Lieber Herr Ohly, erlauben Sie einen nebensächlichen Hinweis zur etymologischen Herkunft von Wissen. Ich weiß = griechisch oida [vevoida] ist eine Aorist, d.h. Vergangenheitsform Ich habe gesehen = ich weiß. Auch noch im Deutschen ist ich weiß ursprünglich eine Vergangenheitsform im Sinne habe gesehen, da das e am Ende fehlt (also nicht wie laufe, rechne, sondern wie lief, ging etc.) Also etymologisch nicht vorhersehen, sondern gesehen haben. Zum Wissen aber gehört natürlich klassisch die Vorhersehbarkeit. Herzlich Ihr Harm Paschen
----- Ursprüngliche Nachricht ----- Von: Peter Ohly <[email protected]> Datum: Sonntag, 26. Mai 2013, 23:25 Betreff: [WISS-ORG] Aw: Re: [WISS-ORG] Re: [WISS-ORG] Systematisierung An: [email protected] ----------------------------------------------------------- | > Lieber Herr Umstaetter, > > mit Interesse habe ich Ihr Statement > "Im > Gegensatz zu zahlreichen Äußerungen in der Diskussion um das Semantic Web, > hat dies mit Wissen noch wenig zu tun. Wissen wird erst dadurch erzeugt, dass > wir Ereignisse vorhersehen (Wissen - videre ) können. So wie die gesamte > Informationstheorie nur auf Wahrscheinlichkeit basiert, basier auch Wissen > nur auf Wahrscheinlichkeit, je nachdem wie gut die Begründugnen sind - bis > hin zu fast 100 prozentiger Sicherheit." > gelesen. > > Jedoch würde > mich Ihre nähere Erläuterung dazu interessieren. Gehen Sie davon aus, dass > grundsätzlich Information im Web kein Wissen ist, etwa da ursprünglich > isoliert dort abgelegt? Oder meine Sie, dass die Verküpfungen über das > "Semantic" Web weit von einer Einbettung in ein wissenschasftliches > Aussagengebäude entfernt sind? Oder meinen Sie nur, dass aufgrund der > heterogenen Informationslieferanten ein semantisches Web schnell in > Widersprüchen (und damit unsicherem Wissen) endet? Wenn dies alles (z.B. in > einem engeren Anwendungsfeld) nicht so dramatisch sein sollte, sehe ich > nicht, warum aus den Informationskette im Semantic Web nicht Aussagen (mit > Wahrscheinlichkeitsangaben) herleitbar sein sollten, die einmal durch die > einzelnen Informationsbestandteile aus dem Web gesichert wären und die im > Weiteren in der Realität dann auch bestätigbar wären. > > Mit freundlichen Gruessen, > With kind regards, > Sincères salutations, > Con saludos cordiales, > > H. Peter OHLY > ------------------------------------- > http://www.isko.org/people.html > Fax: 03212 - 1402705 > Gesendet: Sonntag, 26. Mai 2013 um 12:39 Uhr > Von: "Walther Umstaetter" <[email protected]> > An: [email protected] > Betreff: Re: [WISS-ORG] Aw: Re: [WISS-ORG] Systematisierung > Da ich soeben sah, dass mein Zugang zu Wiss-Org nun wirklich funktioniert, > hier noch eine zweite Bemerkung meinerseits. > Liebe Kolleginnen und Kollegen, > aus meiner Sicht ist es äußerst bemerkenswert, dass es schon in der deutschen > Sprache sehr schwierig zu sein scheint, noch miteinander diskutieren zu > können. Das gilt nicht nur für Frau Dahlberg und Herrn Jaenecke, sondern auch > für mich selbst, wobei ich nicht zu sagen vermag, ob es an der fehlerhaften > Terminologie bzw. Logik auf Senderseite, Empfängerseite (also mir) oder in > der Nachrichtenübertragung liegt. > Am wahrscheinlichsten dürfte es aber an der Semiotik liegen. Denn sie ist es > ja, die die Verbindung zwischen Zeichen und ihren Gegenständen (nicht nur > Dingen) beschreibt, also die Begrifflichkeit in und um uns, die wir in > unserer Sprache syntaktisch benennen. > „Semantik ist neben Syntaktik und Pragmatik Teil des Oberbegriffs Semiotik, > wobei Semantik ohne Syntaktik und Pragmatik weitgehend sinnlos ist. C.W. > Morris (Foundation of the theory of signs. Chicago. 