ich hab jetzt grad keine zeit das zu lesen.
muss meine speibe saufen.


At 14:51 13.12.2007, you wrote:
At 00:19 12.12.07 +0100, Stefan Lutschinger wrote:
........................................
Getreu der Marxschen These, wonach alle Ökonomie in Zeit mündet, steht für Marx das zeitökonomische "Theorem der reellen Subsumtion" im Gegensatz zur Marktökonomie.
>

hi an eine noch an netznet interessierte oeffentlichkeit -

um die aktuellen gesellschaftlichen umstaende tatsaechlich analysieren und verstehen zu koennen, braucht es ein hinreichend kohaerentes theoriedesign. als sogenannter nicht-trivialer linker verrate ich gleichmal, dass bei aller wertschaetzung von Karl Marx, historisch gesehen, mit einer wie immer gearteten wiederbelebung der ´muskuloesen metaphysik des materialismus´ heute nichts mehr zu holen/zu verstehen ist. (vielleicht schafft es Lutschinger lesemaessig doch noch im naechstenn jahr wenigstens bis ins 20.jahrhundert zu kommen.)

es gibt allerdings einen angelpunkt bei Marx, der auch aus heutiger sicht bemerkenswert ist. was an der kritik der politischen oekonomie seiner zeit noch heute dem kritischen blick standhaelt, ist die ueberfuehrung eines wissens in einen sozialen kontext - und nicht wie davor ein wissen, dass sich naturbezogen gerechtfertigt hatte. noch deutlicher: die wirtschaftsordnung des kapitalismus folgt nach Marx nicht der ´natur wirtschaftlichen handelns mit quasi implementierter individueller und kollektiver rationalitaet´ - sie ist vielmehr eine soziale konstruktion. also etwas kollektiv zirkulaer formiertes, wobei einzelne individuen, auch mit sogenannter macht ausgestattet, bei aller moeglichkeit der kontingenzsteuerung de facto nichts im griff haben.

es geht also um die grundlegende einsicht, dass die kapitalistische wirtschaft nicht auf einer extrasozialen objektivitaet beruht, sondern auf sich selbst(!), und dass alle referenzen auf interessen, beduerfnisse, sachzwaenge oder rationalitaetsvorteile ´interne referenzen´ auf ´externe sachverhalte´ sind. in aller deutlichkeit: also abhaengig sind und bleiben von der logik der geldwirtschaft. und was uns ALLEN zum ueberleben zur option steht, ist einzig ein sehr weites spektrum von formen des wirtschaftens; einschliesslich krimineller methoden unterschiedlicher gradation.

mal abgesehen davon, dass sich evolutionaer formierte strukturen in einer weltgesellschaft(!) nicht so einfach abschaffen lassen - denn gerade im vorliegenden sozio-kulturellen segment, dem auch netznet zuzuordnen ist, laesst sich schwer sagen: schaffen wir endlich den scheiss-kapitalismus ab. denn ein unleugbares faktum ist, dass die logik der geldwirtschaft in hohem masse auch die technisierung der gesellschaften vorantreibt und die sogenannte EMANZIPATION lediglich ein nebeneffekt all dieser technologien bis hin zu privat-tools ist - und auch die bloeden, die nicht technik-kritisch engagierten menschen profitieren davon.

keineswegs sollen die leistungen jener geschmaelert werden, die sich mit der vorgabe emanzipation und partizipation (sind ja nur woerter) den gesellschaftlichen umstaenden stellen, gegen so manche sie ankaempfen und zugleich(!) davon profitieren.

EINE SOGENANNTE "FREIHEIT DER KUNST" UND KULTURPRODUKTION OHNE MITBESTIMMUNG DER KÜNSTLER/INNEN UND KULTURSCHAFFENDEN IST UNMÖGLICH!

Gute Nacht,
Stefan

mit szene-populistischen gutenacht-geschichte dieser art wird bloss ein ´weiter-bloed-stellen´ - oder noch schlimmer: bloed sein - fortgesetzt. nur abgeklaerte aufklaerer/innen koennen mit einem hinreichend kohaerenten theoriedesing den konstruktionen der macht (vereinfacht gesagt), ´ihre eigenen konstruktionen´ entgegensetzen. alles ohne garantie auf erfolg, versteht sich.

aufwachen! guten morgen -
cheers,
fer


At 00:19 12.12.07 +0100, Stefan Lutschinger wrote:
 Liebe NetzNetzler/innen,

zu später Stunde einige Aspekte aus politischer Sicht zum Thema "Mitbestimmung" (Partizipation), Demokratisierung sowie politischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Repräsentationsstrategien als Gedankenanstoss:

Am 11.12.2007 um 17:22 schrieb Peter Kuhm:

Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat, es kommt da quasi zu einer Urabstimmung:

-> <http://netznetz.net/wiki/Antrag_2007-12-16_Verwaltung_von_F>http://netznetz.net/wiki/Antrag_2007-12-16_Verwaltung_von_Fördergeldern

................................

