schnell zu Ergebnissen kommen und sich an die > > > > Arbeit mit > > > > "Schreibprogrammen" gewöhnen kann. > > > > > > Die Idee finde ich grundsätzlich gut, aber eigentlich wünsche ich mir, > > > dass diese Leute bereits frühzeitig mit OOo in Kontakt kommen. Gründe > > > siehe oben. > > > > Wie wäre es denn mit 2 Betriebsmodi: OOo-Basic mit möglichst vielen > > Erleichterungen und Assistenten, die dem Anfänger die entsprechende Hilfe > > an die Hand geben. Dazu einen Assistenten, der diverse Grundeinstellungen > > an Beispielen zeigt und nach der gewünschten Vorgabe fragt. Für die > > Profis dann einen Modus, in dem viele Assistenten ausgeschaltet werden > > können sowie die Möglichkeit, diverse tiefer liegende Systemparameter > > einzustellen, die man ggf. durch die Options-Dialoge nicht erreicht (s. > > about:config beim Firefox!). > > Mir persönlich schwebt etwas ähnliches vor - OOo geht bereits leicht in > diese Richtung, allerdings noch etwas zu langsam und manchmal zu > inkonsequent. Ein vernünftiges Standardpaket, welches für 80% der > Aufgaben wirklich gut funktioniert (Aufgaben, nicht Funktionen). Und > zwar möglichst abseits von vordergründigen Dialogen und Assistenten; > möglichst viel direktes Manipulieren an den Objekten selbst. > > Dieses Basispaket kann ruhig mein einer Handvoll wirklich genialer > Spezialfunktionen gesegnet sein - das zeigt einerseits die Mächtigkeit, > macht vielleicht Lust auf mehr und differenziert uns vom Wettbewerb. > > Dazu gibt es dann wirklich gute Extensions, die dann viel einfacher aus > einem Repository zu laden sein sollten. Mit einer minimal besseren > Software-Architektur sollte es dann auch einfacher sein Extension- > Entwickler zu begeistern. Das wäre aus meiner Sicht wirklich toll! Ich glaube, es ist rübergekommen, dass ich kleine Programmpakete mit galaktischen Möglichkeiten vorziehe ;-))) > Und der letzte Punkt: Ja, es gibt auch Ideen für ein about:config - > siehe nachfolgender Link. Allerdings bin ich leider nicht für Ressourcen > verantwortlich und kann daher nur Ideen zusammenstellen. (Bitte bei ein > paar Vorschlägen das eine Auge mal zumachen...). > > Schaut mal nach dem "Improved Options One-Pager": > http://wiki.services.openoffice.org/wiki/User_Experience/Improved_Options Da habe ich morgen was zu lesen ;-) > > Möglicherweise könnte man das durch die Installation eines > > "Starter"-Moduls erreichen, das der Profi deinstalliert oder deaktiviert. > > > > Nur um das noch einmal klar zu stellen: ich stelle hier keinerlei > > Forderungen... Mir ist klar, dass das OOo-Projekt oder dessen Sponsoren > > oder wer auch immer letztlich die Akzente setzt! Möglicherweise bin ich > > nicht auch nicht so repräsentativ für die von Ooo angepeilte Zielgruppe > > ;-) > > ;-) Ich finde die Diskussion eigentlich mal ganz auflockernd, weil ich > ja so auch andere Argumente höre und für mich auch durchdenken kann. > Aber ich mache mich zunächst mal wieder etwas rarer, hier stapeln sich > sonst zu viele andere Sachen. Kein Problem... Ich habe hier auch gerade ein Riesenpaket hereinbekommen. VPN-sein Dank kann ich wenigstens von der heimischen Couch aus arbeiten... Ich danke dir aber schon mal ganz herzlich für deine Aufmerksamkeit. Einen schönen Sonntag, Michael -- ____ / / / / /__/ Michael Höhne / / / / / / [email protected] / ________________________________/ --------------------------------------------------------------------- To unsubscribe, e-mail: [email protected] For additional commands, e-mail: [email protected]
