Am 26.11.2011 18:59, schrieb Frederik Ramm:
Hallo,

On 11/26/2011 06:33 PM, Rainer Knaepper wrote:
Dass ein Foto, das (unter anderem) einen Bildschirm mit einer
OSM-Karte darauf zeigt, unter CC-BY-SA fiele, ist mir neu.

Das ist aber tatsächlich der Fall. Auf wikimedia commons sind
beispielsweise die Verwendung von Screenshots

Reden wir von Screenshots oder von Fotos?
Ja ;-)

die geschützte Symbole
enthalten, nicht erlaubt, da jegliche kommerzielle Nachnutzung möglich
sein muß.

Was bei Wikipedia erlaubt ist und was nicht, sollten wir hier nicht als Masstab heranziehen.
Das ist keine Wikipedia-Bedingung, sondern eine Folge des Urheberrechts. Weil die Möglichkeit kommerzieller Nachnutzung in der WP Policy ist, ist deshalb cc-by-sa dort erlaubt, cc-by-nc beispielsweise aber eben nicht. Der Maßstab ist also nicht die WP, sondern geltendes Recht bzw. diese Lizenz, unter der auch OSM (noch) steht.


Das führt zu so lustigen Seiteneffekten, daß man zwar ein
iPhone als Sachfotografie unter eine freie Lizenz stellen darf, nicht aber ein eingeschaltetes iPhone, daß patentierte Bestandteile der
Benutzeroberfläche zeigt. Klingt bekloppt, ist aber so.

Das wundert mich jetzt auch, denn ein Patent hat ja mit Copyright nichts zu tun; ich darf ja sogar die Patentschrift kopieren und veroeffentlichen. Das Patent greift doch nur, wenn ich die patentierten Elemente bestimmungsgemaess einsetze - wenn ich also die patentierten Elemente in mein eigenes User Interface einbaue.
Patentiert bedeutet bei sowas idR gleichzeitig urheberrechtlich geschützt. Betrachte es im Falle von Screenshots, Symbolen, Marken-Logos einfach als synonym.


Nur weil Wikimedia keine Screenshots von kommerzieller Software akzeptiert, folgt daraus nicht, dass jemand, der ueber OSM berichtet, nicht ein Foto von einem mobilen Geraet mit einer OSM-Karte darauf veroeffentlichen darf, ohne es unter CC-BY-SA zu stellen.

Inhalte, die einmal unter cc-by-sa gestellt wurden, müssen darunter bleiben, sie dürfen nicht einer restriktiveren Lizenz unterstellt werden. Copyright:dpa ist eine restriktivere Lizenz und mithin Copyfraud.

Ich bin nach wie vor ueberzeugt, dass es voellig unproblematisch ist, genau das zu tun: Mobiles Geraet einschalten, OSM-darstellendenApplikation starten, Foto vom Ganzen machen, als Illustration eines Artikels verwenden.
Kein Problem. Habe ich auch nie bestritten. Quelle und Lizenzbapperl dran: Fertig.

In Schwierigkeiten kommt man dann, wenn man das nicht mehr journalistisch als Illustration einsetzt, sondern weil man eben gerade eine Karte von der Gegend in seinen Artikel einbauen wollte. Dann kann man sich als Journalist nicht mehr darauf berufen, dass man ja nur ueber OSM berichtet hat.
Nein, das ist überhaupt kein Problem. cc-by-sa erlaubt genau das. Die ist genau dafür da: Uneingeschränkte Nachnutzung, Quelle und Lizenzbapperl dran, fertig.

Ein aktuelles, wenn auch etwas anders gelagertes
Beispiel ist die kürzlich erfolgte Löschung von Briefmarkenabbildungen
mit Motiven von Loriot.

Wie gesagt, lass uns hier nicht ueber Wikimedia-Policies reden.
Nix WP-Policy, das war das Berliner Landgericht.

Da hat es halt eine einstweilige Verfügung
gegeben. Und womit? Mit recht. Leider. Trotzdem darf die Tagespresse
solche Marken ohne Bauchschmerzen im Rahmen journalistischer
Berichterstattung abbilden.

Aber ist genau das nicht, worueber wir hier reden - dass im Rahmen journalistischer Berichterstattung etwas abgebildet wurde?

Das Problem ist, daß ich mich offensichtlich weit oben unverständlich ausgedrückt habe. Möglicherweise. Es geht nicht darum, ob Journalisten etwas berichten dürfen oder nicht dürfen (cc-by-sa erlaubt eh fast alles), sondern, daß sie Quelle und Lizenz korrekt dranschreiben müssen. Und nein, bevor das nochmal falsch aufgetischt wird: cc-by-sa verlangt genau nicht, daß das gesamte Werk, in dem ein Bild verwendet wird, ebenfalls unter cc-by-sa stehen müsse. Kann man im ausführlichen Lizenztext nachlesen, in der deed ist das leider sehr unpräzise formuliert und führt (zusammen mit anderen Verkürzungen) zu häufigen Mißverständnissen.

Daß OSM in dieses cc-by-sa-Geraffel nicht so richtig reinpaßt, ist klar, deshalb ja wohl auch der Versuch mit der Odbl, die m.E. aber leider an manchen Stellen den Teufel mit dem Beezlebub austreibt. CC0 wäre die ehrlichere Lösung gewesen, auch wenn dadurch der Copyleft-Gedanke flötengegangen wäre.

Rainer





_______________________________________________
Talk-de mailing list
[email protected]
http://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de

Antwort per Email an