Hallo Bernhard,

Bernhard Dippold schrieb:

*noch immer (oder wieder) enthält die o.g. Seite die unsachliche
Aussage das der Umstieg auf OOo 90% billiger sei als auf MS Office
2007.

Bitte nenne mir die Unstimmigkeiten dieser Studie, damit ich sie an John
McCreesh und das internationale Marketing-Team weiterleiten kann.

So wie ich es sehe, gibt es keine solche Studie, zumindest nichts, was man unter diesem Begriff erwarten würde.

Die 90%-Aussage stammt aus einem Presseartikel aus der "Computerworld Singapore", der inzwischen bald eineinhalb Jahre alt ist. Der Faktor 10 im Unterschied der Migrationskosten wird da im Zusammenhang mit einer großen Behörde (Massachusetts) genannt. Der Artikel behauptet nicht, dass dieses spektakuläre Ergebnis typisch oder repräsentativ für andere Migrationsfälle sei.

Die 90% ergeben sich aus Berichten, die ein OpenSource-Dienstleister "untersucht" haben will und aus einer Einschätzung des "secretary of administration" von Massachusetts.

Daneben ist die Quelle nicht überzeugend und lässt außer sehr oberflächlichen Aussagen keine Fakten erkennen.

Die Formulierung dazu auf http://why.openoffice.org/ erwähnt Fallstudien, die die 90% ergeben haben. Man sagt also: Es kann Fälle geben, wo das so ist.

Die Formulierung dazu auf http://de.openoffice.org/marketing/whyOOo.html dagegen muss so verstanden werden, als sei es durch Studien bewiesen, dass die 90% generell oder zumindest im Allgemeinen zutreffen.

Es sollte nicht sein, wenn damals sowas ggf. aus Unaufmerksamkeit
geschah, das das nun wieder behauptet wird. Zumindest hier auf de.ooo
waren die Meinungen damals IMHO eindeutig

Jacqueline Rahemipour schrieb damals: "Ich schließe mich Jörgs Meinung an. Mir ist auch nicht wohl dabei, solche Analysen als die "Wahrheit" hinzustellen. Es ist einfach nicht richtig, pauschal zu behaupten, dass eine Migration um 90 % billiger ist. "

Florian Effenberger schrieb damals: "Jörg hat schon Recht"

Der komplette Thread ist hier (http://de.openoffice.org/servlets/BrowseList?list=marketing&by=thread&from=1435241) und der komische Presseartikel hier (http://computerworld.com.sg/ShowPage.aspx?pagetype=2&articleid=2742&pubid&issueid=66).

Meine bescheidene Meinung dazu ist, dass mehr darauf geachtet werden sollte, keine unhaltbaren Aussagen zu machen, falsche Eindrücke oder falsche Erwartungen zu erwecken. Das schadet dem Projekt nur.

Meine ganz persönliche Erfahrung dazu:

Ich bin im Herbst 2005 auf OOo gestoßen. Da war ich schon 15 Jahre lang bei MS Office. Die Informationen, die ich auf Webseiten und in Presseartikeln fand, weckten bei mir den Eindruck, OOo müsse praktisch genauso wie MSO zu bedienen und zu Programmieren sein (Basic-Makros) und der Einsatz ebenso produktiv sein. Nach 2 Wochen intensiver Auseinandersetzung mit OOo 2.0 war ich schwer enttäuscht und drauf und dran alles in die Ecke zu schmeißen. Zufällig las ich von der OOoCon in Koper und ich hatte Lust auf einen Ausflug an die Adria. Dort hörte ich unter anderem die Keynote von Tim Bray von Sun (http://www.tbray.org/ongoing/). Und plötzlich sah die Welt ganz anders aus: Das OOo-Projekt, die Hintergründe, OpenSource generell, ODF versus proprietäre Formate, Freiheit und nicht Freibier und und und. Seither bin ich ein Anhänger aus eher weltanschaulichen Gründen. Und ich bin gerne bereit hinzunehmen, dass OOo in manchen Bereichen nach meiner Meinung weiterhin große Defizite gegenüber MSO hat. Ich verstehe, woher es kommt bzw. warum es nicht kommt. Und ich schätze die anderen Vorteile, die OOo hat.

Vielleicht bin ich ja ein Sonderfall. Vielleicht aber geht es auch vielen anderen ähnlich, wie mir. Sie lesen auf der OOo-Homepage den Satz: "Wenn Sie mit Microsoft Office umgehen können, werden Sie auch OpenOffice.org 2 keine Probleme haben." Dann öffnen sie zum ersten Mal ihre Excel-Datei in Calc und stellen fest, dass man einzelne Zellen nicht per Drag&Drop verschieben kann (Issue 60286) und dass ihre Adressenliste nur noch nach Nachnamen, aber nicht mehr nach Postleitzahl oder Telefonnummer sortiert werden kann (Issue 7277). Dann wenden sie sich enttäuscht ab und behalten eine schlechte Erinnerung.

Sorry für die Textmenge. Das war eingangs nicht beabsichtigt. Und ich hoffe, das alles wird nicht als Mäkeln empfunden. So ist es nicht gemeint. Ich bin mit Feuer und Flamme dabei. Mein Aufruf aber ist, nicht einen Mercedes oder VW anzupreisen, wenn man einen Dacia liefert. Es gibt genug, die gar keinen Mercedes wollen. Die machen wir glücklich.

Gruß

Stefan

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