Lieber Herr Jaenecke, 

Am 2013-06-04 12:27, schrieb Peter Jaenecke: 

> BEZUG: 
> GESENDET: Samstag, 01. Juni 2013 um 18:17 Uhr
> VON: "Walther Umstaetter" <[email protected]>
> AN: [email protected]
> BETREFF: Re: [WISS-ORG] Langfassung: Über die Darstellung ein er deduktiven 
> Wissenschaft als Deduktgeflecht 
> 
>> Eine Aussage ist ein Satz der falsch oder richtig sein kann, und eine 
>> Definition ist eine 
>> Aussage über einen Begriff, die ebenfalls falsch oder richtig sein kann. 
>> Insofern ist 
>> Aussage ein Oberbegriff von Definition und kein Synonym, da es noch etliche 
>> Aussagen 
>> außerhalb der Definitionen gibt. 
> 
> Lieber Herr Umstätter, 
> 
> wie gesagt, ich bin da anderer Meinung, und muss auch anderer Meinung sein, 
> sonst verstieße ich nämlich gegen meine Prinzipien: Eine Herleitung erfolgt 
> mit rein syntaktischen Mitteln; Inhaltliche Aspekte gehen nicht ein, so dass 
> spätestens hier alle Aussagen den gleichen Status haben. Sie irgendwie zu 
> klassifizieren, halte ich daher für überflüssig und somit fallen solche 
> Klassifikationen bei mir dem berühmten Rasiermesser zum Opfer. 
> 
>> Im Prinzip gilt das [die Nichtkreativität?] sogar für Axiome, die bei 
>> genauer Betrachtung 
>> insofern nicht unbeweisbare Ausgangspunkte einer Aussagenlogik sind [das 
>> verstehen ich 
>> nicht], sondern ihren Wahrheitsgehalt an ihren Konsequenzen sichtbar machen. 
>> Genau das sehen wir in der Mathematik, in der wir ja immer wieder erstaunt 
>> sind, 
>> dass sich aus ihrer Axiomatik heraus so viele naturwissenschaftlich 
>> beobachtete 
>> Phänomene herleiten lassen. 
> 
> Aus der Axiomatik der Mathematik heraus lassen sich keine 
> naturwissenschaftlich beobachtete Phänomene herleiten. 
> 
> **Genau das ist mein Problem, da ich Ihre Deduktion so verstehe, als würden 
> Sie genau das versuchen. "Inhaltliche Aspekte gehen nicht ein", **schreiben 
> Sie, und das ist der Unterschied zwischen theoretischer Physik und 
> Mathematik. Ich würde nie auf die Idee kommen zu **behaupten, dass K = M x B 
> aus der Mathematik folgt, aber es ist zweifellos eine Anwendung 
> mathematischer Logik auf physikalische **Begriffe, wie Kraft etc. Es is mir 
> völlig schleierhaft, wie Sie eine Korrespondenz zwischen der Realen Welt und 
> Ihrem Deduktgeflecht **herstellen. 
> 
> Letzteres ist möglich durch Gesetze wie K = M x B, und diese folgen nicht aus 
> der Mathematik. Auch mit dem, was Sie bezüglich der Kraftdefinition 
> schreiben, bin ich nicht einverstanden; aber das ist hier nicht wichtig. Nach 
> Ihrer Ansicht müssten ja auch noch andere Grundgleichungen der Physik 
> Definitionen sein. Doch was wird z.B. durch die Maxwell Gleichungen 
> definiert? 
> 
> Noch kurz ein paar Anmerkungen zur Rezension von Frau Treude: Ihr Verriss ist 
> sicherlich berechtigt, aber warum hütet sie sich nicht vor „falschen 
> Freunden" (concept = Konzept)? Eine wissenschaftliche Vorgehensweise habe ich 
> bei Friedman/Smiraglia nicht erkennen können; hier gibt es offenbar zu den 
> Naturwissenschaften ein starkes Gefälle. Außerdem vermute ich, dass ihnen die 
> Formale Begriffsanalyse unbekannt geblieben ist. Ferner bin ich ein bisschen 
> verwundert darüber, dass man sich in der Semiotik noch immer auf einzelne 
> Wörter bzw. Wortbedeutungen bezieht (Triade/Dyade bei Peirce/Saussure). Das 
> wusste doch schon Leibniz besser, dessen Characteristica universalis von 
> Zeichenkombinationen ausgeht. Peirce und Saussure können auch nicht als die 
> Begründer der Semiotik gelten, wie oft zu lesen ist; das trifft eher auf 
> Johann Heinrich Lambert zu, siehe: 
> 
> Lambert, Johann Heinrich (1764): Neues Organon oder Gedanken über die 
> Erforschung und Bezeichnung des Wahren und dessen Unterscheidung vom Irrtum 
> und Schein. Leipzig, 1764 (Nachdruck Akademie-Verlag Berlin, 1990). 
> 
> Der zweite Band des Organons beginnt mit einer „Semiotik oder Lehre von der 
> Bezeichnung der Gedanken und Dinge". 
> 
> Viele Grüße 
> Peter Jaenecke 
> MfG 
> 
> Walther Umstätter

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