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Gesendet: Freitag, 31. Mai 2013 um 22:43 Uhr
Von: "Walther Umstaetter" <[email protected]>
An: [email protected]
Betreff: Re: [WISS-ORG] Langfassung: Über die Darstellung ein er deduktiven Wissenschaft als Deduktgeflecht
Von: "Walther Umstaetter" <[email protected]>
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Betreff: Re: [WISS-ORG] Langfassung: Über die Darstellung ein er deduktiven Wissenschaft als Deduktgeflecht
> Die Definition eines Begriffs enthält also selbstverständlich eine Aussage über den Begriff
> und kann durchaus richtig oder falsch sein, also wahr oder unwahr sein.
Lieber Herr Umstätter,
in der Wissenschaftstheorie gibt es über die Definitionslehre gewiss viele unterschiedliche und zum Teil widersprüchliche Ansichten, aber in einem Punkt ist man sich doch weitgehend einig: Definitionen sind Vereinbarungen und als solche nicht wahrheitswertdefinit. Sonst würde es nämlich keinen Unterschied zwischen Aussage und Definition geben und man könnte nach dem Vorbild von Occam das Wort ‚Definition‘ aus dem wissenschaftlichen Vokabular streichen; im übrigen wäre man dann wieder bei meinem aussagebasierten Ansatz.
Wenn man einer Definition einen Wahrheitswert zugesteht, muss man natürlich auch die sich daraus ergebenden Folgen bedenken. Eine bekannte Anforderung an eine Definition ist die der Nichtkreativität; sie wird verletzt, wenn man eine Definition als eine Aussage auffasst; man muss sich also entscheiden, ob man wirklich bereit ist, diese große Verwirrung stiftende Verletzung inkaufzunehmen.
Sie geben als Beispiel für eine Definition K = M x B an. Diese Gleichung wird aber in der Literatur als ein Axiom angesehen; in Wirklichkeit handelt es sich um ein allgemeines Gesetz, denn die Gleichung folgt aus Variationsprinzipien. Auf jeden Fall ist sie kreativ, denn aus ihr lassen sich wiederum zahlreiche spezielle Gesetze der klassischen Mechanik herleiten.
Wie wenig die obige Gleichung als Definition taugt, lässt sich auch daran erkennen, dass in ihr ein Hauptmerkmal der Kraft gar nicht zum Ausdruck kommt, nämlich die Fähigkeit, über eine gewisse Distanz hin zu wirken.
Viele Grüße
Peter Jaenecke
