Am Montag, dem 10.05.2010, um 20:32 schrieb Daniel Schury:
> Zudem sehe ich das Problem, wenn wir Cloud-Speicher mit "privatem
> Online-Speicher" übersetzen, was machen wir mit Cloud-Computing?
> "Verteiltes Rechnen von über das Internet vernetzten Rechnern"? Ok,
> wahrscheinlich finden wir etwas anderes, aber der Zusammenhang zwischen
> beiden geht halt verloren. Cloud-Speicher ist halt nicht einfach nur
> online verfügbarer Speicher, sondern schon was anderes als Webspace.

Siehe zwei Absätze weiter unten.

> Ich verstehe halt prinzipiell nicht, wo das Problem bei Wolke ist? Weil
> es niemand nutzt? Weil es deutsch und damit komisch klingt? Weil niemand
> weiß, was es ist? Ein Satz ders erklärt und fertig. Man kann Rechner
> nicht nutzen, ohne sich ein wenig damit zu beschäftigen. Viele Menschen
> wissen nicht, was ESP heißt, noch wie es funktioniert, trotzdem wissen
> sie: Wenn mein Auto es hat, fährt es sicherer, weil es mein Auto
> irgendwie am Schleudern hindert. Das hat man ihnen einmal erklärt und gut.

Ich denke, weil es niemand kennt und wirklich benutzt, außer für 
»einfallsreiche« Überschriften bei Heise. ;-) Deswegen passt auch der 
Vergleich mit ESP nicht. »ESP« ist eher noch ein Argument dafür, aus 
Marketing- und Wiedererkennungsgründen überhaupt nicht zu übersetzen, sondern 
»Cloud« einfach stehen zu lassen. Erklären kann man den Begriff dann trotzdem.

Generell muss auch das Erfinden neuer Begriffe nicht unbedingt falsch sein, 
aber 
dann sollten diese schon eindeutig und selbsterklärend sein. Leider muss ich 
Jan da zustimmen: »Wolke« ist alles andere als selbsterklärend.

[OT: Das Argument »man muss sich eben mit dem PC beschäftigen« ist ein 
Totschlagargument, mit dem man alles begründen könnte. Realität ist nunmal, 
dass die meisten Leute noch nichtmal das Konzept »E-Mail« zu 100% verstanden 
haben und sowieso sofort komplett aussteigen, wenn ich ihnen versuche, Jabber 
zu erklären. Und ich meine damit nicht meine Oma. ;-)
Wenn man dieses Problem lösen möchte, muss man in den Schulen ansetzen; wir 
als Übersetzer können und sollten nicht versuchen, den Benutzer dazu zu 
bringen, sich näher mit dem PC zu beschäftigen, sondern ihm eine möglichst 
verständliche Übersetzung liefern. Auch wenn PC-Analphabetismus ein Problem 
ist.]

Falls es im Kontext wichtig ist, dass die Benutzer die dahinter stehenden 
Technologien mitbekommen, dann sollte man »Cloud« stehen lassen oder in 
Klammern diesen Begriff erwähnen.

> Ein weiterer, vielleicht eher pragmatische Vorteil von Wolke wäre: Es
> erleichtert definitiv die Übersetzungsarbeit, da Cloud generell mit
> Wolke übersetzt wird und der andere Teil auch. Reduziert
> Einarbeitungsaufwand und verringert das Fehlerpotenzial, Cloud im
> Kontext falsch zu übersetzen. Sicher kein Hammerargument, klar, aber
> trotzdem.

Um dein Argument von vorhin aufzugreifen: Wolken-Computing hört sich absolut 
grausam an! ;-)

Wie du vielleicht weißt, mag ich Anglizismen überhaupt nicht; aber »Cloud« 
kann man meiner Meinung nach einfach nicht vernünftig übersetzen. Wie schon 
erwähnt, der englische Begriff ist schlimm genug. Deswegen bin ich auch der 
Meinung, dass man den Begriff entweder stehen lassen oder umschreiben sollte. 
Optimal wäre meiner Meinung nach »Online-Speicherplatz (Cloud)«.

Grüße,
Moritz

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