Am 2013-05-26 23:14, schrieb Peter Ohly: 

> Lieber Herr Umstaetter, 
> 
> mit Interesse habe ich Ihr Statement 
> "Im Gegensatz zu zahlreichen Äußerungen in der Diskussion um das Semantic 
> Web, hat dies mit Wissen noch wenig zu tun. Wissen wird erst dadurch erzeugt, 
> dass wir Ereignisse vorhersehen (Wissen - videre ) können. So wie die gesamte 
> Informationstheorie nur auf Wahrscheinlichkeit basiert, basier auch Wissen 
> nur auf Wahrscheinlichkeit, je nachdem wie gut die Begründugnen sind - bis 
> hin zu fast 100 prozentiger Sicherheit." 
> gelesen. 
> 
> Jedoch würde mich Ihre nähere Erläuterung dazu interessieren. Gehen Sie davon 
> aus, dass grundsätzlich Information im Web kein Wissen ist, etwa da 
> ursprünglich isoliert dort abgelegt? Oder meine Sie, dass die Verküpfungen 
> über das "Semantic" Web weit von einer Einbettung in ein wissenschasftliches 
> Aussagengebäude entfernt sind? Oder meinen Sie nur, dass aufgrund der 
> heterogenen Informationslieferanten ein semantisches Web schnell in 
> Widersprüchen (und damit unsicherem Wissen) endet? Wenn dies alles (z.B. in 
> einem engeren Anwendungsfeld) nicht so dramatisch sein sollte, sehe ich 
> nicht, warum aus den Informationskette im Semantic Web nicht Aussagen (mit 
> Wahrscheinlichkeitsangaben) herleitbar sein sollten, die einmal durch die 
> einzelnen Informationsbestandteile aus dem Web gesichert wären und die im 
> Weiteren in der Realität dann auch bestätigbar wären.
> Lieber Herr Ohly, 
> 
> ohne Zweifel enthält das Netz auch sehr viel Wissen. Mir geht es nur um die 
> Unterscheidung der Problemebenen 
> 1. Informationsebene (mit der Verarbeitung von Information in Computern) 
> 2. Semiotische Ebene 
> 3. Wissensebene 
> 4. Bewusstseinsebene (Wo der Mensch in seiner Phylogenese erst sehr spät, die 
> Fähigkeit erwarb, über sein unter- und unbewusstes Wissen nachzudenken und es 
> gegebenenfalls zu korrigieren.)
> 
> Zur semiotischen Ebene gibt es im Internet zwei Problemgruppen. Die eine 
> Gruppe spricht schon euphemistisch von Wissen, obwohl sie noch nichts anderes 
> tut, als die Bedeutung von Worten maschinell zu ergründen. Dass das schon 
> allein zur Terrorbekämpfung sehr wichtig und auch nicht trivial ist, ist 
> klar. Außerdem können wir schon bei Google beobachten, dass man dort immer 
> wieder Worte eingibt, und das System auch egrifflich ähnliche Worte (z.B. 
> Übersetzungen) mit sucht. Die andere Gruppe macht ohnehin keinen Unterschied 
> zwischen Information, Semantik oder Wissen und benutzt die Worte beliebig. 
> 
> Ohne Zweifel können Computer auch aus der Semiotik heraus z.B. Begriffe 
> logisch begründen, daraus folgern nach Wissensorganisationen suchen etc. Das 
> ist aber noch eine andere Qualtät, als nur Synonyme in ihrer Syntax aus dem 
> Netz zu fiischen. 
> 
> Ich persönlich bin sogar davon überzeugt, dass es auch noch möglich sein 
> wird, dass Computer die Bewusstseinsebene erlangen, in dem z.B. ein Programm 
> die Programme die Wissen besitzen, analysiert, ihre Logik überprüft, nach 
> neuen Lösungsmöglichkeiten sucht etc. 
> So dass man seinen Comuter morgens fragt, ob er nun endlich eine Lösung für 
> einen bestimmmten, bis lang unbekannten, mathematischen Beweis hat, und er 
> antwortet, noch nicht, aber ich bin wahrscheinlich einen Schritt weiter ;-) 
> Das ist aber wieder eine andere Problemstufe. 
> 
> MfG 
> 
> Walther Umstätter
> 
> GESENDET: Sonntag, 26. Mai 2013 um 12:39 Uhr
> VON: "Walther Umstaetter" <[email protected]>
> AN: [email protected]
> BETREFF: Re: [WISS-ORG] Aw: Re: [WISS-ORG] Systematisierung 
> 
> Da ich soeben sah, dass mein Zugang zu Wiss-Org nun wirklich funktioniert, 
> hier noch eine zweite Bemerkung meinerseits. 
> 
> Liebe Kolleginnen und Kollegen, 
> 
> aus meiner Sicht ist es äußerst bemerkenswert, dass es schon in der deutschen 
> Sprache sehr schwierig zu sein scheint, noch miteinander diskutieren zu 
> können. Das gilt nicht nur für Frau Dahlberg und Herrn Jaenecke, sondern auch 
> für mich selbst, wobei ich nicht zu sagen vermag, ob es an der fehlerhaften 
> Terminologie bzw. Logik auf Senderseite, Empfängerseite (also mir) oder in 
> der Nachrichtenübertragung liegt. 
> 
> Am wahrscheinlichsten dürfte es aber an der Semiotik liegen. Denn sie ist es 
> ja, die die Verbindung zwischen Zeichen und ihren Gegenständen (nicht nur 
