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Gesendet: Samstag, 01. Juni 2013 um 18:17 Uhr
Von: "Walther Umstaetter" <[email protected]>
An: [email protected]
Betreff: Re: [WISS-ORG] Langfassung: Über die Darstellung ein er deduktiven Wissenschaft als Deduktgeflecht
Von: "Walther Umstaetter" <[email protected]>
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Betreff: Re: [WISS-ORG] Langfassung: Über die Darstellung ein er deduktiven Wissenschaft als Deduktgeflecht
> Eine Aussage ist ein Satz der falsch oder richtig sein kann, und eine Definition ist eine
> Aussage über einen Begriff, die ebenfalls falsch oder richtig sein kann. Insofern ist
> Aussage ein Oberbegriff von Definition und kein Synonym, da es noch etliche Aussagen
> außerhalb der Definitionen gibt.
Lieber Herr Umstätter,
wie gesagt, ich bin da anderer Meinung, und muss auch anderer Meinung sein, sonst verstieße ich nämlich gegen meine Prinzipien: Eine Herleitung erfolgt mit rein syntaktischen Mitteln; Inhaltliche Aspekte gehen nicht ein, so dass spätestens hier alle Aussagen den gleichen Status haben. Sie irgendwie zu klassifizieren, halte ich daher für überflüssig und somit fallen solche Klassifikationen bei mir dem berühmten Rasiermesser zum Opfer.
> Im Prinzip gilt das [die Nichtkreativität?] sogar für Axiome, die bei genauer Betrachtung
> insofern nicht unbeweisbare Ausgangspunkte einer Aussagenlogik sind [das verstehen ich
> nicht], sondern ihren Wahrheitsgehalt an ihren Konsequenzen sichtbar machen.
> Genau das sehen wir in der Mathematik, in der wir ja immer wieder erstaunt sind,
> dass sich aus ihrer Axiomatik heraus so viele naturwissenschaftlich beobachtete
> Phänomene herleiten lassen.
Aus der Axiomatik der Mathematik heraus lassen sich keine naturwissenschaftlich beobachtete Phänomene herleiten. Letzteres ist möglich durch Gesetze wie K = M x B, und diese folgen nicht aus der Mathematik. Auch mit dem, was Sie bezüglich der Kraftdefinition schreiben, bin ich nicht einverstanden; aber das ist hier nicht wichtig. Nach Ihrer Ansicht müssten ja auch noch andere Grundgleichungen der Physik Definitionen sein. Doch was wird z.B. durch die Maxwell Gleichungen definiert?
Noch kurz ein paar Anmerkungen zur Rezension von Frau Treude: Ihr Verriss ist sicherlich berechtigt, aber warum hütet sie sich nicht vor „falschen Freunden“ (concept = Konzept)? Eine wissenschaftliche Vorgehensweise habe ich bei Friedman/Smiraglia nicht erkennen können; hier gibt es offenbar zu den Naturwissenschaften ein starkes Gefälle. Außerdem vermute ich, dass ihnen die Formale Begriffsanalyse unbekannt geblieben ist. Ferner bin ich ein bisschen verwundert darüber, dass man sich in der Semiotik noch immer auf einzelne Wörter bzw. Wortbedeutungen bezieht (Triade/Dyade bei Peirce/Saussure). Das wusste doch schon Leibniz besser, dessen Characteristica universalis von Zeichenkombinationen ausgeht. Peirce und Saussure können auch nicht als die Begründer der Semiotik gelten, wie oft zu lesen ist; das trifft eher auf Johann Heinrich Lambert zu, siehe:
Lambert, Johann Heinrich (1764): Neues Organon oder Gedanken über die Erforschung und Bezeichnung des Wahren und dessen Unterscheidung vom Irrtum und Schein. Leipzig, 1764 (Nachdruck Akademie-Verlag Berlin, 1990).
Der zweite Band des Organons beginnt mit einer „Semiotik oder Lehre von der Bezeichnung der Gedanken und Dinge“.
Viele Grüße
Peter Jaenecke