1938), dem wir die > Unterscheidung von Semantik, Syntaktik und Pragmatik verdanken, verstand > unter Semantik „the relations of signs to the objects to which the signs are > applicable“, unter Pragmatik „the relation of signs to interpreters“, während > die Syntaktik beispielsweise in unserer Sprache die Regeln festlegt, durch > die unsere Worte miteinander verknüpft sind. Die Parallele zur > Informationstheorie, mit Sender (semantische Festlegung), Übertragungskanal > (Syntax der Sprache) und Empfänger (pragmatische Entschlüsselung) ist > natürlich nicht zufällig, sondern zeigt, dass die Semiotik auf der > Informationstheorie aufsetzt.“ (Umstätter, W.: Zwischen Informationsflut und > Wissenswachstum. S. 167 Simon Verl. F. Bibliothekswissen; 2009) > Auf der selben Seite findet sich auch: „Zum Verständnis der Aussage: > „information must not be confused with meaning“ (Shannon und Weaver) ist die > klare hierarchische Unterscheidung zwischen: Information, Semiotik, Wissen, > Bewusstsein notwendig. Sie alle bauen damit auf der Informationstheorie auf, > dürfen aber nicht einfach gleichgesetzt werden, wie man es sogar in der > Fachliteratur unzählige Male findet.“ > Im Gegensatz zu zahlreichen laienhaften Äußerungen hat also Information noch > nichts mit der Bedeutung von Worten zu tun. Sie wird durch die Semiotik > festgelegt. Das geschieht sowohl bei Klassifiaktionen, bei Thesauri und auch > bei der neurologischen Vernetzung (Assoziation), je nach RBeziehung, im > Gehirn. > Darum bin ich der Meinung, dass wir uns bezüglich der begrifflichen Ebene > zwischen der Informationstheorie und der Wissensorganisation befinden. In > Klassifikationen ebenso wie in semiotischen Thesauri, lassen sich zunächst > beliebig viele Konstrukte hypothetischer Art erzeugen, die in ihren > Hierarchien begriffliche Verwandtschaften manifestieren, von denen aber > erfahrungsgemäß nur sehr wenige als tragfähige Theorie taugen. Sobald sich > zeigt, dass ein Konstrukt bewiesen (im Sinne von Beweis = Darlegung der > Richtigkeit einer Vorstellung - Wortverwandtschaft zu Wissen, weisen, > vorhersehen), also in Bezug zu unserer realen Welt, gut begründet werden > kann, sprechen wir erst von Wissen. > Im Gegensatz zu zahlreichen Äußerungen in der Diskussion um das Semantic Web, > hat dies mit Wissen noch wenig zu tun. Wissen wird erst dadurch erzeugt, dass > wir Ereignisse vorhersehen (Wissen - videre ) können. So wie die gesamte > Informationstheorie nur auf Wahrscheinlichkeit basiert, basier auch Wissen > nur auf Wahrscheinlichkeit, je nachdem wie gut die Begründugnen sind - bis > hin zu fast 100 prozentiger Sicherheit. > MfG > Walther Umstätter > > Am 2013-05-22 22:24, schrieb [email protected]: > IC"-//W3C//DTD HTML 4.0 Transitional//EN" > "http://www.w3.org/TR/REC-html40/loose.dtd"> Lieber Herr Jaenecke, > es ist erstaunlich, dass Sie etwas für einen verfehlten Ansatz halten, was > Sie garnicht kennen. Immerhin kenne ich inzwischen Ihren Ansatz bzgl. der > Deduktionen und sehe darin keine Möglichkeit, damit Wissensorganisation zu > betreiben. Bedenken Sie, dass wir bei der Gründung der ISKO nur eine andere > Benennung für Klassifikation suchten, weil wir uns von der Gesellschaft für > Klassifikation abgrenzen wollten. Diese aber hat daraufhin die WO noch zu > ihrem Namen hinzugenommen. Vielleicht haben Sie dort mehr Glück mit Ihrer > Auffassung von WO? > Mit besten Grüßen, Ingetraut dahlberg > > "Peter Jaenecke" <[email protected]> schrieb: Liebe Frau Dahlberg, > > > bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich nicht mit einer Sache > befassen möchte, die ich bereits im Ansatz für verfehlt halte und die > überdies nichts mit dem Thema hier zu tun hat. > > Viele Grüße > Peter > Jaenecke > > |-----------------------------------------------------------
<<attachment: harm.paschen.vcf>>
