Lieber Herr Jaenecke,
von "verdammen" kann doch keine Rede sein. Ich mußte nur feststellen, dass Sie 
meinen "Ansatz" nicht verstehen und habe Sie deshalb auf meinen Beitrag in 
Konstanz hingewiesen, aus dem doch eigentlich klar werden sollte, wie es zur 
Begriffsbildung kommt und wie daraus Begriffssystematisierung entsteht. So 
bitte ich Sie nochmals, diesen Beitrag zu lesen, bevor Sie mir nochmals 
schreiben. Immerhin hat der Mathematiker Wille, Darmstadt, mit meiner 
Begriffsanalyse etwas anfangen können und seine Schule der angewandten und 
inzwischen auch schon sehr lange computerisierten Formalen Begriffsanalyse 
darauf aufgebaut. Lesen Sie sein Buch: Wille, R., Zickwolff, M.: Begriffliche 
Wissensverarbeitung. Grundfragen unf Aufgaben. BI Wissenschaftsverlag 1994   
Mit besten Grüßen, Ingetraut Dahlberg
"Peter Jaenecke" <[email protected]> schrieb: 
Bezug:
Gesendet: Freitag, 10. Mai 2013 um 15:58 Uhr
Von: [email protected]
An: [email protected]
Betreff: Re: [WISS-ORG] Systematisierung

Liebe Frau Dahlberg,

in einem früheren Beitrag haben Sie vehement eine Theorie der 
Wissensorganisation befürwortet, deswegen verstehe ich nicht, warum Sie meine 
zaghaften ersten Theoriebildungsschritte verdammen, die in der Sichtung des 
Materials und dessen tabellarische Erfassung unter systematischen 
verallgemeinernden Gesichtspunkten bestehen. Objekte kann man sowohl (1) nach 
Begriffen als auch (2) nach Prinzipien systematisch ordnen. Beide Fälle kommen 
in meiner Tabelle vor.

(1) Die Systematisierungsbeispiele wurden anhand von Begriffen geordnet; sie 
stehen in der ersten Zeile meiner Tabelle. Im Gegensatz zu Ihnen bestreite ich 
jedoch, dass man über Begriffsdefinitionen zu Begriffsinhalten kommen könne. 
Ich halte dafür, dass Begriffe nur auf kognitivem Weg zu gewinnen sind, und 
zwar über einen Abstraktionsvorgang aus Beispielen. Solch einen Vorgang hatte 
ich durch meine Beispiele in den einzelnen Spalten auszulösen gehofft. Man 
hätte dann z.B. bemerkt, dass ich unter einem Objekt und einer Systematisierung 
etwas sehr Allgemeines verstehe. Der “Reiz“ der Tabelle besteht eben darin, 
dass sich durch die Gegenüberstellung gewisse Ähnlichkeiten zwischen ganz 
unterschiedlichen Vorhaben offenbaren, z.B. dass sie alle nach dem gleichen 
Schema ablaufen. Aus solchen Ähnlichkeiten ergeben sich dann weitere 
Schlussfolgerungen. Dass eine Systematisierung nur über Begriffe gehen sollte 
und was Sie sonst dazu noch schreiben, entspringt, soviel ich verstanden habe, 
einer sehr einseitigen Vorstellung von Systematisierung.

Begriffsdefinitionen messe ich keine große Bedeutung bei. Ihr Wert ist 
begrenzt, denn sie sind in zweierlei Hinsicht willkürlich: Zum einen sind sie 
immer subjektiv, denn letztlich drücken sie nur den Kenntnisstand desjenigen 
aus, welcher die Definition aufstellt; zum anderen können sie nur durch Willkür 
dem sogenannten Münchhausen Trilemma entkommen.

(2) Das ist auch der Grund, warum man in den Wissenschaften solche Definitionen 
so gut es geht zu vermeiden sucht. Bei einer Systematisierung gelingt dies, 
indem man nicht nach Begriffen, sondern nach einem Prinzip ordnet wie etwa in 
Beispiel 4. Nach Ihrer Auffassung stellt das Periodensystem keine Systematik 
dar. Das können Sie natürlich so sehen, als Naturwissenschaftler vermag ich 
aber damit nichts anzufangen.

Viele Grüße
Peter Jaenecke
 

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