2010/5/10 Daniel Schury <[email protected]>:
> Dann macht man aus dem Wolken-Computing erstmal ein Wolken-Rechnen und
> geht dann zur Rechner-/Rechenwolke über und schon ist es nicht mehr ganz
> so schlimm ;)

;D


> Prinzipiell sehe hier ein generelles Problem aufkommen: Lassen wir
> englische Wörter stehen, versuchen wir sie zu übersetzen oder
> umschreiben wir sie, mit dem Risiko, den Bezug zum Originalbegriff zu
> verlieren?

Ich finde, dass können wir nicht generell sehen. Wenn es unklar ist,
müssen wir es für jedes Wort entscheiden und in die
Richtlinien/Standardübersetzungen schreiben. Wichtig ist, jedes Wort
im Kontext möglichst richtig aber auch möglichst verständlich zu
übersetzen. Lieber ein paar dutzend Übersetzer mehr anstrengen als ein
paar tausend Nutzer.


> Am 10.05.2010 20:57, schrieb Moritz Baumann:
>> Am Montag, dem 10.05.2010, um 20:32 schrieb Daniel Schury:
>>> Zudem sehe ich das Problem, wenn wir Cloud-Speicher mit "privatem
>>> Online-Speicher" übersetzen, was machen wir mit Cloud-Computing?
>>> "Verteiltes Rechnen von über das Internet vernetzten Rechnern"? Ok,
>>> wahrscheinlich finden wir etwas anderes, aber der Zusammenhang zwischen
>>> beiden geht halt verloren. Cloud-Speicher ist halt nicht einfach nur
>>> online verfügbarer Speicher, sondern schon was anderes als Webspace.
>>
>> Siehe zwei Absätze weiter unten.

Müssen wir denn sicherstellen, dass es einen Bezug zwischen beiden
Wörtern gibt? Man sagt schließlich auch im Englischen nicht selten
»distributed computing«.

Cloud-Speicher ist vom System skalierbar oder redundant oder was auch
immer, aber schlussendlich nichts anderes als Webspace: Speicherplatz
auf irgendwelchen Servern in irgendwelchen Ländern (am besten privat
;), jedenfalls nicht auf meiner Festplatte. Ich bezahle die Firmen,
die machen die Wartungsarbeiten.

Aber den Vergleich müssen wir gar nicht machen. Eigentlich müssen wir
uns nur fragen: Was ist Cloud Storage für die Nutzer und welches Wort
würden die verwenden?


>>> Ich verstehe halt prinzipiell nicht, wo das Problem bei Wolke ist? Weil
>>> es niemand nutzt? Weil es deutsch und damit komisch klingt? Weil niemand
>>> weiß, was es ist? Ein Satz ders erklärt und fertig. Man kann Rechner
>>> nicht nutzen, ohne sich ein wenig damit zu beschäftigen. Viele Menschen
>>> wissen nicht, was ESP heißt, noch wie es funktioniert, trotzdem wissen
>>> sie: Wenn mein Auto es hat, fährt es sicherer, weil es mein Auto
>>> irgendwie am Schleudern hindert. Das hat man ihnen einmal erklärt und gut.

Der »kleine Satz, der es erklärt und gut« ist genau das Problem: Denn
der müsste dann an jeder Ecke stehen, da man bei Anwendungen ja nie
irgendwo vorne anfängt, wo es einmal erklärt ist.


>> [OT: Das Argument »man muss sich eben mit dem PC beschäftigen« ist ein
>> Totschlagargument, mit dem man alles begründen könnte. Realität ist nunmal,
>> dass die meisten Leute noch nichtmal das Konzept »E-Mail« zu 100% verstanden
>> haben und sowieso sofort komplett aussteigen, wenn ich ihnen versuche, Jabber
>> zu erklären. Und ich meine damit nicht meine Oma. ;-)
>> Wenn man dieses Problem lösen möchte, muss man in den Schulen ansetzen; wir
>> als Übersetzer können und sollten nicht versuchen, den Benutzer dazu zu
>> bringen, sich näher mit dem PC zu beschäftigen, sondern ihm eine möglichst
>> verständliche Übersetzung liefern. Auch wenn PC-Analphabetismus ein Problem
>> ist.]

Ich denke auch nicht, dass das Offtopic ist: Für Normalnutzer ist bei
Rechnern nicht das Ziel, sich damit zu beschäftigen, sondern sie das
machen zu lassen, was man möchte. Richtige Übersetzung bzw. Benennung
ist enorm wichtig für die Nutzungsfreundlichkeit.


>>> Ein weiterer, vielleicht eher pragmatische Vorteil von Wolke wäre: Es
>>> erleichtert definitiv die Übersetzungsarbeit, da Cloud generell mit
>>> Wolke übersetzt wird und der andere Teil auch. Reduziert
>>> Einarbeitungsaufwand und verringert das Fehlerpotenzial, Cloud im
>>> Kontext falsch zu übersetzen. Sicher kein Hammerargument, klar, aber
>>> trotzdem.

Siehe weiter oben, mein zweiter Einschub bzgl. Anstrengung der Übersetzer.


>> Um dein Argument von vorhin aufzugreifen: Wolken-Computing hört sich absolut
>> grausam an! ;-)
>>
>> Wie du vielleicht weißt, mag ich Anglizismen überhaupt nicht; aber »Cloud«
>> kann man meiner Meinung nach einfach nicht vernünftig übersetzen. Wie schon
>> erwähnt, der englische Begriff ist schlimm genug. Deswegen bin ich auch der
>> Meinung, dass man den Begriff entweder stehen lassen oder umschreiben sollte.
>> Optimal wäre meiner Meinung nach »Online-Speicherplatz (Cloud)«.

Die Frage ist, ob das ein Kompromiss ist, der sich positiv für die
Nutzer auswirkt (Verknüpfung mit Zeitungsartikeln) oder negativ
(Unverständnis: »Cloud … was ist denn das?«). Wenn wir das Wort
»Cloud« nirgendwo sonst verwenden, sollten wir es dort nicht einfach
einschmeißen.

Ich glaube dass Leute, die Cloud Storage kennen, kein Problem mit dem
Deutschen Wort »Online-Speicherplatz« haben – das ist es schließlich
einfach.

Und wenn man Cloud Storage nicht kennt, dann muss man nur »online« und
»Speicherplatz« wissen. Das muss man eventuell auch erst erklären,
aber dann spiel mal ne Runde Tabu mit Cloud Storage. ;D

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