Hallo Stefan,

> Michael Höhne schrieb:

> > Ein simples Schreibprogramm kommt dagegen mit einer einigen Vorlage (Das
> > Teil, das in Word und Writer "Standard" heißt) aus. Alles andere wird
> > durch hartes Formatieren erledigt. Mit den bekannten Nachteilen: Eine
> > automatische Erstellung von "Infrastruktur" wie Inhaltsverzeichnis o.ä.
> > ist kaum möglich und eine nachträgliche Änderung der Erscheinungsbildes
> > von bestimmten Texttypen bedeutet viel viel Arbeit...
>
> Das ist aber hauptsächlich eine Frage der Arbeitsweise. Ich habe mal
> gelernt, dass man die Struktur eines Textes, also zum Beispiel
> Kapitel und deren Überschriften festlegt, bevor man anfängt zu
> schreiben. Die Gliederung und somit das Inhaltsverzeichnis entsteht
> also als erstes. Dann wird der Text ausformuliert. Zum Schluss, wenn
> alles fertig geschrieben ist, wird formatiert.

So kenne ich das auch. Viele meiner Texte entstehen sogar als Sammlung 
einfacher Textdateien, die als Dateinamen die spätere Überschrift tragen. In 
OOo werden die dann in (hoffentlich) sinnvoller Weise importiert und das 
Ganze aufbereitet. 

> Bis zu diesem Punkt hat man keine (oder nur wenige) Nachteile, wenn
> man ohne Formatvorlagen und ohne Automatismen für ein Verzeichnis
> u.s.w. arbeitet.

Korrekt. Doch spätestens jetzt in der ersten Fassung kommt die Formatierung 
der Gliederungspunkte. Statt die Teile einzeln zu markieren und die 
Schriftgrößen/Attribute zu ändern, bietet es sich an, die Formatvorlagen für 
die Auszeichnung zu verwenden. Wie du schon richtig bemerkst, erleichtert 
diese Vorgehensweise eine spätere Überarbeitung. Zudem ist das Vorgehen auch 
sonst effektiver, da ein einziger Klick in die Auswahl reicht. Das ständige 
Markieren und ändern ist viel aufwändiger. 

> Ich selbst schätze und nutze gerne die Logik und die Funktionen
> moderner Textverarbeitungsprogramme mit Formatvorlagen und so
> weiter. Ich finde es dennoch falsch, dass die Leute, die eine andere
> Arbeitsweise haben und diese Möglichkeiten nicht brauchen und nicht
> nutzen, oft als Unwissende oder als Stümper dargestellt werden,
> zumindest aber als Leute angesehen werden, die die Software "falsch"
> benutzen.

Ich versuche noch einmal, die Sache zu erläutern:

Wenn jemand ein Werkzeug auf seine Art verwendet, weil er es nicht besser 
weiß, dann habe ich kein Problem damit. Wenn jemand ein Werkzeug gegen 
besseres Wissen verwendet (Nägel kann man ggf. auch mit eine stabilen 
Kneifzange in die Wand schlagen), dann ist auch das sein persönlicher Spaß.

Nun ist aber die Frage, ob der Designer/Hersteller des Werkzeugs das Design 
abändern sollte, damit diese beiden Nutzergruppen noch einfacher haben, das 
Werkzeug für ihre Zwecke einzusetzen. Dies gilt insbesondere, wenn es schon 
Werkzeuge gibt, die verfügbar und bessere geeignet wären und dazu die 
Resourcen an anderer Stelle fehlen würden.

> Diese Leute nutzen das Programm professionell und für sich
> gewinnbringend und effizient, benötigen aber viele Funktionen gar
> nicht, die von Dir und mir als konzeptioneller Kern des Programms
> angesehen werden. Ein "einfaches Schreibprogramm" ist für sie
> trotzdem nicht ausreichend.

Warum nicht? Ernsthafte Frage!

> > Das glaube ich! Höre ich auch oft genug... Aber es heißt dann auch: Ich
> > möchte gerne ein Bild drehen, Kontrast/Helligkeit/Gammawert verstellen
> > können...
>
> Ja. Ich zum Beispiel will das.

Ich auch, aber dazu habe ich erprobte Werkzeuge. Auch hier: Warum Resourcen 
binden, die anderweitig ggf. fehlen.  

> > Da es nun etliche gute Programme für den Zweck gibt, ist es doch durchaus
> > berechtigt, auf diese zu verweisen.
>
> Ich will aber beim Arbeiten nicht ständig das Programm wechseln
> müssen. Und ich will mein Bild nicht ständig zwischen OOo und einer
> anderen Anwendung hin und herkopieren.

Kompromissvorschlag: Ein zusätzlicher Button "Bearbeiten" im Kontextmenü, der 
ein externes Bildbearbeitungsprogramm aufruft! 

> > Ich bin ein absolut überzeugter Vertreter der Philosopie: Besser für
> > jeden Zweck ein geeignetes /kleines) Werkzeug, als eine eierlegende
> > Wollmilchsau, die vorgibt, alles zu können.
>
> Ich denke, OOo Writer hat den Anspruch ein gutes Programm zu sein,
> mit dem man (auch) bebilderte Textdokumente erstellen kann. Der
> Umgang mit Bildern (Scannen, Zuschneiden, Spiegeln, Drehen,
> Kontrast, Helligkeit, Gammawert) wäre demnach schon eine
> Kernfunktion des Programms, also etwas was eine reinrassige Kuh
> leisten können sollte, ohne dabei Eigenschaften anderer Tierarten
> mit übernehmen zu müssen.

Sorry, sehe ich anders. Man kann auch Präsentationen erstellen, die Videos 
beinhalten. Dann wäre doch auch die Videobearbeitung eine Kernfunktion...

> > Und da trennen sich wohl unsere Meinungen deutlich: Ich bin völlig
> > begeistert gewesen, dass das Prinzip der Textauszeichnung im Writer so
> > viel konsequenter umgesetzt ist, als z.B. bei Word. Mit der Einführung
> > des Format-Pinsels unterstützt man aber gerade das "Hartformatieren", das
> > ich von vielen Word-Nutzern kenne.
>
> Ich verstehe nicht, warum der Pinsel von vielen so verteufelt wird.
> Der Pinsel ist kein Werkzeug der harten Formatierung. Er überträgt
> Formatvorlagen gleichermaßen wie hart zugewiesene Formate und
> verhindert oder behindert doch den konsequenten Einsatz von
> Formatvorlagen gar nicht. Ich verwende recht konsequent
> Formatvorlagen und für mich ist der Pinsel dennoch ein Gewinn.

Weil er genau in die falsche Richtung geht: Er ermutigt dazu, harte 
Formatierungen zu verwenden, obwohl die konsequente Verwendung von 
Formatvorlagen einer der Kernphilosophien von OOo war.

Gruß,
Michael

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