Der politische Kampf um das Recht auf Mitbestimmung (Partizipation) ist eine der ältesten emanzipatorischen Forderungen progressiver linker Politik, zu einer breiten Demokratisierung politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Verhältnisse. Die Forderung nach Mitbestimmung (Partizipation) leitet sich in der Geschichte der sozialistischen bzw. sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiter/innenbewegung und den Gewerkschaften vorrangig von betrieblichen, aber auch aus gesellschaftlichen Einsichten ab. Betriebliche Mitbestimmung etwa reicht vom Arbeitsplatz bis zur langfristig geplanten Geschäftspolitik, reicht von der Lohnpolitik bis hin zur Dividendenpolitik und somit von der Mitarbeiter/innenvertretung bis zur Mitbestimmung im Aufsichtsrat.

Als zwei Beispiele im Kontext von Gesellschaftpolitik seien die studentische Mitbestimmung an Universitäten (in Österreich abgeschafft durch das UOG 2002) und die Geschworenengerichtsbarkeit, Kerngedanke einer demokratischen Justiz genannt: BM Dr. Maria Berger konstatierte etwa im Jahr 2006: "Die Geschworenengerichtsbarkeit ist vom Gedanken einer demokratischen Justiz eine zentrale Einrichtung. Bevor man sagt, wir wandeln das um, sollte man versuchen, Bedenken durch bessere Organisation auszuräumen."

Mitbestimmung bzw. Partizipation bezeichnen als politische Begriffe die Gewährung von Entscheidungsbefugnissen für diejenigen, die zwar von den Ergebnissen der Entscheidungen betroffen sind, aufgrund formaler Rechts- oder Besitzverhältnisse aber zunächst keinen Einfluss auf den Entscheidungsprozess haben. Die Idee zur Forderung nach Mitbestimmung (Partizipation) fusst aus linker Sicht auf der Einsicht der Aufhebung der Trennung von körperlicher und geistiger Arbeit, von Kopf und Hand, Denken und Handeln, Konzept und Realisation, Planung und Umsetzung, Entscheidung und Ausführung - in Fall von Vergaben von Kulturfördergeldern das Gegensatzpaar "Jury-Expert/innen vs. Communityentscheid".

Das grundlegende Werk hierzu von Alfred Sohn-Rethel "Geistige und körperliche Arbeit. Zur Epistemologie der abendländischen Geschichte. Revidierte und ergänzte Neuauflage, Weinheim 1989" steht in der Tradition der Frankfurther Schule (Adorno, Benjamin), in dem Sohn-Rethel seinem zeitlebens beharrlich verfolgtes Ziel, die Verbindung der Erkenntniskritik Immanuel Kants mit der „Kritik der Politischen Ökonomie“ von Karl Marx zu einer materialistischen Erkenntnistheorie und -kritik, nachgeht. Getreu der Marxschen These, wonach alle Ökonomie in Zeit mündet, steht für Marx das zeitökonomische "Theorem der reellen Subsumtion" im Gegensatz zur Marktökonomie.

Subsumtion im engeren Sinne bedeutet nach Karl Marx "... die Scheidung der geistigen Potenzen des Produktionsprozesses [etwa top-down Juryentscheide durch sogenannte "Expert/innen" und zumeist mandatlose selbsternannte "Vertreter/innen selbstreferentieller hegemonialer Diskurse der Kunst- und Kulturindustrie"] von der Handarbeit [dem kreativen Arbeitsprozess der Künstler/innen und Kulturschaffenden ]." (*)

Darüber hinaus lieferte Sohn-Rethel wertvolle Einsichten in die wirtschaftspolitischen Zusammenhänge, insbesondere beim ökonomischen und politischen Aufstieg des "Deutschen Faschismus" (Nationalsozialismus).

Aus diesen Analysen folgt daher:

EINE SOGENANNTE "FREIHEIT DER KUNST" UND KULTURPRODUKTION OHNE MITBESTIMMUNG DER KÜNSTLER/INNEN UND KULTURSCHAFFENDEN IST UNMÖGLICH!

Gute Nacht,
Stefan


[*] "Die Scheidung der geistigen Potenzen des Produktionsprozesses von der Handarbeit und die Verwandlung derselben in Mächte des Kapitals über die Arbeit vollendet sich, wie bereits früher angedeutet, in der auf Grundlage der Maschinerie aufgebauten großen Industrie. Das Detailgeschick des individuellen, entleerten Maschinenarbeiters verschwindet als ein winzig Nebending vor der Wissenschaft, den ungeheuren Naturkräften und der gesellschaftlichen Massenarbeit, die im Maschinensystem verkörpert sind und mit ihm die Macht des Kapitalisten bilden.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 446.

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