> Dingen) beschreibt, also die Begrifflichkeit in und um uns, die wir in 
> unserer Sprache syntaktisch benennen. 
> 
> „Semantik ist neben Syntaktik und Pragmatik Teil des Oberbegriffs Semiotik, 
> wobei Semantik ohne Syntaktik und Pragmatik weitgehend sinnlos ist. C.W. 
> Morris (Foundation of the theory of signs. Chicago. 1938), dem wir die 
> Unterscheidung von Semantik, Syntaktik und Pragmatik verdanken, verstand 
> unter Semantik „_the relations of signs to the objects to which the signs are 
> applicable_", unter Pragmatik „_the relation of signs to interpreters_", 
> während die Syntaktik beispielsweise in unserer Sprache die Regeln festlegt, 
> durch die unsere Worte miteinander verknüpft sind. Die Parallele zur 
> Informationstheorie, mit Sender (semantische Festlegung), Übertragungskanal 
> (Syntax der Sprache) und Empfänger (pragmatische Entschlüsselung) ist 
> natürlich nicht zufällig, sondern zeigt, dass die Semiotik auf der 
> Informationstheorie aufsetzt." (Umstätter, W.: Zwischen Informationsflut und 
> Wissenswachstum. S. 167 Simon Verl. F. Bibliothekswissen; 2009) 
> 
> Auf der selben Seite findet sich auch: „Zum Verständnis der Aussage: 
> „_information must not be confused with meaning_" (Shannon und Weaver) ist 
> die klare hierarchische Unterscheidung zwischen: Information, Semiotik, 
> Wissen, Bewusstsein notwendig. Sie alle bauen damit auf der 
> Informationstheorie auf, dürfen aber nicht einfach gleichgesetzt werden, wie 
> man es sogar in der Fachliteratur unzählige Male findet." 
> 
> Im Gegensatz zu zahlreichen laienhaften Äußerungen hat also Information noch 
> nichts mit der Bedeutung von Worten zu tun. Sie wird durch die Semiotik 
> festgelegt. Das geschieht sowohl bei Klassifiaktionen, bei Thesauri und auch 
> bei der neurologischen Vernetzung (Assoziation), je nach RBeziehung, im 
> Gehirn. 
> 
> Darum bin ich der Meinung, dass wir uns bezüglich der begrifflichen Ebene 
> zwischen der Informationstheorie und der Wissensorganisation befinden. In 
> Klassifikationen ebenso wie in semiotischen Thesauri, lassen sich zunächst 
> beliebig viele Konstrukte hypothetischer Art erzeugen, die in ihren 
> Hierarchien begriffliche Verwandtschaften manifestieren, von denen aber 
> erfahrungsgemäß nur sehr wenige als tragfähige Theorie taugen. Sobald sich 
> zeigt, dass ein Konstrukt bewiesen (im Sinne von Beweis = Darlegung der 
> Richtigkeit einer Vorstellung - Wortverwandtschaft zu Wissen, weisen, 
> vorhersehen), also in Bezug zu unserer realen Welt, gut begründet werden 
> kann, sprechen wir erst von Wissen. 
> 
> Im Gegensatz zu zahlreichen Äußerungen in der Diskussion um das Semantic Web, 
> hat dies mit Wissen noch wenig zu tun. Wissen wird erst dadurch erzeugt, dass 
> wir Ereignisse vorhersehen (Wissen - videre ) können. So wie die gesamte 
> Informationstheorie nur auf Wahrscheinlichkeit basiert, basier auch Wissen 
> nur auf Wahrscheinlichkeit, je nachdem wie gut die Begründugnen sind - bis 
> hin zu fast 100 prozentiger Sicherheit. 
> 
> MfG 
> 
> Walther Umstätter 
> 
> Am 2013-05-22 22:24, schrieb [email protected]: 
> 
> IC"-//W3C//DTD HTML 4.0 Transitional//EN" 
> "http://www.w3.org/TR/REC-html40/loose.dtd [1]"> Lieber Herr Jaenecke,
> es ist erstaunlich, dass Sie etwas für einen verfehlten Ansatz halten, was 
> Sie garnicht kennen. Immerhin kenne ich inzwischen Ihren Ansatz bzgl. der 
> Deduktionen und sehe darin keine Möglichkeit, damit Wissensorganisation zu 
> betreiben. Bedenken Sie, dass wir bei der Gründung der ISKO nur eine andere 
> Benennung für Klassifikation suchten, weil wir uns von der Gesellschaft für 
> Klassifikation abgrenzen wollten. Diese aber hat daraufhin die WO noch zu 
> ihrem Namen hinzugenommen. Vielleicht haben Sie dort mehr Glück mit Ihrer 
> Auffassung von WO?
> Mit besten Grüßen, Ingetraut dahlberg 
> 
> "Peter Jaenecke" <[email protected]> schrieb: 
> 
> Liebe Frau Dahlberg, 
> 
> bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich nicht mit einer Sache 
> befassen möchte, die ich bereits im Ansatz für verfehlt halte und die 
> überdies nichts mit dem Thema hier zu tun hat. 
> 
> Viele Grüße 
> Peter Jaenecke



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[1] http://www.w3.org/TR/REC-html40/loose.dtd

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