At 10:20 31.01.08 +0100, wechselstrom - christoph theiler wrote:
FER schrieb:
medienkunst ist die kunstform, die zu ihrer ausbreitung KEIN medium
benötigt.
hhmmmm - werter Christoph, hi - wie sollte letzteres gehen?
alles, was ist, stellt sich uns als medium/form- relation dar. ein
ausserhalb davon gibt es nicht.
hi fer,
die geburtsstunde der medienkunst liegt weniger in der erfindung der
fotografie sondern mehr bei malevitsch schwarzem quadrat oder duchamps urinal.
ok Christoph, hi - schon weil Paul Boehm an dem thema soooo interessiert
ist - muessen wir nochwas dazu drauflegen.
wissenschaftlich-konstruktivistischen modellen zugeneigt, kann in
uebereinstimmung mit dem kanon gesagt werden, dass es seit ende der
50er-jahre einen kontinuierlichen diskurs unter dem begriff medienkunst
gibt. eine bestimmte kuenstlerische praxis erhaelt einen begriff - und erst
dann ist sie DA - die medienkunst.
und selbstverstaendlich - da wollen wir dem Lutschinger ungeachtet seiner
charakterdefizite zustimmen - gibt es apparativ-verwandtschaftliches bis
meinetwegen in die antike. die eigentliche schluesselvorrichtung auch im
hinblick zu kunst ganz allgemein ist aber die camera obscura. und mit ihr
der eigentliche beginn von kunst in unserem heutigen verstaendnis. seit der
renaissance gibts kontinuierlich einen so genannten kunst-diskurs (praxis &
theorie untrennbar verbunden).
und mithin - solange das kunstsystem laeuft, gibts kunst. und das gilt auch
fuer kunst mit av-medien. infragestellen ist wie in der kunst auch laengst
kanonisiert bloss auftakt fuer neuerlichen diskurs-schub. und bekanntlich
koennen bei komplexitaetsreduktion und neuerlichem komplexitaets-schub
daraus wieder emergenzen hervorgehen.
dass du - Christoph - Malewitsch und Duchamp ansprichst, ist im
zusammenhang mit ´medium´ sehr interessant. muss jetzt aber weg - dazu das
naechstemal (P.B. freut sich schon).
S.J.Schmitt hat jedenfalls vorgeschlagen, unter einer konstruktivistischen
sichtweise, medium als systemischen kompaktbegriff zu verstehen.
das aendert nichts an der tatsache, dass bei der wahrnehmung (sehen, hoeren
usw.) primaermedien im spiel sind - wobei medium/form-relationen zirkulaer
evoluieren.
jetzt ist P.B. schon erschoepft.
mehr demnaechst -
cheers,
fer
p.s.: auf ablenkungen falle ich aber nicht herein - das generalthema
bleibt, solange RA Michael Pilz die kohle nicht wieder auf mein konto
ueberwiesen hat, versteht sich. die scharfschuetzen sind positioniert.
ich habe beide kunstwerke gesehen, und ich kann dir versichern, sie sind
völlig unspektakulär - dazu kommt, dass das urinal gar nicht mehr im
original existiert, sondern nur noch remakes (10 stück wurden auf vorrat
angefertigt incl. der (gefälschten?) signatur des künstlers: r. murr, was
wiederum duchamps pseudonym war).
und was das schwarze quadrat betrifft: so etwas kann jeder anfänger malen.
das medium farbe kann es also nicht sein, was malevichs bild spektakulär
macht.
in welchem medium hat sich dann das bild schwarzes quadrat ausgebreitet? -
ja, in den zeitschriften, diskussionszirkeln, netznetz-listen, fernsehen,
radio auch - aber: benötigt das medienkunstwerk "schwarzes quadrat" ein
medium? ich glaube nicht.
fest steht zumindest: geniessen kannst du es am besten, wenn du nur daran
denkst, also, wenn du es NICHT siehst.
viel vergnügen bei den dj-vj-bastlern in berlin
christoph
- wechselstrom -
uebrigen, gegen den beitrag von Stefan Heidenreich hab ich nichts
einzuwenden. und spaetestens seit dem internethype 1994 habe ich auch
publizistisch die meinung vertreten, dass der begriff ´medienkunst´ als
vormals kampfbegriff in abgrenzung zu so genannten posthistorischen
positionen in der kunst nichts mehr hergibt.
und wenn wir uns das ganze als bewegung ansehen, dann war kein ismus in der
modernen kunst zuvor so schnell erfolgreich wie - die medienkunst.
medienkunst ist laengst in eine heute umfassende digitale kultur diffundiert.
so wie aber heute museen immer attraktiver werden, wird es noch lange
spass bei den medienkunstfestivals geben.
mein tipp: club transmediale unpredictable
das tagesprogramm!? - naja: die wiederkehr der wiederkehr - aber fuer eine
neue generation ein schauplatz fuer notwendig inszenierte
strukturaufrechterhaltung im dienste des ´selbst´. also dann mal ran.
cheers,
fer
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